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Altweiber feiern unter Polizei-Aufsicht in Viersen-Dülken

Viersen-Dülken : Altweiber feiern unter Polizei-Aufsicht

Zum ersten Mal wurde beim Dülkener Altweibernachmittag keine Musik mehr von der Bühne gespielt. Was hat es gebracht?

Auf der Straße zum Alten Markt stehen Jugendliche, die noch schnell die mitgebrachten Klopfer austrinken, bevor es durch die Glaskontrollen geht. Viele befinden sich schon im alkoholisierten Zustand. Laute Musik ist nicht zu vernehmen, die ist in diesem Jahr auf dem Alten Markt nämlich seit kurz nach 15 Uhr aus – zu sehr sei die Situation in den letzten Jahren unter anderem aufgrund von aufpeitschender Techno-Musik von der Bühne dort eskaliert, hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld erklärt.

Stattdessen sind auf dem Marktplatz hauptsächlich die Stimmen der  rund 2500 überwiegend jugendlichen Besucher zu hören. Einige haben sich kleine Musikboxen von zu Hause mitgebracht, die jedoch kaum das Stimmengewirr übertönen können. Lea (17) findet das frühe Musik-Aus nicht gut: „Man fragt sich schon, warum man hier ist. Jetzt stehen alle nur rum und trinken.“

Das Trinken scheint tatsächlich mitunter der Hauptgrund für das Erscheinen der riesigen Anzahl an Jugendlichen zu sein, die sich auch in diesem Jahr zum Altweiber feiern auf dem Alten Markt versammeln. Der ist gegen 15 Uhr gerammelt voll. Auf dem Boden liegen zahlreiche leere PET-Flaschen, besonders um den Brunnen bedeckt eine Unmenge kleiner Klopfer aus Plastik das Pflaster. Wenige Jugendliche tanzen zur mitgebrachten Musik, der Großteil steht in Freundesgruppen zusammen und trinkt bunte Mischungen aus Plastikflaschen. Die Stimmung ist insgesamt jedoch friedlich.

Anwohner Carlo F. (30), der direkt am Alten Markt wohnt, findet es schon gut, dass die Jugendlichen hier feiern. „Dieses Jahr wird auch wirklich darauf geachtet, dass die Leute nirgendwo hinpinkeln.“ Tatsächlich stehen nur wenige Feiernde an Hauseingängen oder Hauswänden und urinieren, wie das im vergangenen Jahr häufiger der Fall war. Bei Katharina Berger haben sie sogar an der Haustür geklingelt, um zu fragen, ob sie die Toilette benutzen dürften. Auch, dass die Vogelsanggasse in diesem Jahr zugesperrt ist, sei eine große Erleichterung, erklärt die 35-Jährige. „In den vergangenen Jahren hat es dort am nächsten Tag immer sehr gestunken.“

Trotz der vielen Feiernden um den Platz ist die Stimmung aber nicht aggressiv, Polizei und Ordnungsamt sind mit dem Verlauf der Veranstaltung im Großen und Ganzen zufrieden. Ein Polizist der angeforderten Hundertschaft aus Essen bezeichnet das Geschehen als „geordnetes Chaos vom Karneval“, obwohl definitiv zu viele Jugendliche zu alkoholisiert seien. Das bestätigt auch Sabine Rau, die Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie, das Minderjährigen vor Ort Hilfe leistet: „Die Zahl derer im Alter von 13 bis 15 Jahren, die von ihren Eltern abgeholt werden mussten, liegt schon im zweistelligen Bereich.“ Dabei sei der Anteil der Jugendlichen aus Dülken oder Viersen eher gering, vor allem würden die Feiernden aus den umliegenden Orten stammen. Rau leistet alkoholisierten Minderjährigen den ganzen Tag schon Hilfe und kann erst gegen 18 Uhr kurz verschnaufen. Jugenddezernentin Cigdem Bern betont die gute Zusammenarbeit von Polizei, Deutschem Roten Kreuz und dem Jugendamt: „Dieses Jahr haben wir ein neues gemeinsames Konzept, das sich bewährt hat und das wir in den nächsten Jahren wieder anwenden werden.“ Trotz allem blieben die alkoholisierten Minderjährigen ein großes Problem. Für die, die abgeholt werden müssen, bietet das Jugendamt am Freitag ein „Manövergespräch“ an, bei dem das Verhalten der Jugendlichen im Beisein der Eltern besprochen wird.

Was bei Hilfskräften sowie den vielen friedlich Feiernden gleichermaßen gut ankommt, ist die hohe Polizeipräsenz. „Es ist viel mehr Polizei da als sonst, es ist auch weniger aggressive Stimmung“, sagt Kay (19).

Um 18 Uhr beginnt es zu regnen, der Marktplatz leert sich ein wenig. In den Hauseingängen rund um den Platz sitzen nach wie vor viele Jugendliche, etwas schief an die Wand gelehnt, sie sehen müde und erschöpft aus. Um den Brunnen steht noch eine tanzende Gruppe, langsam wird es dunkel. Thomas Biener vom Ordnungsamt zieht eine positive vorläufige Bilanz: „Die Polizei hat schneller durchgegriffen als in den vergangenen Jahren. Die Eskalationsstufe war insgesamt niedriger.“ Auch Andreas Reker, Erster Polizeihauptkommissar, befindet: „Alles im grünen Bereich.“