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Viersen: 100 Jahre Dankkapelle Lind

Viersen : 100 Jahre Dankkapelle Lind

Vor 100 Jahren wurde die Kapelle in der Boisheimer Sektion Lind geweiht. Eine Dankmesse erinnert an den verheerenden Tornado, der vor 120 Jahren die Region verwüstete.

Der 1. Juli 1891 war ein schwüler Sommertag, als sich plötzlich aus der Hitze heraus über Dilkrath-Brüggener Hütte ein Wirbelsturm erhob, über Nette nach Lind und Bistard bis nach Süchteln und Clörath zog und sich erst in Anrath beruhigte. Es war laut Statistik der damaligen Zeit einer der heftigsten Tornados in Westeuropa: Er zog über 15 Kilometer eine rund 500 Meter breite Schneise der Verwüstung und dauerte nur wenige Minuten, doch die Auswirkung war furchtbar. Häuser, ganze Bauernhöfe, Schulen und Kirchen waren zerstört, dazu Vieh unter Trümmern begraben, Bäume entwurzelt und fortgewirbelt, die Ernte vernichtet.

Gebeutelte Einwohner

Doch – welch ein Wunder – waren nur zwei Menschenleben zu beklagen: ein Kind und ein Wanderbursche, die von einem Baum beziehungsweise Torbogen erschlagen wurden. Das Ausmaß des Schadens jedoch war kaum in Zahlen auszudrücken, zumal es damals noch keine Versicherungen gab, die Ersatz leisten konnten oder mussten. So war jede helfende Hand willkommen, auch Spenden, die vor allem von den Schaulustigen – heute würde man sie Katastrophentouristen nennen – kamen. "Sensationell, einmalig" hießen damals die staunenden Schlagworte.

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Die gebeutelten Einwohner der Bauernsektion Lind bauten ihr Dorf wieder auf und beschlossen dann, dem Herrgott zu danken, dass sie mit dem Leben davongekommen waren. Die Linder Junggesellen Albert Erkens, Johann Kothes und Franz Neuenhofen suchten im südöstlichen Europa ansprechende Vorbilder und danach bauten die Einwohner in Eigenarbeit in den Jahren 1910 und 1911 mitten zwischen den Höfen auf dem von einer Bauernfamilie zur Verfügung gestellten Grundstück eine Dankkapelle, die am 6. Oktober 1912 von dem damaligen Pfarrer Josephus Fasbender der Schmerzhaften Mutter Gottes geweiht wurde.

Seitdem feiern die Linder jedes Jahr am 1. Juli – dem Jahrestag des verheerenden Wirbelsturms – eine Dankmesse an der Kapelle. In diesem Jahr steht der 1. Juli im Zeichen der Erinnerung: 120 Jahre unheilvolles Geschehen und 100 Jahre Dankkapelle Lind. Die Nachbarschaft Lind und der Kapellenverein haben in der Hauptversammlung 2011 ein Komitee gebildet zur Vorbereitung dieses Festtages. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig und verteilten die Arbeiten dann in der diesjährigen Hauptversammlung. Am Sonntag, 1. Juli, beginnt um 10 Uhr der Dankgottesdienst, den Pfarrer Rainer Thoma und Diakon Karl Aymanns vor der Kapelle unter freiem Himmel zelebrieren. Bei Regen wird in der Halle von Karl Gotzen, dem Vorsitzenden der Kapellengemeinschaft Lind e.V., gefeiert. Dort treffen sich anschließend alle zum zwanglosen Beisammensein mit Gedankenaustausch zum Anlass der Feier. Eingeladen sind alle Linder, die Boisheimer Vereine, Sponsoren und alle Menschen, die den Lindern in Freundschaft verbunden sind. Eine Broschüre, die Heinz Erkens und sein Sohn Christoph unter dem Titel "Lind und die Linder Kapelle – 1891-1912-2012" erstellt haben, kann am Festtag bei der Nachfeier zum Preis von 10 Euro erworben werden.

(flo)