Leichenfund bei Willich: Babyleiche: Mutter wohl aus der näheren Umgebung

Leichenfund bei Willich : Babyleiche: Mutter wohl aus der näheren Umgebung

Die Mutter des am Freitag am Flöthbach gefundenen toten Babys kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Nähe des Fundortes, da dieser für Ortsunkundige schwer zu finden ist. Das gab Ingo Thiel, Leiter der "Ermittlungskommission Flöth", am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt.

Gleichzeitig begannen Kriminalpolizisten in der Umgebung des Fundortes, also im nördlichen Anrath, auch mit Hausbefragungen, verteilten Handzettel und hängten Plakate auf. In den kommenden Tagen könnten zudem Hundertschaften eingesetzt werden, um die Mutter des Babys zu finden. Dann wird das Befragungsgebiet auch auf ganz Anrath und die Randbereiche Viersens ausgeweitet. Sollten die Befragungen nichts ergeben, sei auch eine DNA-Reihenuntersuchung denkbar.

Neu ist auch die Erkenntnis, dass der Stoffbeutel mit dem zusätzlich in einen schwarzen Müllsack eingewickelten, 52 Zentimeter großen und zwei Kilogramm schweren Baby wohl mindestens seit dem 14. August im Flöthbach gelegen hat. Ein Mitarbeiter des Wasserverbandes habe ihn dort liegen sehen, als er die Böschung gemäht hat. Ingo Thiel sagte auch, dass die Babyleiche möglicherweise seit Anfang August dort gelegen haben könnte. "Der Todeszeitpunkt des Babys lässt sich aus rechtsmedizinischer Sicht nicht feststellen." Da der unmittelbar am Regenrückhaltebecken gelegene Flöthbach stark schwankende Wasserstände aufweise, sei nicht klar, wie lange und wie oft sich der Beutel mit dem Baby unter oder über der Wasseroberfläche befunden habe — was sich auf die Verwesung auswirke. Da der Flöthbach keine feste Fließrichtung hat, geht Thiel zu "95 Prozent davon aus, dass der Ablageort mit dem Fundort übereinstimmt".

Ein sogenannter Neonatizid, also die Tötung eines Neugeborenen, sei in der Bevölkerung mit vielen Emotionen verbunden, sagte der Kommissionsleiter. Daher sei es ihm wichtig, damit aufzuräumen, dass die Mutter eine emotionale Bindung zu ihrem Kind gehabt habe. "Die Mutter war 'im Kopf' nicht schwanger. Für sie war das Kind etwas Lästiges, dessen sie sich entledigt hat", sagte Thiel, der sich mit "Profilern" des Landeskriminalamtes beraten hat. "Wir suchen also nicht die Frau, die schwanger war und jetzt kein Kind vorweisen kann. Vielmehr hat die Mutter die Schwangerschaft unterdrückt und versucht, Erklärungen für ihre körperlichen Veränderungen zu finden — etwa eine Krankheit." Die "Palette" der infrage kommenden Personen reiche dabei vom Mädchen im gebärfähigen Alter bis zur Mutter, die bereits mehrere Kinder habe.

In ihren Befragungen hofft die Polizei nun, Hinweise auf eine Frau zu erhalten, die sich in jüngster Zeit zweimal verändert habe: zunächst während der Schwangerschaft und dann nach der Entbindung.
Auch zum Bündel gab die Polizei am Mittwoch neue Details bekannt: Die Stofftüte der Firma "TIP — Team Innovative Präsentationen" aus Mönchengladbach wurde 5000-mal produziert und vorwiegend auf den Frühjahrsausstellungen 2011 und 2012 in Mönchengladbach verteilt. Da es sich bei der Firma um einen Personaldienstleister handelt, ist die Polizei derzeit damit beschäftigt, etwa 11.000 Bewerbungen zu prüfen. Zusätzlich war das Baby in einen schwarzen Müllbeutel gewickelt, der nicht weiter auffällig ist.

Um das Bündel zu beschweren, hat die Mutter — oder ein Komplize, auf den Vieles hindeute — zwei Holzspaltkeile hineingelegt, die zusammen 4,7 Kilogramm schwer sind. Insgesamt betrug das Gewicht etwa sieben Kilo. "Das spricht für die Absicht, die Tasche mit dem Kind zu versenken", so Kommissionsleiter Ingo Thiel.

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