Haus Vorst Vier Kabarettisten ohne lustige Kanzlerin

Tönisvorst · Zum Kabarett am Aschermittwoch lud der Stadtkulturbund Tönisvorst ins Haus Vorst. Moderator Jens Neutag sowie die Kabarettisten Dagmar Schönleber, Michael Steinke und Helene Mierscheid unterhielten die Gäste.

 Beim Kabarett am Aschermittwoch stand Helene Mierscheid als eine von vier Künstlern auf der Bühne von Haus Vorst. Sie betreibt Kabarett als Lebensberatung und bringt dazu Angela Merkels Tagebuch mit. 240 Gäste waren der Einladung des Stadtkulturbundes nach Vorst gefolgt.

Beim Kabarett am Aschermittwoch stand Helene Mierscheid als eine von vier Künstlern auf der Bühne von Haus Vorst. Sie betreibt Kabarett als Lebensberatung und bringt dazu Angela Merkels Tagebuch mit. 240 Gäste waren der Einladung des Stadtkulturbundes nach Vorst gefolgt.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Wer an Karneval noch nicht genug Spaß hatte, der konnte das beim Kabarett am Aschermittwoch im Haus Vorst nachholen. Auf Einladung des Stadtkulturbunds Tönisvorst moderierte Jens Neutag vom Krefelder Wohnzimmertheater „Podio“ den Abend mit den Kabarettisten Dagmar Schönleber aus Köln, Michael Steinke aus Düsseldorf und Helene Mierscheid aus Berlin. 240 Besucher kamen und amüsierten sich köstlich über das Programm der Protagonisten.

Den Eisbrecher gibt der Moderator, der selber auf den Kabarettbühnen der Republik zu Hause ist. Bei ihm wird Angela Merkel zur Narkosespezialistin, die ihre Zuhörer ins Koma redet, Horst Seehofer wird zum senilen Rüden, der wahllos sein Revier markiert und hinterher nicht mehr weiß, wo er überall hingepinkelt hat, und Donald Trump ist für Neutag Realsatire, die es ihm als Kabarettisten beruflich schwer mache, weil die Sprüche des amerikanischen Präsidenten sich nicht mehr toppen ließen. Überhaupt sei es erstaunlich, wie viele Leute „intellektuell komplett unbewaffnet“ seien, findet Neutag.

Dagmar Schönleber hingegen hat ein feines Gespür für den Zeitgeist und hält den Zuhörern mit Charme und Humor den Spiegel vor, wenn sie erzählt, wie sehr es sie aufrege, dass der Nachbar es nicht schaffe, seine Pappkartons zu falten, so dass die Tonne bereits am Tag nach der Leerung wieder voll sei. „Ich muss extreme Erzieherdinge tun“, sagt Schönleber mit gespieltem Bedauern. Zwischen den Zeilen wird klar: Jeder sieht die Fehler der anderen überdeutlich und kann sich endlos darüber auslassen, die eigenen Fehler aber werden unter „Ausnahmesituation“ abgebucht.

 Kabarettist Jens Neutag übernahm auch die Moderation des Kabarettabends im Haus Vorst.

Kabarettist Jens Neutag übernahm auch die Moderation des Kabarettabends im Haus Vorst.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Helene Mierscheid hingegen betreibt „Kabarett als Lebensberatung“ und kommt mit dem Tagebuch von Angela Merkel, die zu ihren Klienten gehöre, auf die Bühne. „Mein Berater hat gesagt, die Deutschen mögen keine lustige Kanzlerin“, liest Mierscheid im typischen Merkel-Tonfall vor, „das wirke unseriös. Die Mundwinkel müssen runter!“ Deshalb gehe die Kanzlerin, wie ihre Lebensberaterin weiß, auch zum Lachen in den Keller beziehungsweise in die Tiefgarage des Reichstags, die dafür natürlich erst geräumt werden müsse.

Michael Steinke, der letzte Künstler des Abends, reist mit dem Publikum zurück in die 1970er-Jahre, als noch niemand die Frage stellte: „Wo bist Du?“, wenn er angerufen hatte, der Klammerblues in der Kellerbar so manche Offenbarung brachte und der Begriff „Festplatte“ allenfalls verwendet wurde, wenn „Mutter Schnitzel mit Pommes“ brachte. Passend zum Programm kommt der Düsseldorfer diesmal nicht mit seinem Markenzeichen, dem Cord-Jackett, sondern hat sich ein Hemd im Stil der 70er-Jahre-Mustertapete ausgesucht. Sehr kleidsam.

Die verbindende Klammer zwischen den drei unterschiedlichen Künstlern ist die Musik. Dagmar Schönleber gibt mit Gitarre einen Hip-Hop über Ostwestfalen-Lippe, das „kleinste und grünste Ghetto der Welt“, zum Besten, Michael Steinke intoniert Rod Stewarts „Sailing“ live aus der Kellerbar, und Helene Mierscheid gibt in Anspielung auf ihre runde Figur zu: „Ich wollte niemals auseinander gehen …“ Und weil man dazu so schön schunkeln kann, ist der Karneval auch am Aschermittwoch wieder zum Greifen nah.

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