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Schwalmtal: Abschied von der alten Schule

Schwalmtal : Abschied von der alten Schule

Das Haus in Amern, das abgerissen werden soll, beherbergte einst zwei Klassen

Noch hat der Verein Schwalmtaler Tafel an der Waldnieler Straße in Amern seine Ausgabestelle. Die Mitglieder rechnen damit, Mitte des Jahres in ein neues Domizil umziehen zu können. Denn das Haus soll ebenso abgerissen werden wie das Nachbargebäude. Die Gemeinde möchte die baufälligen Gebäude abreißen lassen. Auf der Fläche sollen Mehrfamilienhäuser errichtet werden. Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden. Der Entwurf liegt bis zum 2. Februar im Rathaus, Markt 20 in Waldniel aus. Innerhalb der Frist können Bürger eine Stellungnahme zur Planung abgeben.

Das Vorhaben ist für viele Schwalmtaler mit Wehmut verbunden. "Viele Amerner, auch ich, werden etwas betrübt gewesen sein, als sie hörten, dass diese Gebäude abgerissen werden sollen", sagt Walter Arretz, Schriftleiter des Schwalmtaler "Heimatboten". Er hat sich daher vorgenommen, für die nächste Ausgabe des Heftes, das Geschichten und Geschichtliches aus Schwalmtal versammelt, die Historie der beiden Gebäude näher zu beleuchten - zur Erinnerung für diejenigen, die nun traurig über den Abriss sind. "Es waren ihre Schulgebäude, in denen sie die Grundlagen für ihr späteres Leben vermittelt bekamen", sagt Arretz. "Auch ich bin noch in dem Gebäude, in dem jetzt die Tafel untergebracht ist, zur Schule gegangen." Die neue Schule, die heutige Gemeinschaftsgrundschule, wurde erst 1958 eingeweiht.

Über das kleinere Gebäude an der Ecke, in dem heute die Tafel ihre Ausgabestelle hat, berichtet Arretz nach einem Aufsatz seines Vaters: "Es wurde um 1850 mit zwei Klassen errichtet. Bereits einige Jahre später wurden die Räume zu klein." Doch angebaut wurde nicht, denn auch in Vogelsrath wurde 1867 eine Schule gebaut. Da die Zahl der Kinder weiter stieg, verfügte die Regierung, neben der geplanten Lehrerwohnung einen "Schulsaal" zu bauen - was 1870 geschah. 1878 erhielten die Gebäude einen Zementverputz. Aufgrund "durchschlagenden Regens" traten aber immer mehr Mängel auf, so dass die Regierung in Düsseldorf 1930 einen Neubau mit erheblichen Mitteln bezuschussen wollte. Der Gemeinderat lehnte ab. Stattdessen begann die Gemeinde 1933 mit der Erneuerung des Langbaus und dem Einbau neuer Klosetts. 1936 folgte der Umbau der Oberklasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann doch eine neue Schule gebaut, die 1958 eröffnet wurde.

(biro)