Ausstellung "Belichtungen" vom 3. Februar bis 24. März in der Städtischen Galerie in Viersen

Ausstellung in Viersen : Kunst in einer Welt voller Schnappschüsse

In der Städtischen Galerie öffnet am Sonntag die Ausstellung „Belichtungen“. Künstler mit verschiedenen Ansätzen eröffnen neue Sichtweisen auf die Fotografie und regen zum Nachdenken an.

Wir leben in einer Welt voller Bilder. Jeder fotografiert alles. Auf diese Weise wird jeder zum Experten. Die Fotografien der Kunstschaffenden unterscheiden sich allerdings wesentlich vom täglichen Schnappschuss.

In der Städtischen Galerie in Viersen wird am Sonntag, 3. Februar, eine den Blick verändernde Fotografie-Ausstellung eröffnet. Unter dem Titel „Belichtungen“ zeigen Viktoria Binschtok, Yvon Chabrowski – in einer Arbeit mit Nicolás Rupcich, in der der Galeriebesucher rätselhafter Teil der Installation wird –, Sven Johne, Barbara Probst, Julian Röder und Adrian Sauer Beispiele ihres Schaffens. Was die sehr unterschiedlichen Ansätze eint, ist das prinzipielle Nachdenken der Künstler über das Medium Fotografie.

Yvon Chabrowski (r.) bearbeitet gefundenes Bildmaterial. In der Serie „Sea Pieces I-IV“ erkennt der Betrachter das Meer. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Anders als ein Bild erschließen sich die Betrachter eine Fotografie fast immer über den Inhalt. Dem arbeitet Viktoria Binschtok (geboren 1972 in Moskau) entgegen: Sie überlässt es einem Algorithmus, ein von ihr fotografiertes Bild nach Form und Farbe zu analysieren und Ähnliches zu finden. So entstehen die „Cluster“, in denen ein Schmetterling mit dem Foto eines Soldaten in einer Grube in eine rätselhafte und beklemmende Nähe rückt.

Wolkenbilder sind die Highlights in der Kunstgeschichte und entsprechend mit Bedeutung aufgeladen. Der 1976 in Berlin geborene Adrian Sauer spielt genau damit. Er zeigt Wolkenpaare, die sich nur dadurch unterscheiden, dass sie hell und dunkel umkehren. Eine Assoziation an die analoge Fotografie mit ihren Negativen, in denen das Dunkle hell erschien und umgekehrt. Aber heute ist ein Foto nur eine Kombination von Nullen und Einsen. Aufgestellte Winkelspiegel entmaterialisieren die Wolken vollends.

Barbara Probst zerlegt den Mythos des „richtigen Moments“ in mehreren Einzelfotos, wie bei „Exposure“, im Central Park in New York. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Julian Röder (geboren 1981 in Erfurt) enttarnt in seiner Installation den Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts und verbindet ihn mit der Moderne. Ein Radiograph nimmt die Gedanken auf – Ergebnis sind wunderschöne Farbkompositionen – die Anleitung für den Radiografen gibt es dazu.

Verwirrend sind die Fotografien von Barbara Probst (geboren 1984 in München). Zwei oder drei Bilder sind nebeneinander präsentiert und gehören zusammen, ohne dass das sofort ersichtlich wird. Probst zerlegt den Mythos des „richtigen Moments“ in der Fotografie in mehrere Einzelfotos, die gleichzeitig aufgenommen werden, aber unter unterschiedlichen Blickwinkeln.

Yvon Chabrowski bearbeitet gefundenes Bildmaterial. In der Serie „Sea Pieces I-IV“ von 2015 erkennt der Betrachter das Meer. Mal eine Spur, mal ein Wogen. Dass etwas fehlt, ist offenkundig: Chabrowski hat Flüchtlingsschiffe heraus retuschiert. Das Fehlen unterstreicht dramatisch ihre Anwesenheit. Sven Johne (1976 auf Rügen) nennt seine Arbeit „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts“. Zu sehen sind gefundene Porträts in Kombination mit gesellschaftlichen Lebensentwürfen.

Kuratiert wird die Ausstellung von der in Berlin lebenden Kunsthistorikerin Maren Lübbke-Tidow. Die Präsentation entstand in Zusammenarbeit mit dem „Art’Us Collector’s Collective“, einem Zusammenschluss privater Sammler, die Werke aus ihrer Sammlung einem breiteren Publikum zugänglich machen möchten. Die Sammler bleiben namentlich unerwähnt.

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