Viersen: Abschied für einen unbequemen Dozenten

Viersen : Abschied für einen unbequemen Dozenten

Nach fast 40 Jahren an der Kreisvolkshochschule wurde Professor Klaus-Peter Hufer in den Ruhestand verabschiedet.

Eigentlich wollte er ja nur am letzten Tag seinen Schlüssel abgeben, sagte Professor Dr. Klaus-Peter Hufer am Mittwochabend. Doch dann überraschte sein Chef Erich Schützendorf ihn damit, dass er für den Tag ein Symposium zum Thema "Politische Bildung und Demokratie" organisieren sollte.

Viele Freunde, Weggefährten und Kollegen aus den langen Jahren Hufers bei der Kreisvolkshochschule (VHS) Viersen waren zu diesem Symposium in den Rokokosaal des Kempener Kulturforum Franziskanerkloster gekommen. Die sieben hochkarätigen Wissenschaftler und Vertreter von Weiterbildungseinrichtungen vertraten in ihren Äußerungen genau das, was Hufer in fast 40 Dienstjahren immer wichtig war: nämlich, dass politische Bildung ein wichtiger Bestandteil im gesellschaftlichen Leben ist.

Den Faden nahm Landrat Peter Ottmann in seiner Rede auf. "Bildung macht frei", dieses Zitat aus dem 19. Jahrhundert habe Hufer jahrzehntelang vorgelebt. Nicht nur als Fachbereichsleiter Geistes- und Sozialwissenschaften bei der VHS, sondern auch in zahlreichen Publikationen und seiner Arbeit als Wissenschaftler und Dozent.

Dabei habe er auch in Kauf genommen, manchmal unbequem zu sein. Gerade jetzt gebe es in Kempen wieder ein Beispiel dafür, wie der Landrat schmunzelnd anmerkte - und meinte damit die neue Bürgerinitiative "Denk mal an Kempen", die Hufer mitgegründet hat. Immer im Vordergrund habe für Hufer aber eine Kultur von Diskutieren und Zuhören gestanden. Parolen hätten keine Chance bei ihm, dem sei er stets entgegen getreten.

Ottmann ließ Hufers Biographie Revue passieren. Der wurde genau im Jahr des Grundgesetzes 1949 im hessischen Groß-Gerau geboren. "Die freiheitliche DNA des Grundgesetzes ist Ihnen in die Wiege gelegt." Geprägt durch die Nachkriegsjahre mit ihren politischen Auseinandersetzungen studierte Hufer Politik, Geografie und Philosophie auf Lehramt an der Technischen Universität Darmstadt. 1976 begann er seine Tätigkeit für den Kreis Viersen. 1984 folgte der Doktortitel, 2010 die Professur. Rund 300 Veröffentlichungen gibt es inzwischen von Hufer. Gleichzeitig habe er sich "unermüdlich und mit sehr großem Erfolg für die Erwachsenenbildung eingesetzt" und dabei namhafte Dozenten für die VHS gewinnen können. Damit habe er den Fachbereich geprägt.

Beim Symposium diskutierten Dr. Helmut Bremer von der Uni Duisburg-Essen, Dr. Tim Engartner von der Universität Frankfurt, Dr. Benno Hafeneger von der Universität Marburg, Reiner Hammelrath, Direktor des Landesverbandes der VHS NRW, Dr. Wolfgang Sander von der Universität Gießen, Doris Sandbrink vom evangelischen Erwachsenenbildungswerk NRW und Dr. Marion Wiesinger von der Österreichischen Liga für Menschenrechte über das Thema politische Bildung. Dr. Jens Korfkamp, Leiter der VHS Rheinberg, moderierte.

In den Beiträgen, die aufgrund des gedrängten Programms kurz bleiben mussten, klang an, dass politische Bildung eine soziale Aufgabe bleibt - eine wichtige Aufgabe, die "Ressourcen weckt". Denn die Menschen, die in Weiterbildungseinrichtungen gehen, tun dies aus eigenem Interesse und nicht, weil der Schulstundenplan dies gebietet. Vielfach wünschten sich die Fachleute einen Bezug zum Alltagsleben. Und vielleicht sollte auch mancher Politiker einmal politische Bildung nachholen, wurde empfohlen.

Ganz zum Schluss gab es noch Dankesworte von Hufer. Sichtlich bewegte ihn, dass ihn sein langjähriger Verleger Dietmar Lebus zusammen mit Dr. Tim Engartner und Dr. Jens Korfkamp mit einer eigenen Festschrift ehrten. Hufer versprach, trotz schon ins Auge gefasster künftiger Projekte weiterhin der Kreisvolkshochschule treu zu bleiben.

(RP)
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