Viersen: AKH ist zur Hilfe für Kempen bereit

Viersen : AKH ist zur Hilfe für Kempen bereit

In der Kreisstadt Viersen betrachtet man die Entwicklung des Kempener Hospital zum Heiligen Geist mit großer Sorge.

Insider, die die Krankenhauslandschaft im Kreis Viersen seit Jahren intensiv beobachten, sind der Meinung, dass die finanzielle Schieflage von den Verantwortlichen in Kempen schon viel früher hätte erkannt und ernst genommen werden müssen. Die Jahresbilanzen sind — wie es für eine GmbH vorgeschrieben ist — jeweils im Bundesanzeiger veröffentlicht. Danach ist die wirtschaftliche Lage des Kempener Krankenhauses dramatischer als vielfach angenommen.

RP-Bericht nicht dementiert

Der Geschäftsführer des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen, Gerold Eckardt, wollte am Dienstag einen Bericht der Rheinischen Post nicht dementieren, wonach es zurzeit Überlegungen gibt, dass Häuser der Münsteraner St.-Franziskus-Stiftung oder auch das AKH, an dem Münster eine Minderheitsbeteiligung hält, dem Kempener Hospital finanziell unter die Arme greifen.

Doch zunächst müssten die Bücher in Kempen geprüft werden, um überhaupt etwas zu möglichen Summen sagen zu können, die das AKH, das St.-Irmgardis-Krankenhaus Süchteln oder die ebenfalls zur Münsteraner Klinikgruppe zählenden Krankenhäuser in Kamp-Lintfort, Krefeld-Uerdingen oder Meerbusch-Lank als Finanzspritze leisten könnten.

Als völlig abwegig bezeichnete Eckardt Gedankenspiele, das AKH könne als Gegenleistung für eine mögliche finanzielle Hilfe fürs Heilig-Geist-Hospital dessen Urologie übernehmen (die RP berichtete am Dienstag). Eckardt wörtlich: "Das ist dummes Zeug." Es sei zum derzeitigen Zeitpunkt auch wenig hilfreich, über derartige Verschiebungen öffentlich nachzudenken. Vorrang müsse jetzt haben, alles zu unternehmen, um das Kempener Krankenhaus wirtschaftlich zu gesunden, meinte Eckardt.

Aus Sicht von Insidern in Viersen ist eine Beteiligung an der Rettungsaktion für das Kempener Krankenhaus auch deshalb wichtig, um ein Vordringen der Helios-Klinikgruppe von Krefeld aus in den Kreis Viersen zu verhindern. Die Helios-Kette gilt als wenig zimperlich, wenn es darum geht, wirtschaftlich angeschlagene Krankenhäuser zu übernehmen und zu sanieren. Kempen würde Helios als so genannte Portalklinik für den Krefelder Standort gut ins Konzept passen.

In Viersen setzt man auf einen kreisweiten Verbund. Der wurde bereits vor Jahren ernsthaft diskutiert, nachdem der Landrat ein entsprechendes Gutachten zur Krankenhauslandschaft im Kreis Viersen in Auftrag gegeben hatte. Damals gab es bereits einen Verbund der Häuser im Westkreis, der bis heute zwischen Viersen, Nettetal und Süchteln sehr gut funktioniert.

Das Kempener Hospital wollte sich diesem Verbund bislang nicht anschließen, obwohl es in der Vergangenheit mehrfach Angebote zu einer Zusammenarbeit aus dem Viersener Westkreis gegeben hat.

(RP)