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Kreis Viersen: Abschied vom Traumberuf

Kreis Viersen : Abschied vom Traumberuf

So gut die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist, so problematisch präsentiert sich der Ausbildungsmarkt. Den Unternehmern droht ein Fachkräftemangel. Jugendliche müssen sich flexibel in ihrer Berufswahl zeigen.

Im Gegensatz zum Arbeitsmarkt ist auf dem Ausbildungsmarkt keine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen. Für das zu Ende gegangene Ausbildungsjahr gab es 3796 Bewerber, ihnen standen 2988 Lehrstellen gegenüber.

"Damit können wir auch rein rechnerisch nicht jeden Bewerber versorgen", bilanziert Ingo Zielonkowsky, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld-Kreis Viersen, und hofft dass sich das Verhältnis von Bewerbern und Stellen im laufenden Ausbildungsjahr verbessert.

In Ausbildung investieren

Einmal mehr warnen die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang vor dem drohenden Mangel an Fachkräften, der sich bereits in einigen Bereichen (etwa Maschinenbau) deutlich bemerkbar macht. Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein appelliert an alle Unternehmer, weitsichtig zu handeln und in Ausbildung zu investieren: "Wer jetzt nicht handelt, wird es vielleicht in drei Jahren bereuen, gezögert zu haben."

Aber auch die Jugendlichen sind angesprochen, vor allem die diesjährigen Schulabgänger. Ralf Köpke, Vorsitzender des Krefelder Kreisverbands des Deutschen Gewerkschaftsbunds ruft alle auf, sich so bald wie möglich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen: "Die ersten Verträge für 2012 sind jetzt schon unter Dach und Fach. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es."

Beim Check-In-Day haben Jugendliche einmal im Jahr die Gelegenheit, über mehrere Stunden am Stück in einen Betrieb hinein zu schnuppern und sich selber ein Bild vom Berufsalltag zu verschaffen. Auch hier funktioniert das Netzwerk, in dem unter anderem die Arbeitsagentur, die IHK und die Unternehmerschaft verbunden sind.

Viele Jugendliche beteiligen sich, immer mehr Firmen sind mit von der Partie. Es ist nämlich nach wie vor die Crux bei der Suche nach einer Lehrstelle: Über 40 Prozent der Schulabgänger interessieren sich für einen der Top-Ten-Berufe wie Kaufmann, Verkäufer, Industriemechaniker und Tischler. Da sind die meisten ohne Chance.

Anderswo haben sie durchaus eine: "In Krefeld und im Kreis Viersen wird in rund 250 Berufen ausgebildet", betont Schmitz, "genau da müssen wir ansetzen und die jungen Leuten auf Alternativen aufmerksam machen."

Bei den Augenoptikern beispielsweise kommen auf einen Bewerber 2,5 Stellen, beim Elektroniker Automatisierungstechnik sind es sogar 6,3. Der Abschied vom Traumberuf kann also durchaus hilfreich sein, wenn es um einen gelungenen Start ins Berufsleben geht.

(RP)