700 Schüler lernen in Viersen ihre Stärken kennen.

Kreis Viersen : Wenn ich groß bin, werde ich mal...

700 Schüler lernen in diesen Tagen in der Festhalle ihre Stärken kennen.

Menschen sind ja zum Glück verschieden. Der Eine kann gut kochen, der Andere gut essen. Der Eine kann gut mit Zahlen umgehen, der Andere besser mit Menschen. Zoey ist 13, hat eine soziale Ader und ein Herz für Tiere. „Ich würde später gern mal Hebamme werden“, sagt sie. Kai ist zwölf, zeichnet gern, und liebäugelt damit, Architekt zu werden. Wenn die Frage ansteht, welchen Beruf man im Leben ergreifen möchte, ist es gut, seine Stärken zu kennen. Die lernen 700 Kinder und Jugendliche der siebten und achten Klassen von Gesamt-, Haupt-, Real- und Förderschulen in dieser Woche in der Festhalle kennen. Kai und Zoey sind zwei der 700. Auf einem 500 Quadratmeter großen Erlebnis-Parcour können die Jungen und Mädchen ausloten, wofür sie ein Händchen haben.

„Nur wer seinen Beruf gerne macht, macht ihn auch gut“, erklärte eine Frau den zwölf- bis 14-jährigen Schülern zu Beginn. Auf ihrer Visitenkarte steht als Berufsbezeichnung „Bürgermeisterin“ – Sabine Anemüller ist Schirmfrau des 47.000 Euro teuren Projekts „Komm auf Tour – meine Stärken, meine Zukunft“. Die eine Hälfte des Geldes zahlen die beteiligten Städte Viersen, Nettetal, Kempen und Willich, die andere trägt die Arbeitsagentur.

Für Bettina Rademacher-Bensing, Geschäftsführerin der Agentur, ist eine gute Investition. „Unsere Berufsberatung kann später an die Ergebnisse sehr gut andocken.“ Sie weiß: „Wer nicht über eine gute Ausbildung verfügt, für den wird es auf dem Arbeitsmarkt sehr sehr schwer.“ „Komm auf Tour“ läuft nicht nur im Kreis Viersen, aber dort läuft es besonders gut: Seit dem Start vor elf Jahren ist die Zahl der Kooperationspartner von 20 auf 47 hochgeschnellt, darunter auch die Drogenberatung – bewusstseinserweiternde Substanzen erweitern nicht unbedingt das Bewusstsein dafür, dass eine Ausbildung wichtig ist. Çigdem Bern, Viersens Dezernentin für Schule und Soziales, lobt den spielerischen Ansatz des Projekts – in einem „Zeittunnel“ schauen die Schüler, wie sie in zehn Jahren leben. Viele Mädchen wählen die Aktionskarte „Shopping“, nicht ahnend, dass sie das in einen Baumarkt führt und sie ihre Fähigkeiten im Waschbecken-Reparieren unter Beweis stellen müssen. Verdutzt stellt eine Schülerin fest: „Ich hab’ gar nicht gewusst, wie gut ich sowas kann.“

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