Arnulf Rating zu Gast im Kulturforum Schloss Dilborn in Brüggen

Kabarett in Brüggen : Im Tornado über die Bühne von Schloss Dilborn

Politkabarettist Arnulf Rating sezierte die Welt der Manipulation und Widersprüche im Informationszeitalter.

Die unanfechtbare Position der CDU in Brüggen ließ Arnulf Rating offensichtlich nicht los. „Ist das erblich?“, fragte der Politkabarettist staunend mit bissigem Unterton. Sein Blick bohrte sich in die Gesichter der Besucher in den ersten Reihen, während eine Tabelle der Landtagswahlen Zahlenverhältnisse spiegelte, von denen bayerische Spitzenpolitiker zurzeit allenfalls träumen.

Die politischen Vorlieben der Burggemeinde musste sich das Publikum im Kulturforum Schloss Dilborn öfter unter die Nase reiben lassen. Das nahm die satirischen Sticheleien selbstbewusst gelassen mit einem Schmunzeln, während Rating im verbalen Luftwirbel die flächendeckende Verwirrung nach der Vertreibung aus dem Informationszeitalter ins „Postfaktische“ beschrieb.

Beherrschendes Thema des aktuellen Programms ist die Manipulation. Doch auch abseits gezielter Beeinflussung mäanderte der vielfach ausgezeichnete Spötter durch die Widersprüche seiner Zeit und dozierte schließlich über die Aktualität von Edward Bernays 1928 erstmals erschienenes Buch „Propaganda“.

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Als habe er sich verspätet, war Rating zu Anfang in Hut und Mantel mit Gepäck ins Kulturforum gestürmt. Er sei mit dem Zug gekommen, behauptete der Kabarettist, um eine Breitseite gegen die Deutsche Bahn abzufeuern. Hier hätten Automanager den Auftrag, Millionen zu vergraben, ohne dass die Bahn besser werde. Von der langen Anreise unterzuckert, verspeiste der Kabarettist die Brocken eines halben Hähnchens, um mit vollem Mund zu behaupten, er sei eigentlich Veganer. Doch in Brüggen gäbe es kein Tofu und dergleichen. Damit fand er zum Stichwort, um sich im temporeichen Redefluss über Antibiotika und Hormone in manipulierten Lebensmitteln auszulassen. Schlagzeilen aus der Zeitungslandschaft wurden ihm zum Losungswort, um über Sonderbarkeiten und Befindlichkeiten in der gesellschaftspolitischen Landschaft zu lästern, gerne auch mit witzigen Bonmots auf eine Jugend, die mit Printmedien und Wahlzetteln nichts mehr anfangen könnte, da alles Wischen und Drücken nichts hilft, um Seiten zu öffnen und zu teilen.

Seehofers Vorstoß, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, konterte er süffisant mit der Feststellung, dass doch gerade der Heimatminister die islamische Vielweiberei mit Erfolg praktiziert habe. Zu VW konstatierte Rating lässig, dass sich der Autokonzern mit 14 Milliarden aus dem Feinstaub mache. Rating packte geschickt Pointen und Wortspiele wie nebenbei ein, mit Vergnügen politisch unkorrekt gewürzt. Sein Blick zielte auf hiesige Absonderlichkeiten, schweifte über den „May-Day“ des Brexits zu US-Präsident Trump und zurück nach Deutschland, wo Politiker kein Ausbildungsberuf ist.

In den Betrachtungen über Bernays’ 1928 erschienenes Hauptwerk „Propaganda“ verwandelte sich der Kabarettist beinahe zum Dozenten. Verblüffend entlarvte er den Neffen von Sigmund Freud als Vorläufer einer PR-Arbeit, die es darauf anlegt, Konsumwünsche zu wecken und politische Maßnahmen durchzusetzen.

Für das Jahresprogramm 2019 sind noch einige Abo-Karten erhältlich. Kartenbestellungen nimmt Hermann Schröder entgegen unter Ruf 0174 9218401.

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