Am Berufskolleg erfuhren Jugendliche mehr über Glücksspielsucht

Problem Glücksspiel : Jugendliche über Glücksspiel aufklären

Das Team der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe informierte am Berufskolleg Viersen über Glücksspielsucht. Immer mehr Jugendliche zocken, ob online, in Wettbüros oder in Casinos – eine Sucht, die gefährlich werden kann.

Etwa jeder zehnte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren setzt mehrmals im Monat Geld beim Spielen ein. Die Spannweite reicht von Sportwetten über Zocken in der Spielhalle und Pokern bis hin zu virtuellen Casinos. Allein in Nordrhein-Westfalen leben mehr als 80.000 Menschen, die abhängig vom Glücksspiel sind. Es handelt sich um eine Sucht, wie sie auch durch Drogen, Alkohol oder Medikamente ausgelöst wird.

Um Jugendliche über das Problem Glücksspielsucht aufzuklären, war jetzt das Team der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe mit einem Infostand.

 Mitgebracht haben Anne Geerlings, Beauftragte für Glücksspielsucht der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe, und Ria Wiek, Schulsozialarbeiterin am Berufskolleg Viersen, ein Glücksrad. das haben sie im Foyer der Schule aufgebaut - und lösen damit manchen skeptischen Blick bei den vorbei eilenden Jugendlichen aus. „Wieso steht hier ein Glücksrad, wenn man gerade vor dem Glücksspiel gewarnt werden soll?“, diese Frage hören sowohl die  beiden Frauen als auch Claudia Senger, Sucht-Präventionsbeauftrage am Berufskolleg, die sie begleitet  gleich mehrmals.

Aber das ist genau der passende Einstieg, um auf das Angebot der Kontaktstelle und auf das Thema Spielsucht,  das viele wohl eher  mit einem Schulterzucken abtun würden,  aufmerksam zu machen. . „Uns geht es in erster Linie darum die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu sensibilisieren und mit ihnen über das Thema ins Gespräch zu kommen“, sagt Geerlings. In diesem Rahmen werde sich niemand als möglicherweise Betroffener outen, fügt sie an. Das ist aber auch nicht das Ziel. Viel wichtiger ist, dass die jungen Menschen wissen: Es gibt im Kreis Viersen eine erste Anlaufstelle, wenn sie Probleme mit ihrem Verhalten rund ums Glücksspiel haben sollten,

 Das Glücksrad ist indes fleißig in Betrieb. Rot gewinnt und je höher die durch Drehen erreichte Zahl auf dem roten Untergrund ist, umso mehr praktische Give-Aways sind zu erhalten.

Was macht die Faszination beim Glücksspiel aus? Wann wird aus dem lockeren Spiel eine gefährliche Krankheit? Wieso lässt man den Zufall für sich arbeiten? Welche Scheinbilder in den Sozialen Netzwerken wecken Hoffnung auf erfüllte Träume durch das Spielen? Während sich das Glücksrad dreht, drehen sich auch die Gespräche um Fragen wie diese. „Gerade, wenn junge Menschen das erste eigene Geld verdienen, ist die Gefahr groß, dem Glücksspiel zu verfallen“, sagt Geerlings. „Viele meinen, mit etwas Glück wird sich ein Lebenstraum erfüllen. Doch das ist ein Trugschluss.

Die Hoffnung wird rasch zum Alptraum: Wenn Glücksspiel zur Sucht wird, belastet das die Angehörigen und dasgesamte soziale Umfeld. Partnerschaften und Familien leiden. Geld für Miete und Lebensmittel wird verzockt. Ein Teufelskreis beginnt.

„Ich lasse generell die Finger vom Glücksspiel. Denn ich wäre gefährdet, wenn ich es tun würde“, sagt  Iris (24) selbstkritisch. Frauke hingegen ist sich sicher, dass sie nicht zu einer gefährdeten Gruppe gehören würde: „Ich mag schon keine Gesellschaftsspiele und spiele generell wenig. Ich glaube nicht, dass ich eine Sucht entwickeln würde“, sagt die 19-Jährige.

Selbst spielsüchtig zu sein, das kann sich Erik ebenfalls nicht vorstellen. „Aber ich kenne einige, auf die trifft dieser Begriff zu – auch wenn diejenigen es nicht wahr haben wollen“, erzählt der 18-Jährige. Am PC ohne Einsatz zu spielen, das hat der gleichaltrige Lars schon öfters gemacht. Aber Sportwetten oder gar Casinobesuche sind für ihn „absolut unvorstellbar“.

Dass indes das Konzept der Suchtberatung aufgeht und junge Menschen die angebotenen Hilfen in Anspruch nehmen, zeigte die gleiche Aktion im vergangenen Jahr. Im Anschluss an den Termin im Berufskolleg nahmen einige Jugendliche Kontakt zur Suchtberatung auf.

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