Kreis Viersen: AKH klagt gegen Neurologie-Standort

Kreis Viersen: AKH klagt gegen Neurologie-Standort

Im Hospital zum Heiligen Geist in Kempen freut man sich über den Zuschlag für die neue Fachabteilung. Doch der Mitbewerber AKH wehrt sich: Er beschreitet jetzt den Klageweg vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf

Zufriedenheit in Kempen - Klärungsbedarf am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Viersen: Derart unterschiedlich fallen die Reaktionen zur Entscheidung des NRW-Gesundheitsministeriums und der Bezirksregierung Düsseldorf aus, dass das Hospital zum Heiligen Geist in Kempen den Zuschlag für eine neue Fachabteilung Neurologie erhalten hat.

"Wir freuen uns, dass wir vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales neurologische Planbetten zur Fortführung unserer neurologisch-neurochirurgischen beziehungsweise fachübergreifenden Frührehabilitation zugesprochen bekommen haben", erklärt Thomas Paßers, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist.

Zu den Mitbewerbern im Kreis Viersen gehörten - neben dem Städtischen Krakenhaus in Nettetal und den Alexianern in Tönisvorst - auch das AKH Viersen. Und das hat jetzt vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf den Klageweg beschritten und Widerspruch eingelegt. "Wir wollen den Beschluss inhaltlich prüfen lassen", erklärt AKH-Geschäftsführer Kim-Holger Kreft auf Anfrage. Allerdings: Die Klage hat keine aufschiebende Wirkung. Die Artemed-Gruppe, die das Kempener Haus seit Anfang 2012 führt, kann also weiter planen.

Das AKH Viersen hatte sich ebenfalls um die neurologische Fachabteilung mit 40 Betten und fünf Stroke-Unit-Betten beworben. "Dem lag zum einen eine mehrjährige Erfahrung im AKH in der Behandlung von neurologischen-und Schlaganfallpatienten zugrunde, dabei wurde auch Telemedizin mit direktem Facharztzugriff genutzt" so Kreft. Das AKH habe zudem seine Schwerpunkte in den Bereichen Herz und Gefäße - nach eigener Einschätzung sei es für die Behandlung aller Gefäßerkrankungen und -verschlüsse prädestiniert. Zum anderen habe man ein ausführliches medizinisches Konzept erstellt und bei der Behörde eingereicht.

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Laut Kreft wurde in der Entscheidung des Landes-Ministeriums ausgeführt, dass "von allen Bewerbern einzig das Krankenhaus in Kempen und das AKH Viersen von der Struktur und den Behandlungsmöglichkeiten für eine Neurologie in Betracht kommen". Die übrigen anderen Anträge seien wegen "fehlender Strukturvoraussetzungen verworfen" worden. Als Begründung, warum die Neurologie nach Kempen geht, wurde laut Kreft beim AKH Viersen darauf abgestellt, dass Viersen zu nahe an Mönchengladbach liege und dass dort ja bereits eine Neurologie existiere.

Und genau gegen diese Argumentation wehrt sich das AKH Viersen: "Letztlich wurde diese Entscheidung aus geografischen Gründen und nicht aus inhaltlichen Gründen getroffen", so der AKH-Geschäftsführer. Denn ähnlich nah wie das AKH bei Mönchengladbach liege, gebe es im Falle von Kempen die räumliche Nähe zu den Helios- und Alexianer-Kliniken. "Dagegen haben wir Widerspruch/Klage eingelegt, da es in der Argumentation aus unserer Sicht auf das medizinische Konzept und nicht primär auf die geografische Lage ankommen sollte", so Kreft.

Für das Kempener Haus ist die Fachabteilung ein großer Erfolg - bisher gibt es im Kreis Viersen keine Klinik mit eigener Neurologie. In Kempen gibt es bereits seit 1998 Erfahrung auf dem Gebiet der neurologischen Frührehabilitation. In den 1990er-Jahren hatte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Louven mehrere Millionen Euro aus Bundesmitteln losgeeist, als ein Fördertopf für ein Modellprojekt für fachübergreifende Frührehabilitation aufgemacht wurde.

Auch nach der Übernahme des Hospitals hatte die Artemed-Gruppe als Betreiber an diesem Angebot festgehalten. Die Behandlung von Schlaganfall-Patienten, die danach eine schnelle und umfassende Rehabilitation benötigen, gilt in Kempen als vorbildlich. Der Zuschlag aus Düsseldorf ermöglicht es dem Hospital laut Geschäftsführer Thomas Paßers, "weitere neurologische Versorgungsangebote in Kempen zu etablieren". Welche, stehe noch nicht fest. Für die neue Neurologie muss das Hospital keine neue Fachabteilung eröffnen. "Auch das Personal ist vorhanden", so Paßers. Ein Startermin steht ebenfalls noch nicht fest.

(RP)
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