Schwalmtal: Ausweis-Tausch vor der Disco

Schwalmtal: Ausweis-Tausch vor der Disco

Jugendschützer beobachten gehäuft einen neuen „Sport“ bei Kids: Sie leihen sich kurzerhand den Personalausweis von einem älteren Freund und verschaffen sich so Einlass in eine Diskothek. Damit machen sich aber beide strafbar.

In die Disco beim großen Bruder an der Hand? Wie uncool! Felix B. (14) mopste dem 18-Jährigen seinen Personalausweis und erschwindelte sich damit den Einlass in den Tanztempel. Sein Pech: Bei einer Jugendschutzkontrolle flog er mit dem Ausweis auf. „In den vergangenen Wochen sind im Kreis Viersen mehrfach Personalausweise sichergestellt worden, mit denen sich Jugendliche Zutritt in eine Diskothek verschaffen wollten oder sogar verschafft haben“, berichtet Silvia Buske, verantwortlich für den Jugendschutz beim Jugendamt des Kreises Viersen. In Einzelfällen folgte eine Strafanzeige wegen des Missbrauchs von Ausweispapieren auf dem Fuße.

Hintergrund dieser Aktionen sind die Altersbeschränkungen im Jugendschutzgesetz. Unter 16-Jährige dürfen nur zu Tanzveranstaltungen oder in die Disco, wenn sie die Eltern oder ein anderer Erziehungsbeauftragter begleiten und sie im Auge behalten werden. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen auch alleine abtanzen – aber nur bis 24 Uhr. Länger als bis Mitternacht dürfen sie nur in Begleitung und unter Aufsicht der Eltern oder eines anderen Beauftragten bleiben.

Aber wo’s Regeln gibt, werden auch Wege gesucht, sie zu umgehen. Jugendliche täuschen immer öfter mit einem geliehenen Ausweis vor, über 16 zu sein und kommen so alleine am Türsteher vorbei. Andere glauben, mit dem Ausweis eines Volljährigen auch nach Mitternacht noch bleiben zu dürfen. Doch das Austauschen von Ausweisen kann böse Folgen haben: „Beide Seiten machen sich damit strafbar. Der Gebrauch eines fremden Ausweises ist ebenso strafbar wie das Verleihen des eigenen Ausweises“, stellt Silvia Buske klar. Aber auch den Diskothekenbetreibern drohen empfindliche Geldbußen, wenn sie Kinder oder Jugendliche gegen die Regeln des Jugendschutzgesetztes in ihren Räumen dulden. „Da können bis zu 50 000 Euro fällig werden. Deshalb gibt es in den meisten Diskotheken Einlasskontrollen“, erklärt die Mitarbeiterin des Kreis-Jugendamtes.

Die für den Jugendschutz zuständigen Dienststellen von Stadt- und Kreisverwaltung Viersen warnten gestern nachdrücklich vor derartigen Praktiken und appellieren an die Eltern von Jugendlichen, verstärkt auf die Einhaltung der Altersbeschränkungen zu achten und die Täuschung mit geliehenen Ausweisen zu unterbinden.

(RP)
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