Antrag bei der St.-Antonius-Schützenbruderschaft: Frauen als Vollmitglieder

Brauchtum in Brüggen-Born : Antrag: Frauen als Vollmitglieder

Der Marine-Mädchenzug der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Born will richtig mitmachen und nicht mehr nur Gast sein. Am Sonntag entscheiden die Mitglieder über diesen Antrag.

Änderung nach 365 Jahren: Bei der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Born 1655 sollen Frauen als Vollmitglieder aufgenommen werden können. Das haben die Mitglieder des Mädchen-Marinezugs zur Jahreshauptversammlung am Sonntag, 19. Januar, beantragt. Die Versammlung beginnt um 11 Uhr im Borner Pfarrheim.

Das Schützenwesen war eine Domäne der Männer, die Frauen galten als schmückendes Beiwerk bei Bällen und Paraden. Oder sie durften ihren Männern bei ihren Aktivitäten in den Bruderschaften den Rücken freihalten. Eine aktive Mitgliedschaft oder gar eine Besetzung bedeutsamer Ämter in den Schützenbruderschaften blieben den Frauen lange verwehrt. Manchmal war aus den Reihen der Männer das Argument zu hören: „Ich kann ja auch nicht Mitglied eines Müttervereins werden.“

Doch „viele der 19 Bruderschaften in unserem Bezirk nehmen inzwischen Frauen auf“, sagt Thomas Wolf, erster Brudermeister der St.-Antonius-Schützenbruderschaft. Ihm seien nur noch zwei neben seiner eigenen bekannt, die dies nicht täten. „Es war nur eine Frage der Zeit“, meint Wolf.

Erstes weibliches Mitglied der St.-Nikolaus-Bruderschaft Brüggen wurde 1984 Ria Mesterom, die Frau des ehemaligen Brüggener Bürgermeisters Karl-Heinz Mesterom. Noch früher waren schon die Frauen bei der St.-Petrus- und-St.-Sebastianus-Bruderschaft Lüttelbracht-Genholt in der Bruderschaft aktiv. Die erste Schützenkönigin war dort im Jahr 1991 Inge Beenen. Sie erinnert sich: „Es gab keine männlichen Bewerber. Und wenn keiner will, kann ich es einmal probieren.“ Da ließ sie noch schießen. Ein Jahr später beim Bezirksschützenfest holte sie den Vogel selber herunter, das war so vorgeschrieben. Und damit wurde Inge Beenen die erste Bezirksschützenkönigin von Schwalmtal/Brüggen: „Da war ich schon mehr als zehn Jahre im Vorstand.“ Zum Schützenfest 2020 der St.-Petri-Bruderschaft Oebel-Gelagweg ist Jacqueline Resing die Schützenkönigin mit ihrem Zug, aus dem die zwölf Ministerinnen kommen nach dem Motto: „Wir sind Königin.“

In der Borner St.-Antonius-Schützenbruderschaft sind aktuell rund 300 Mitglieder aktiv,  darunter sind 20 weibliche Gastmitglieder. Laut Satzung dürfen sie etwa an Schießwettbewerben teilnehmen, aber nicht die Königswürde übernehmen. Dies ist laut Satzung ausschließlich männlichen Vollmitgliedern vorbehalten.

Zur nächsten Hauptversammlung stellte der Mädchen-Marinezug den Antrag, über die Vollmitgliedschaft von Frauen abzustimmen.  Laut Brudermeister Thomas Wolf zogen sie das erste Mal beim Schützenfest 2018 auf. Damals sei die Resonanz gespalten gewesen: Viele Männer fanden es toll, andere auch nicht.  Es gab auch Proteste: Alte Bruderschaftler drohten damit, gar nicht am Schützenfest teilzunehmen, einige nahmen auch nicht teil.

 Es gab in der Borner Bruderschaft laut Thomas Wolf vor rund 15 Jahre eine Lockerung; damals habe man mit dem Verein „Gut Schuss Brüggen“ kooperiert. Die dortigen Frauen wollten für die Bruderschaft im Schießen antreten; deshalb konnten sie – wie auch die Fahnenschwenkerinnen – Gastmitglieder werden. „Wir im Vorstand haben über den Antrag im Vorfeld gesprochen und stehen voll dahinter“, sagt der erste Brudermeister. „Und wenn die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung der Vollmitgliedschaft der Frauen zustimmen, dann ist das so.“ Mit einem Ansturm von Frauen nach einer Zustimmung  rechne er aber nicht.