Viersen: Amcor Folien schließt die Tore

Viersen: Amcor Folien schließt die Tore

Für das Traditionsunternehmen kommt im Laufe des Jahres die Abwicklung. Der australische Mutterkonzern gibt den Standort Viersen auf. 170 Mitarbeiter sind betroffen.

Die Mutter hat beschlossen, die Tochter zu verstoßen. Der Amcor-Konzern mit Sitz in Australien plant, sein Werk in Viersen zu schließen. "Die Zentrale hat entschieden, einen großen westeuropäischen Süßwarenhersteller nicht mehr mit ihren Verpackungen zu beliefern. "Im Februar ist bereits der Standort Dublin aufgegeben worden und am 30. Mai musste ich der Belegschaft verkünden, dass es auch hier nicht weiter geht", bestätigte gestern Dr. Reinhard Kniewske auf Anfrage der Rheinischen Post.

Der Geschäftsführer von Amcor Flexibles in Viersen hofft, die Produktion noch bis zum Ende des Jahres fortführen zu können. Danach sollen die Maschinen stillstehen. Wenn die letzte Schicht die Tore schließt, verschwindet ein weiteres Traditionsunternehmen aus der Stadt. Seit mehr als 50 Jahren stellt die Firma in Viersen Folien für Kaffee, Schokoriegel, Babynahrung und Kosmetika her.

Mehrfache Besitzerwechsel

Der Betrieb war 1959 aus Schleswig-Holstein an den Niederrhein gezogen und hatte zunächst für den Düsseldorfer Feldmühle-Konzern Kunst- und Faserstoffe produziert. Im Laufe seines 80-jährigen Bestehens hatte das Unternehmen mehrfach den Besitzer und das Schild am Werkstor den Namen gewechselt. Zuletzt hatte 1996 die australische Amcor-Gruppe als Weltmarktführer für Verpackungen aller Art Mitarbeiter und Maschinenpark übernommen.

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Nach einer Millioneninvestition in technische und umweltfreundliche Anlagen stieg die Produktion in sieben Jahren von 30 Millionen auf 170 Millionen Quadratmeter bedruckter Folie jährlich. Trotz guter Zahlen baute der Konzern 2004 in einer ersten Sparmaßnahme 70 Arbeitsplätze ab, vier Jahre später mussten noch einmal 30 Angestellte gehen. Von einst knapp 300 Mitarbeitern sind nun noch 170 von der Schließung betroffen.

"Wir haben Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, um gemeinsam zu überlegen, welche Schritte wir als nächstes einleiten müssen", betonte Reinhard Kniewske. Er hat bisher noch keine Kündigungen ausgesprochen. In einer Pressemitteilung hat der Mutterkonzern angekündigt, die Viersener Tochter "in den nächsten Monaten" abzuwickeln. "Dieser schwierigen Entscheidung liegt nicht zuletzt die Notwendigkeit zugrunde, nachhaltig wirtschaftlich zu bleiben, damit wir unseren Kunden weiterhin hochwertigen Service, hohe Qualität und innovative Produkte liefern können", heißt es in dem Schreiben.

Gleichzeitig versichert das Unternehmen, "alle betroffenen Mitarbeiter beim Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber unterstützen" zu wollen. Der Verkauf von Teilen des Werksgeländes an der Gladbacher Straße 189 im vergangenen Jahr scheint damit bereits der Anfang vom Ende gewesen zu sein.

(RP)
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