Viersen Abschied vom Tierarzt

Viersen · 36 Jahre im Job, jetzt hört Tierarzt Heinrich Bäumges auf. Und wurde mit ganz großem Bahnhof verabschiedet: 360 Bauern kamen, um Bäumges zu danken – für Kompetenz, Menschlichkeit und die Liebe zur Landwirtschaft.

lobberich 36 Jahre lang praktizierte Tierarzt Heinrich Bäumges in Nettetal und Umgebung – jetzt hatte der Mediziner seinen letzten Arbeitstag. Zum Abschied feierten 360 Bauern, Bäuerinnen, Jungbauern und Landfrauen ihren Landarzt. Wie traurig die Bauern darüber sind, dass ihr Tierarzt aufhört, war offensichtlich. Sie hatten ein großes Schild gemalt: „Danke Heiner für 36 Jahre“ stand darauf.

Und die Überraschung in der Halle des „Gehnenhof“ war gelungen: „Keiner hat sich verplappert“, freute sich Pia Butschen vom Gehnenhof. Nur Ehefrau Gabriele Bäumges war eingeweiht – sie bereitete das Scheunenfest in der Halle mit vor und freute sich königlich, als Heinz-Josef Butschen mit dem Arzt die dunkle Halle betrat und der offensichtlich nichts geahnt hatte.

In seiner Rede bedankte sich Nettetals Ortslandwirt Heinz Zanders für den langjährigen Einsatz des Spezialisten für Rinder und Milchkühe. „Die Landwirte schätzten seine Sachkompetenz, sein Arbeitseinsatz und seine Zuverlässigkeit“, so Ortslandwirt Zanders. Bäumges sei immer gekommen, wenn Holland in Not war, habe gewusst, was die Landwirte brauchen, beruhigt, getröstet und nicht zuletzt natürlich behandelt.

Und dennoch: Den Ruhestand gönnten dem Mediziner alle. Oftmals arbeitete Bäumges schließlich 36 Stunden am Stück, häufig auch sieben Tage in der Woche. Trotz der vielen Arbeit bereut der Tierarzt offensichtlich nichts. „Eine Kleintier-Praxis wäre nichts für ihn gewesen, er liebte das Leben auf dem Bauernhof, sprach gern mit den Landwirten“, sagte seine Frau.

An seinen ersten Arbeitstag erinnert sich Bäumges noch genau: Der 26. September 1972 begann in einem Lobbericher Kuhstall. „Seitdem wurde die Landwirtschaft am Niederrhein umgekrempelt: Vor 36 Jahren hatte unser größter Kunde 19 Kühe. Heute mehr als eintausend“, sagt Bäumges. 1972 beschränkte sich das Arbeitsgebiet des Tierarztes auf Lobberich, vereinzelt auch auf Hinsbeck. Zuletzt betreute er Bauern in ganz Nettetal, Schwalmtal, Viersen-Bockert und im Kreis Kleve bis Straelen. Jährlich fuhr der Mediziner mindestens 50 000 Kilometer, davon ein Drittel auf Wirtschaftswegen.

Bei Engpässen will Bäumges seinem Nachfolger auch weiter helfen. „Er fühlt sich eben bei den Bauern wohl“, erklärt Bäumges’ Ehefrau Gabriele. Der fromme Wunsch, den sie zum Ende der Berufszeit ihres Mannes ausgesprochen hatte, wird sich wohl nicht erfüllen: „Ich hoffe, dass er keine Kuh mehr anschaut.“

(RP)
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