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Viersen: Amcor: Görgemanns wird Zutritt verweigert

Viersen : Amcor: Görgemanns wird Zutritt verweigert

Vertreter der Viersener Ratsparteien haben kürzlich erstmals mit dem Betriebsrat der Firma Amcor in Viersen sprechen können. Die australische Konzernzentrale hatte vor einigen Wochen entschieden, das Werk an der Gladbacher Straße in Viersen bis zum Jahresende zu schließen.

170 Arbeitsplätze werden dann wegfallen. Werkleiter Dr. Reinhard Kniewske hatte der Belegschaft dies bei einer Betriebsversammlung Anfang Juni mitgeteilt.

Politiker trafen Betriebsrat

Wie berichtet, war die Viersener Linke als erste Partei auf den Betriebsrat von Amcor zugegangen und hatte ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Ayhan Albal geführt. Nachdem der Viersener Stadtrat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause eine Resolution zum Thema Amcor verabschiedet hatte, fand ein weiteres Treffen von Vertretern anderer Ratsparteien mit dem Betriebsrat statt.

An dem konnte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Alfons Görgemanns, aus Termingründen nicht teilnehmen. Als er den Betriebsrat bat, ihn zu einem anderen Termin über die beabsichtigte Standortschließung zu informieren, erhielt er von der Arbeitnehmervertretung den Hinweis, dass die Firmenleitung untersagt habe, dass Vertreter der Politik das Werksgelände betreten. Das Gespräch fand dann vor dem Werkstor statt.

In einem Brief an den Amcor-Geschäftsführer Kniewske kritisiert Görgemanns dieses Vorgehen der Betriebsleitung auf das Schärfste. Ein solches Vorgehen sei ihm noch nicht untergekommen, so Görgemanns. Auch wenn die Betriebsleitung formal im Recht gewesen sei, das Betreten des Werksgelände zu untersagen, trage es nicht zu besseren Kommunikation in der Sache bei. Görgemanns: "Welchen Schluss soll ein Außenstehender aus dieser Form des Umgangs mit den Vertretern derer ziehen, die um ihre Arbeitsplätze fürchten und vor sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit sehen?"

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Der SPD-Fraktionsvorsitzende war bekanntlich selbst 27 Jahre in mehreren führenden Funktionen der Arbeitnehmervertretungen der Daimler AG tätig. Er habe noch nie in ähnlichen Situationen Gespräche vor einem Werkstor geführt, erklärt Görgemanns in seinem Schreiben von Kniewske. Die Proteste der SPD-Fraktion gegen die Vernichtung von 170 Arbeitsplätzen in Viersen richteten sich im Übrigen nicht gegen den Viersener Werkleiter persönlich — er sei dafür nicht verantwortlich.

Die Kritik richte sich gegen das Unternehmen, das an einem Standort kräftig investiert und einen anderen ohne Alternative aufgibt. Seiner Kenntnis nach, so Görgemanns weiter, biete Amcor eine Verlagerung einiger Arbeitsplätze ins belgische Werk des Unternehmens an. In dem sollen allerdings auch Stellen abgebaut werden.

(RP)