Viersen: Auftakt nach Maß

Viersen : Auftakt nach Maß

Mit einem umjubelten Konzert in Tommy's Workshop sorgte Gypsy-Swing-Weltstar Joscho Stephan für einen gelungenen Start des Viersener Südstadtsommers. Bis September gibt es eine Fülle kultureller Veranstaltungen.

"Wie schnell hättest du's gerne?" Einen maßgeblichen Aspekt dieses besonderen Konzertabends bringt Joscho Stephan mit seiner Frage auf den Punkt. Mundharmonikaspieler Peter Schmutter kann man wirklich nicht der Trägheit bezichtigen, was die Beherrschung seines Instruments angeht. Dass Stephan den Gastmusiker des Abends vorsichtshalber trotzdem den Takt für den als Zugabe vorgesehenen Jazz-Standard "On The Sunny Side Of The Street" einzählen lässt, ist dennoch für alle nachvollziehbar, die im bisherigen Verlauf des Konzerts den Darbietungen des Gypsy-Swing-Virtuosen gelauscht haben.

Publikum ist begeistert

Mit einer Geschwindigkeit, die, entgegen der Redensart, eben doch an Hexerei grenzt, hat Gitarrist Joscho Stephan sein Publikum zuvor mehrfach zu spontanen Begeisterungs-Kundgebungen animiert. Wie die rieselnden Wassertropfen einer fein justierten, sündhaft teuren Designer-Dusche perlen die Töne aus der akustischen Gitarre, wenn Stephan seine Soli zelebriert. Vielleicht kann man dem Genre Gypsy Swing generell eine gewisse Glattheit vorwerfen. In seiner ausgezirkelten, rundweg harmonischen Tonalität schwingt immer ein Hauch von "gefallen wollen" mit, die "blue notes" kratzen nie an der Disharmonie, böswillig könnte man von Konsens-Musik sprechen.

Aber dem Mann kann man einfach nicht böse sein. Dafür ist sein Virtuosentum zu unprätentiös, seine musikalische Exklusivität durch die spezifisch-niederrheinische Bodenständigkeit und Verschmitztheit eines echten "Gladbacher Jung'" aufs Sympathischste gebrochen. Die Bühnenansagen erreichen mitunter Helge-Schneider'sches Humor-Format, etwa wenn er seinem Vater Günter an der Rhythmusgitarre mit gespieltem Mitleid den schwersten Job in der Band bescheinigt: "Der darf nie Solo spielen!" Dazu kommt eine mit den Jahren gewonnene Gelassenheit Joscho Stephans, die zunehmend auch Raum lässt für musikalische Beweisführung jenseits virtuoser Geschwindigkeits-Exzesse.

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Duett mit Gastmusiker

Dann siegt plötzlich Groove über Geschwindigkeit und die Räume zwischen den Klängen bekommen Gewicht. Wie in der zum Konzertbeginn vorgetragenen Ballade, die in Gestalt eines Duetts mit Gastmusiker Peter Schmutter daher kommt. Der beweist kongeniale Fähigkeiten auf seinem Instrument. Gekonnt tranchiert Schmutter auf der Mundharmonika die Akkorde in filigrane Einzeltöne, im Wechselspiel mit Stephan entsteht ein fast magischer Groove. Da hören zwei einander zu und harmonieren durch souveräne Bescheidenheit, Präzision und spieltechnische Akkuratesse.

Uwe Peters, Motor und Herz des Viersener Südstadtsommers, strahlt. Das zur Eröffnung des Abends gesprochene Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters Hans-Willy Bouren bewahrheitet sich: Die "Erfolgsgeschichte im Herzen der Südstadt" geht weiter.

(RP)
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