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Als Gesandter für das Herzogtum erfolgreich

Johann Friedrich von Schaesberg : Dieser Mann führte Brüggen durch den Krieg

Johann Friedrich von Schaesberg (1598-1671) war Brüggener Amtmann während des gesamten 30-jährigen Krieges. Er war auch hoher Würdenträger am Düsseldorfer Hof.

Vor 350 Jahren, am 17. Februar 1671, starb im Alter von 73 Jahren der Freiherr Johann Friedrich von Schaesberg. Keiner in der langen Reihe der Brüggener Amtleute, also der Vertreter der Herzöge von Jülich, war so lange im Amt wie er. Keiner hat sich in unermüdlichem Einsatz so wie er verdient um das Amt Brüggen gemacht, zu dem Amern, Boisheim, Bracht, Breyell, Brüggen, Dilkrath, Dülken, Kaldenkirchen, Süchteln. Tegelen, und Waldniel gehörten. Insbesondere in der Zeit des 30-jährigen Krieges hat er es immer wieder vermocht, fremde Heerführer von belastenden Einquartierungen in seinem ausgedehnten Amtsbezirk abzuhalten. Ohne diesen tatkräftigen Adeligen wären die Leiden der Bevölkerung jedenfalls viel größer gewesen, als sie es ohnehin schon waren.

Schaesberg reüssierte aber nicht nur als Amtmann von Brüggen, sondern auch als hoher Würdenträger am Düsseldorfer Hof seines Landesherrn Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Herzog von Jülich und Berg, dessen Rat und Kammerherr er wurde. Schließlich stieg er zum Landhofmeister des Herzogtums auf. Unersetzlich machte er sich dem Herzog, dessen Land im Dreißigjährigen Krieg nominell neutral war, als Diplomat. Ungeachtet seiner Neutralität wurde das Herzogtum, das sich immerhin von Sinzig am Rhein bis nach Tegelen an der Maas erstreckte, besonders in den 1630er Jahren zum Tummelplatz fremder Soldateska. Schaesberg musste schon im eigenen Interesse als Amtmann von Brüggen, aber auch mit Blick auf seine Güter im benachbarten Herzogtum Geldern daran gelegen sein, die Krieg führenden Parteien, insbesondere kaiserliche, spanische und nordniederländische Truppen möglichst fernzuhalten. So findet man ihn denn auch wiederholt etwa in Den Haag oder in Nijmegen beim Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, bei den Grafen Johann und Wilhelm von Nassau, beim Kardinalinfanten Ferdinand, dem Generalstatthalter der spanischen Niederlande, beim kaiserlichen General Graf Octavio Piccolomini, bei Jan von Werth, auch bei den französischen Marschällen Chastillon und Breze.

Viele weitere Gesandtschaften sind ausführlich belegt. Obwohl Schaesberg bei den Heerführern überwiegend aus einer Verteidigungsposition und meist als Bittsteller agierte, ist die in den Quellen ablesbare Verhandlungsführung als äußerst zäh und selbstbewusst zu bezeichnen. 

Einen der am schwierigsten zu bewältigende diplomatische Mission, war die Reise an den Hof des Kardinalinfanten Ferdinand nach Brüssel und in das Lager des Feldmarschalls Piccolomini. Immer ging es um die Frage der Berücksichtigung der jülichschen Neutralität und des Abzuges der kaiserlichen Truppen. Damit sollte nicht nur das Herzogtum verschont werden, sondern auch den niederländischen Generalstaaten, der Vorwand für einen Einmarsch genommen werden. Es ging um viel, nämlich darum, dass das Herzogtum Jülich nicht in den Krieg verwickelt und wie der Kardinalinfant es formulierte, vom Heiligen Römischen Reich „abgerissen“ würde. Das alles geschah vor dem Hintergrund der von Herzog Wolfgang Wilhelm geschilderten Lage „unsers fast in grund verderbten furstentums Gulich“. Im Mai 1636 konnte Schaesberg einen wichtigen Erfolg seines hartnäckigen Verhandelns in Brüssel melden: „das land von Gulich wird in kurtzen tagen von allen einlogiertem kayserlichen kriegsvolk“ geräumt werden.

 Ferdanda von Wachtendonk wurde 1623 von Schaesbergs Frau.
Ferdanda von Wachtendonk wurde 1623 von Schaesbergs Frau. Foto: Kreisarchiv

Für seinen unermüdlichen Einsatz an so vielen Plätzen wurde Johann Friedrich von Schaesberg reichlich belohnt. Auf Vorschlag des Herzogs erhob ihn Kaiser Ferdinand III. 1637 in den erblichen Freiherrenstand. Im Ernennungsdiplom ist auch zu lesen, dass die Infantin Clara Eugenia Isabella, die spanische Statthalterin in Brüssel, Schaesberg in höchstem Maße verbunden war („summo te favore et benevolentia complexa sit“). Für seinen 1633 geborenen zweiten Sohn übernahm Herzog Wolfgang Wilhelm die Patenschaft. Auf einem Epitaph in der Vorburg von Schloss Krickenbeck ist sein Name auch heute noch zu finden.

Johann Friedrich von Schaesberg hatte etliche familiäre Schicksalsschläge zu ertragen, war dreimal verheiratet und hatte sechs Kinder. Unter seinen Zeitgenossen hat sich  Schaesberg als hoher Beamter, als Diplomat und als vertrauter Ratgeber seines Landesherren unter vielen Zeitgenossen in Düsseldorf, Brüssel und den Haag einen Namen gemacht.

Literatur Leo Peters, Geschichte des Geschlechtes von Schaesberg, Kempen 1972