Atelierbesuch bei Manfred Jülicher

Atelierbesuch : Wie Zeitungsseiten zu Kunstwerken werden

Manfred Jülicher verwendet etwa Zeitungspapier und Fliesen für seine Kunstwerke. Fast fertig ist auch sein neues Buch.

Er hat Galerien geleitet, internationale und regionale Kunst gesammelt, selbst Kunst gemacht, Ausstellungen organisiert und selbst ausgestellt, Heimatbücher geschrieben und als Lehrer gearbeitet. Der 1941 in Mönchengladbach geborene Manfred Jülicher entwickelt in seinem Büro, das sich in seinem Haus in Niederkrüchten am Laarer Weg befindet, immer neue Pläne.

Mehr Bücher schreiben, steht auf seiner Agenda. Aber keine heimatgeschichtlichen mehr. Ein Buch ist fast fertig. „Kommt Zeit, kommt Gott“ lautet der Arbeitstitel. Darin setzt der Niederkrüchtener sich mit der Zukunft einer technisierten Menschheit auseinander. Er will auch weiter mit der Kunst machen. Im Moment plant er eine Plastik aus geschichteten Fliesen, zwei Meter hoch, um fünf Grad geneigt. Die Basis dafür waren seine Plastiken aus aufgeschichteten Pappquadraten. Papier, genauer gesagt: bedrucktes, gelesenes Papier, ist immer sein wichtigstes Material gewesen. Zu Beginn schuf er klassische Collagen aus ausgeschnittenen und neu zusammengefügten Textteilen und fragmentierten Worten, die er „Textspuren“ nannte. Die in grafische Reihungen gesetzten Worte und Buchstaben sind nicht lesbar, aber zu entziffern. Was fehlt, ist der Gesamtzusammenhang. Die Textfragmente sind nur noch Spuren, Erinnerungen an Informationen.

Tageszeitungen, Anzeigenblättchen und Prospekte waren auch die Grundlage seiner „Pasteboard-Cuts“ und „Papermades“. Dabei presste er Zeitungsblätter, Wellpappe, Verpackungsmaterialien zu Reliefs und Bildobjekten, aber eben auch zu Skulpturen aus geschichteten Pappen zusammen – die Grundlage seiner Weiterentwicklung in Plastiken aus Fliesen.

Manfred Jülicher hat in seinen künstlerischen Arbeitsprozessen immer auch mit neuen Medien und Techniken experimentiert. So greift er auf Papierarbeiten zurück, wählt ein Detail, kopiert sie im Format DIN-A4, bearbeitet es zeichnerisch mit Bleistift und Kugelschreiber, fügt Textspuren hinzu, kopiert das bearbeitete Detail erneut. Nun wird es fotografiert und auf Leinwand gedruckt. „Fotografik“ nennt er das entstandene Ergebnis. Und plötzlich erhält eine ehemalige Textspur durch die wiederholte Bearbeitung die Assoziation einer verschwommenen, verwischten Landschaft.

Manfred Jülicher kam in Mönchengladbach zur Welt, hat dort am Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium Abitur gemacht und an der Pädagogischen Hochschule in Aachen studiert. Bei Benno Werth in Aachen und Erwin Heerich am Städtischen Werkseminar in Düsseldorf erlernte er Druck- und Werktechniken. Neben Kunst- und Baugeschichte in Aachen und Köln studierte Jülicher Sonderpädagogik.

Wer mehr über den Künstler wissen will, nutzt dessen Website: www.manfred-juelicher.de.

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