Viersen: Astrid Lindgren auf Platt

Viersen: Astrid Lindgren auf Platt

Beim 28. Vorlesewettbewerb Mundart des Heimatvereins stellten sich rund 150 Kinder aller Schulformen der Mundart-Jury. Viele von ihnen haben mit Oma und Opa geübt. Auch heute und morgen wird vorgelesen.

"Pelle ös krans. Hüüt morije hät Papa sine Füler jesoot on Pelle sol öm sich wi al ens dökser jekreeje habe. Äver Pelle wet jonts jenau date en Papas bruune Jop en der Schrongk ös", liest Fiona vor und fährt dabei mit ihren Fingern auf dem Text entlang. Ob die Schwedin Astrid Lindgren erkannt hätte, dass es sich bei diesem Stück um ihre Geschichte "Pelle zieht aus" handelt? Wohl kaum. Aber Hauptsache ist, das Publikum versteht's. Und das tut es, denn es gibt großen Beifall, als Fiona von der kleinen Bühne herab steigt.

Die Erstklässlerin der Grundschule Waldniel ist eines von rund 150 Kindern, die an der diesjährigen Endausscheidung des "Vorlesewettbewerbs Mundart" teilnehmen, den der Arbeitskreis Mundart des Viersener Heimatvereins zum nunmehr 28. Mal ausrichtet. "In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal eine kleine Bühne für die Kinder aufgebaut", erzählt Moderatorin Hella von den Berg vom Arbeitskreis Mundart stolz.

Ein Teddy als Glücksbringer

  • Viersen : Jury kürt die besten jungen Mundart-Vorleser

An drei Tagen lesen jeweils rund 50 Kinder nachmittags im Veranstaltungsraum der Viersener Stadtbibliothek jeweils ab 15 Uhr vor einer zehnköpfigen Jury – allesamt Mitglieder des Arbeitskreises – ihre eingeübten Texte vor. Die hat dann die Qual der Wahl, denn die Kinder lesen allesamt erstaunlich flüssig. So auch Emilie Ullrich aus dem dritten Schuljahr der Grundschule Waldniel. "Ich habe letztes Jahr schon mitgemacht, weil das Vorlesen mir soviel Spaß macht", erzählt sie. Zur Unterstützung hat sie ihren Teddy im Schlepptau, den sie beim Lesen fest mit der linken Hand umklammert. Und es hilft: "Es ist richtig gut gelaufen", sagt sie nachher. Mit ihren Großeltern spricht Emilie zu Hause auch schon mal Plattdeutsch. "Dann verstehe ich auch fast alles", erzählt Emilie.

Auch Niklas von der Lambertusschule in Breyell tritt mit Astrid Lindgrens Weihnachtsgeschichte über Pelle an. "Mensch, das Ende konntest du ja schon auswendig", lobt ihn Hella von den Berg als der Zweitklässler nach seinem Vortrag von der Bühne springt. "Meine Oma und mein Opa aus Kempen reden auch immer so. Mit denen habe ich geübt", erzählt Niklas und präsentiert stolz seine Urkunde. "Die hänge ich bei mir im Zimmer auf", ist er sich sicher.

Jolina, Sara und Yannik von der Dülkener Ostschule sind die ältesten Teilnehmer gestern Nachmittag und lesen einen schwierigeren Text. Seit Ende vorigen Jahres haben sie mit Manfred Thyssen vom Arbeitskreis Mundart in ihrer Freizeit geübt. Der Text ist leider ziemlich lustig, so dass der eine oder andere im Publikum lachen muss. "Das hat mich total aus dem Konzept gebracht", beschwert sich Yannik hinterher. Die Mädchen sind aber zufrieden. Auch Sara hat sich zweimal verlesen. "Aber das ist nicht so schlimm", weiß die Sechstklässlerin. Schließlich hat die Jury gar keine Zeit, jeden Fehler zu notieren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE