Kreis Viersen: Abschied vom Traumberuf

Kreis Viersen: Abschied vom Traumberuf

Bilanz der Agentur für Arbeit nach der Hälfte des Ausbildungsjahres: Mehr Bewerber, mehr Lehrstellen. Jugendliche sollen sich bei der Berufswahl flexibel zeigen. Erfreulich: Die Berufsberatung wird intensiver genutzt.

"Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist noch nicht zufriedenstellend", erklärte gestern Peter Ewert, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld-Kreis Viersen. Was unter anderem daran liegt, dass sich im Vergleich zum Vorjahr trotz einer rückläufigen Zahl von Schulabgängern deutlich mehr Bewerber bei der Berufsberatung gemeldet haben. Das wiederum freut Ewert, das ist für ihn ein großer Vertrauensbeweis.

Sonderaktionen

Zur Hälfte des Ausbildungsjahres, das im Oktober beginnt, gingen 2114 Ausbildungsstellen ein, 135 mehr als im Vorjahr. Hier gibt es allerdings beträchtliche regionale Unterschiede. Während die Zahl in Krefeld (inklusive Willich) nahezu unverändert ist, gibt es vor allem im Bereich Nettetal-Brüggen (plus 128 oder 57,8 Prozent) und Kempen-Grefrath-Tönisvorst (plus 59 oder 28,9 Prozent) deutliche Zuwächse. Was für Ewert ein deutliches Signal dafür ist, dass sich die verschiedenen Sonderaktionen der Agentur gelohnt haben. Negativer Ausrutscher ist der Bereich Viersen-Schwalmtal-Niederkrüchten mit einem Rückgang von 16 Stellen (minus 4,8 Prozent).

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Im Gesamtgebiet der Agentur liegen aktuell 2828 Bewerbungen um eine Lehrstelle vor, 338 mehr als im Vorjahr. Rein rechnerisch stehen damit 100 Schulabgängern 75 Ausbildungsplätze gegenüber, leicht schlechter als im letzten Jahr. Ewert ist aber durchaus optimistisch: "Wir rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten Monaten verbessern wird und viele Betriebe, die momentan aufgrund der noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Entwicklung beim Thema Ausbildung zurückhaltend agieren, sich noch dazu entschließen auszubilden."

Aber nur gemeinsam mit Partnern wie IHK, Kreishandwerkerschaft und den Kommunen könne es gelingen, auch in diesem Jahr alle Jugendlichen, die ausbildungsfähig und -willig sind, mit einer Lehrstelle zu versorgen. Krefeld und der Kreis Viersen seien jahrelang eine Ausbildungshochburg gewesen: "Es muss alles getan werden, um dieses Niveau zu halten. Nur so kann die Wirtschaft auf Dauer im stärker werdenden Wettbewerbsdruck bestehen", betont der Agenturleiter und fügt hinzu: "Viele Betriebe leiden schon heute unter dem Mangel an Fachkräften. Ohne entsprechende Ausbildungsangebote wird sich diese Situation mittelfristig noch deutlich zuspitzen."

An die Jugendlichen ergeht der Appell, sich bei der Berufswahl flexibel zu zeigen und nicht an einem Traumberuf zu kleben. In Deutschland, so Ewert, gebe es 349 anerkannte Ausbildungsberufe, Jugendliche sollten sich unbedingt im Berufsinformationszentrum oder bei der Berufsberatung über Alternativen kundig machen: "Oft bieten weniger bekannte Berufe bessere Perspektiven." Die meisten freien Lehrstellen und damit gute Aussichten gibt es momentan für Elektriker sowie in der Chemie- und Kunststoffverarbeitung.

(RP)