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Viersen: Anekdoten aus 100 Jahren Festhalle

Viersen : Anekdoten aus 100 Jahren Festhalle

Die gute Stube der Stadt feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläum. Mit einer Festschrift erinnern Viersener Autoren an glanzvolle Zeiten, an denkwürdige Auftritte großer Stars und an das Krokodil Philipp, das im Festhallenkeller wohnte.

Oben auf der Bühne spielt die Musik, und im Keller wohnen die Schlangen. Das galt in den 1950er Jahren für die Viersener Festhalle. Kinder mögen das heute kaum glauben, ihre Großeltern erinnern sich aber noch daran. Denn im Keller der Festhalle hatte ein Verein von Aquarien- und Terrarienfreunden ein Aquarium eingerichtet. Dort gab es nicht nur Fische zu bestaunen, sondern in Terrarien auch Schlangen, Echsen und sogar ein Nilkrokodil namens Philipp.

"Philipp" und sein denkwürdiger Abtransport zum Drachenfels, bei dem das Krokodil die Transportkisten auseinanderbrach, haben nun Eingang gefunden in die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen einer Halle, in die jeder Viersener irgendwann schon den Weg gefunden hat. Sei es damals zum Bestaunen der Tiere im Keller, sei es für Konzerte oder Theaterabende, für Karnevalsveranstaltungen oder die Jugend-Disco. 100 Jahre hat Viersens "gute Stube" auf dem Buckel, und auf diese Jahre werfen Viersener Autoren in der Festschrift jetzt einen spannenden, informativen und zum Teil auch sehr amüsanten Blick zurück.

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Kulturdezernent Paul Schrömbges erinnerte gestern bei der Vorstellung des Buches an die Funktion der Festhalle, die ursprünglich als Turn- und Festhalle gebaut worden war. Nah gelegen am Lyzeum und Gymnasium, sollte sie der sportlichen Betätigung der Jugend Raum bieten. "Damals trieb man fast ausschließlich draußen Sport", erzählte Schrömbges. "Insofern war der Bau der Festhalle ein Riesenfortschritt für den Sport."

Eine weitere Gemeinsamkeit der Menschen von damals und der Menschen von heute machte Schrömbges beim bürgerschaftlichen Engagement aus. Zwar hatte Kommerzienrat Kaiser viel Geld gegeben, um die Halle zu bauen, doch das reichte nicht. Damit die Viersener ihre Festhalle bauen konnten, veranstalteten sie einen großen Basar. Die Geschichte von Finanzierung und Planung bis hin zur Eröffnung der Halle lässt sich in der Festschrift nachlesen, darüber berichten Stadtarchivar Marcus Ewers und Axel Greuvers von der Kulturabteilung der Stadt. Die Jahre mit Aquarium schildert Ellen Westerhoff, und die Zeit von 1970 bis heute beschreibt Gert Holtmeyer. Über die Festhalle Viersen und den Städtebau schreibt Manfred Kuropka.

Die Wandelgänge der Festhalle als Kunstort nahm Jutta Pitzen unter die Lupe. Mit den Ausstellungen in der Festhalle habe die Stadt den Grundstein für ihre grafische Sammlung gelegt, der heute zahlreiche Blätter berühmter Künstler angehören. Damals gab es die Städtische Galerie im Park noch nicht, die heute die grafische Sammlung beherbergt. Mit Hermann Gerstein, Marina Hammes, Karl-Heinz van Kaldenkerken, Hans-Christian Vollert und Günter Weinforth erinnern sich Viersener an die Festhalle, ihre Beschreibungen komplettieren die Festschrift ebenso wie eine Auswahl von handschriftlichen Gästebucheinträgen, die zeigen, wie viele berühmte Leute sich schon auf der Festhallenbühne präsentierten.

Diese Einträge zeigen auch, wie sehr es den Gästen in der Viersener Festhalle gefallen hat. Dieter Nuhr schrieb 2003: " Eigentlich war es wie immer – und gibt es hier in Viersen etwas Schöneres zu sagen? Gibt es etwas Schöneres, als wenn Menschen ungemütlich auf zusätzlich reingestellten Fahrbrettern ausharren, ohne ihrem Steißschmerz durch das Werfen kleinerer Gegenstände Ausdruck zu verleihen? Sondern: lachen!" FRAGE DES TAGES

(RP)