Viersen: Arbeitskreis "Viersener Kurve": Viele offene Fragen

Viersen : Arbeitskreis "Viersener Kurve": Viele offene Fragen

In der ersten Sitzung stellte die Stadtverwaltung eine Studie vor, die eine Trasse durch Viersen bevorzugt

Der Viersener Stadtverwaltung fehlen noch immer wichtige Daten zur "Viersener Kurve". Mehrmals seien Anfragen an Bund und Land gestellt worden, doch konkrete Antworten habe es bisher nicht gegeben, klagte Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) bei der ersten Sitzung des Arbeitskreises "Viersener Kurve". Soll eine Bahntrasse von den Niederlanden zum Ruhrgebiet gebaut werden, die ein- oder zweigleisig durch den Viersener Stadtteil Rahser ("Viersener Kurve") führt? Wie werden Ausweichrouten durchs Stadtgebiet geprüft? "Möglicherweise haben wir mit der Rückendeckung eines politischen Arbeitskreises mehr Chancen auf Antworten", sagte Anemüller.

Die Viersener CDU-Fraktion hatte im März beantragt, einen Sonderausschuss zur "Viersener Kurve" zu bilden. Der Stadtrat lehnte mehrheitlich ab, beschloss aber, einen Arbeitskreis zu gründen. Fünf Vertreter der Stadtverwaltung und 13 Kommunalpolitiker trafen sich jetzt zur ersten Sitzung. Auch die Landtags- und Bundestagsabgeordneten für den Kreis Viersen waren eingeladen - nur der Landtagsabgeordnete Dietmar Brockes (FDP) nahm teil.

Stadtentwickler Harald Droste stellte die Machbarkeitsstudie "Alternative Rhein-Ruhr-Gleisanschlüsse" (3RX) zur Optimierung des Schienenverkehrs zwischen den Nordseehäfen und dem Ruhrgebiet vor. Belgien hatte sie in Auftrag gegeben, die Niederlande und Deutschland waren daran beteiligt.

Die Studie wertet verschieden Varianten von Verbindungstrassen aus. Die mit rund 770 Millionen Euro "billigste" und zudem "Vorzugs"-Variante würde eine ebenerdig zweigleisig ausgebaute "Viersener Kurve" enthalten, berichtete Droste. So sollen bis zu 72 Güterzüge täglich die Strecke nutzen können.

Die Vertreter der Stadtverwaltung kritisierten, dass sich die Gesamtkosten von 770 Millionen Euro aus der 3RX-Studie nicht herleiten ließen. Wie die "Viersener Kurve" aussehen soll, bleibe oberflächlich, sagte Droste. Darüber hinaus würden bestehende Trassen durch den Ausbau wenig entlastet. "Wir haben den Eindruck, dass die Studie die günstigste Variantenkonstellation gewählt hat, um die Wirtschaftlichkeit nach vorne zu bringen und damit die Kostenseite im Vergleich zum Nutzen zu drücken."

Dietmar Brockes merkte an: "Die 3RX-Studie wirft mehr Fragen auf, als dass sie Lösungen anbietet." Sie sei der Versuch aus Flandern, das Thema lebendig zu halten. Der Blick müsse jetzt nach Berlin gerichtet werden, "da ist des Pudels Kern zu suchen". Wichtig sei, darauf zu drängen, dass der zweigleisige Ausbau zwischen Kaldenkirchen und Dülken vom Bau der "Viersener Kurve" entkoppelt werde. Viersen solle nicht strikt alle Varianten ablehnen, denn an einem Ausbau hingen auch Arbeitsplätze.

"Grundsätzlich sagen wir auch: Güter und Personen auf die Schiene", betonte Anemüller. Deshalb könne sich Viersen nicht total verweigern. "Ob die Kurve kommt oder nicht, darauf haben wir nicht so viel Einfluss", sagte Manuela Krienen (CDU). "Ziel des Arbeitskreises sollte es aber sein, dass wir so gut wie möglich informiert sind." Viersen müsse sich so teuer wie möglich verkaufen. Michael Lambertz (SPD) ergänzte: "Es heißt, für Viersen die beste Möglichkeit auszuhandeln." Der Arbeitskreis tagt wieder am Montag, 10. September.

(RP)
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