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Viersen: Angst vor dem EHEC-Erreger

Viersen : Angst vor dem EHEC-Erreger

Tomaten, Gurken und Salat wachsen weiter. Wenn die Kunden nicht kaufen, landen die Produkte vom Gewächshaus gleich auf dem Kompost. Das Vertrauen der Verbraucher ist entscheidend.

Kreis Viersen Die Furcht vor den EHEC-Keimen und die Warnungen des Robert-Koch-Instituts haben die Verbraucher verunsichert. "Der Handel hat drastisch weniger Salat, Gurken und Tomaten verkauft", sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW in Bonn. "Von unserer eigenen Kantine habe ich gehört, dass es dort vorerst keine Rohkost geben wird."

Die Unternehmensgruppe Kaiser's Tengelmann hat nach der Meldung, dass die Keime an spanischen Gurken entdeckt wurden, vorsorglich alle Bio-Gurken aus Spanien aus dem Sortiment genommen. Die Supermarktkette lässt darüber hinaus nach eigenen Angaben Obst- und Gemüseproben im Labor testen, um die Suche nach der Erregerquelle zu unterstützen. Signifikante Veränderungen im Kaufverhalten seien bisher aber nicht zu beobachten gewesen, teilte das Unternehmen mit.

Stammkunden haben Vertrauen

"Die Kunden diskutieren die Gefahren schon", sagt Gabi Leick. Sie verkauft das Gemüse aus eigenem Anbau in Niederkrüchten direkt vom Hof. Da sie jedoch überwiegend Stammkunden hat, bleiben Tomaten, Salat und Gurken bei ihr nicht im Regal liegen. "Die Leute vertrauen uns. Wenn wir ihnen versichern, dass wir nicht mit Gülle arbeiten, glauben sie uns das."

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Karl Brunen ist bisher auch noch nicht auf seinen Tomaten sitzengeblieben. "Die Kunden sind vorsichtig und fragen auch nach, wo die Produkte herkommen. Doch wir haben alles aus eigenem Anbau und konnten bisher alle beruhigen." Der Nettetaler betont jedoch, Politik und Wissenschaft sollten mit generellen Warnungen vorsichtig sein. "Unsere Tomaten und Gurken wachsen im Treibhaus und kommen nie mit Gülle in Berührung."

Die Sorgen der Landwirte kann Berhard Rüb gut nachvollziehen. "Sie sind die Dummen. Sie haben keine Schuld, aber den Schaden." Gleichzeitig hat er Verständnis für die Vorsichtsmaßnahmen. "Im Gegensatz zum Dioxinskandal sind hier Menschenleben ernsthaft in Gefahr. Es handelt sich um eine echte Bedrohung." Sie hat den Verbrauchern Gemüse als gesundes Lebensmittel madig gemacht.

Die Firma Landgard aus Herongen meldet als Umschlagplatz für Obst und Gemüse Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich. Aufklärung sei nun unerlässlich. "Denn Obst und Gemüse sind wichtig für eine ausgewogene Ernährung", betont Unternehmenssprecherin Andrea Kirchhoff. Sie geht davon aus, dass die Verunsicherung nachhaltig ist. "Es wird auch nach der Klärung der Erregerquelle dauern, bis der Verbraucher sein übliches Konsumverhalten zeigt." Bis dahin werden noch einige Lieferungen Tomaten, Gurken und Salat vom Gewächshaus gleich auf dem Kompost landen, denn Gemüse macht keine Kurzarbeit.

(RP)