Brüggen: Anwohner verärgert über 35-Meter-Mast

Brüggen : Anwohner verärgert über 35-Meter-Mast

Am Eggenberg in Oebel wird derzeit ein Sendemast der Telekom gebaut. Anlieger wehren sich gegen das Vorhaben: Wenn sie künftig in ihre Gärten blicken, haben sie den Mast vor Augen. Dort ist Landschaftsschutzgebiet

Vor 22 Jahren zogen Wolfgang und Gisela Knoblauch-Schael an die Roermonder Straße in Brüggen. Das Grundstück, auf dem sie ihr Haus bauten, ist groß: Gut 150 Meter reicht der Garten bis zum Waldrand. Aufwendig gestaltete das Ehepaar in den vergangenen Jahren das grüne Idyll, legte einen Teich an, in dem Schildkröten leben. Vom Wohnzimmer aus genossen die beiden bislang durch große Fenster den Blick auf den Garten und auf den dahinter liegenden Wald. Genießen können sie den Ausblick jetzt nicht mehr. Denn dort, wo ihr Grundstück endet, wird gerade ein Sendemast der Telekom gebaut. Er soll etwa 35 Meter hoch werden. Da die Grundstücke der Anwohner zum Haus hin abfallen, wirkt er von der Terrasse aus betrachtet höher.

Von den Bauarbeiten wurden die Knoblauch-Schaels und ihre Nachbarn im Dezember überrascht. "Wir hätten nie gedacht, dass hier so etwas passiert", sagt Wolfgang Knoblauch-Schael. Schließlich hatten sie ein Grundstück erworben, das zum Teil zum Landschaftsschutzgebiet gehört. Auch die Fläche dahinter liegt im Landschaftsschutzgebiet. Dass dort gebaut werden könnte, hätten sie nie für möglich gehalten.

Generell bedürfe es einer naturschutzrechtlichen Befreiung, wenn eine mobile Sendeanlage in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet werden soll, teilte Kreissprecher Markus Wöhrl auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Befreiung könne erteilt werden, wenn die Sendeanlage in "überwiegendem öffentlichen Interesse" sei. Ein Suchraumverfahren sei vorgeschaltet. Dabei müsse der Vorhabenträger untersuchen, welche Funkzellen bedient werden müssen und welche Standorte in Frage kommen. "Ist der Nachweis erbracht, wird die naturschutzrechtliche Befreiung in der Regel erteilt", so Wöhrl weiter. Der jetzige Standort sei "erst nach sorgfältiger Prüfung in Betracht kommender Alternativstandorte" 2014 mit der Deutschen Funkturm GmbH und der Gemeinde Brüggen festgelegt worden, erklärt der Kreis. Weiter heißt es: "Dabei sind insbesondere andere in Frage kommende Standorte im Bereich der Schwalmniederung wegen ,Unvereinbarkeit' mit dem Landschaftsbild verworfen worden, zugunsten der jetzt vorgesehenen, in dieser Hinsicht weniger bedenklichen Ackerfläche." Der Eingriff in die Natur sei im betroffenen Naturraum auszugleichen, etwa über eine entsprechend große Ausgleichsfläche, die naturnah bewirtschaftet werde.

Nach Angaben der Deutschen Telekom ist eine neue Sendeanlage notwendig. Denn der Mast, der sich auf einem Hausdach am Elsterweg befand, wurde abgebaut. Laut Gemeindeverwaltung fand sich kein Hauseigentümer, der einen Sendemast auf seinem Dach hätte haben wollen. 2013 informierte die Deutsche Telekom Technik GmbH die Gemeinde, dass man einen Standort suche. Durch den Abbau des Mastes am Elsterweg sei die Verbindung in diesem Bereich deutlich schlechter geworden, erklärt Telekom-Sprecher André Hofmann, eine LTE-Verbindung gebe es dort nicht. Daher habe die Telekom nach einem neuen Standort gesucht.

Im Januar 2014 schlug das Unternehmen einen Standort vor, und zwar im Bruch, wie Bauamtsleiter Dieter Dresen erklärt. Doch nicht die Gemeinde erteilt Baugenehmigungen, sondern der Kreis. Also fragte die Gemeinde im Kreishaus nach, ob der Standort möglich sei. "Wir haben gesehen, dass dort Landschaftsschutzgebiet ist, und haben die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis gefragt. Die erklärte, dass es für diesen Standort keine Baugenehmigung geben würde, und schlug daraufhin fünf alternative Standorte vor." Zwei lagen auf der nördlichen Seite der Roermonder Straße - dort, wo die Gemeinde Brüggen das Baugebiet an der Leonard-Jansen-Straße fortführen will. "Wir wollten nicht um den Standort herum planen müssen, sondern die Fläche frei halten", so Dresen.

So blieben die übrigen Vorschläge auf der südlichen Seite, im Außenbereich. Dort kann gebaut werden, wenn es sich um privilegierte Bauvorhaben handelt und öffentliche Belange dem nicht entgegenstehen. Telekommunikationsanlagen gehören zu den privilegierten Vorhaben.

Das Bauvorhaben hätte die Gemeinde nicht verhindern können, erklärt der Bauamtsleiter, es gebe einen rechtlichen Anspruch auf die Genehmigung privilegierter Vorhaben. Verweigere die Gemeinde ihr Einvernehmen, riskiere sie eine Klage, was ein hohes finanzielles Risiko darstelle. So sei in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde ein Standort gefunden worden, der verträglich sei - nämlich der jetzige am Rand des Landschaftsschutzgebietes. Weiter südlich wäre die Anlage deutlich wahrnehmbarer gewesen.

Die Anwohner wollen nichts unversucht lassen, den Bau zu stoppen. Sie haben bereits eine Petition an den Landtag gerichtet, wollen jetzt klagen. Anwohnerin Elvira Kaboth berichtet, sie habe einen Nervenzusammenbruch erlitten, als die Fundamente gelegt wurden. "Ich war fertig, dachte, das kann doch nicht wahr sein. Unsere Aussicht ist für immer zerstört."

Ehemann Wolfgang Kaboth fürchtet, dass Haus und Grundstück erheblich an Wert verlieren. Bauamtsleiter Dieter Dresen kann die Nöte der Anwohner verstehen. Doch helfen kann er ihnen nicht: "Wertverlust ist kein Ausschlussgrund für die Planung eines solchen Vorhabens."

(RP)
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