Tönisvorst: Zufriedenheit der Betriebe hat abgenommen

Tönisvorst: Zufriedenheit der Betriebe hat abgenommen

Ende November stellte die IHK Mittlerer Niederrhein ihre Standortanalyse für Tönisvorst vor - mit durchaus kritischen Punkten. Diskutiert wurden die Ergebnisse öffentlich nicht, auch im Ausschuss für Wirtschaftsförderung Fehlanzeige.

Wenn am kommenden Dienstag der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Gebäudemanagement und Liegenschaften zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt, steht wie schon in seiner Dezember-Sitzung eines nicht auf der Tagesordnung: die Standortanalyse der IHK Mittlerer Niederrhein. Ausschussvorsitzender Andreas Hamacher (CDU) hätte zwar kein Problem damit, die Analyse der IHK im Ausschuss diskutieren zu lassen. Aber es störe ihn, nur zu reden und nichts zu machen. Das heißt, was soll am Ende herauskommen? Welche Dinge könne die Kommunalpolitik überhaupt anpacken? Vieles werde von außen bestimmt, von der Konjunktur, von Gewerbetreibenden, von der Landes- und Bundespolitik. Die geäußerte Kritik an der mangelnden Bestandspflege richte sich an die städtische Wirtschaftsförderung und könne von ihr direkt aufgegriffen werden. Hamacher jedenfalls findet, dass der Wirtschaftsförderer der Stadt, Markus Hergett, einen sehr guten Job mache.

Und die oft wiederholte Kritik an der hohen Gewerbesteuer sei bekannt. Da sei die Industrie- und Handelskammer ganz interessengeleitet. Es sei im Interesse der Mitglieder der IHK, weniger Steuern zu zahlen. "Da sind sie, wie sie sind." Doch die Kommunen bräuchten das Geld für viele andere Dinge, die finanziert werden müssten. Die Kommunalpolitik müsse ständig am Ausgleich verschiedener Interessen arbeiten. In der Umfrage bei den Tönisvorster Unternehmen werden aber nicht nur die Hebesätze von Gewerbe- und Grundsteuer moniert, sondern auch die Höhe öffentlicher Gebühren.

Also, was könnte man diskutieren mit der Chance, dass am Ende etwas herauskommt? 100 Tönisvorster Unternehmen mit insgesamt 1300 Beschäftigten sind für die Standortanalyse befragt worden. Und diese sehen durchaus einen Verbesserungsbedarf für kommunale Leistungen. Die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren sei nicht mehr zufriedenstellend, auch wenn hierfür sicherlich überörtliche Regelungen genauso verantwortlich seien. Die reibungslose Kooperation der öffentlichen Ämter untereinander wird bei den anderen untersuchten Standorten im Schnitt weniger kritisch gesehen als in Tönisvorst. Als ebenfalls weniger zufriedenstellend wird auch die Bestandspflege der ortsansässigen Betriebe beurteilt. Bei der Diskussionsrunde im Showroom von Fleur ami, an der auch Bürgermeister Thomas Goßen teilnahm, hat dies Andreas Böhm von der BZ Bildungszentrum GmbH noch bekräftigt. In der Analyse weisen die behördlichen Reaktionszeiten und der Service der Wirtschaftsförderung allenfalls durchschnittliche Werte auf. Die Fachleute der IHK schränken hierbei allerdings ein: Die Wirtschaftsförderung habe sicherlich die Hypothek, dem wichtigsten Anliegen der Unternehmen nach Erweiterungsflächen nicht Rechnung tragen zu können, da die Stadt Tönisvorst unter einem Mangel an Gewerbeflächen leide. Und ein zweites: Die kommunalen Leistungen sind eng mit den kommunalen Kosten verknüpft. Bezahlten Unternehmer an einem Standort hohe Steuern so wie in Tönisvorst, so erwarten sie natürlich auch ein umfangreicheres Leistungsportfolio.

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Die IHK-Umfrage stellte schlechte Werte für die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur fest. Hier hat sich die Umfrage mit aktuellen Initiativen für den Breitbandausbau oder Anschluss ans Glasfasernetz überschnitten. Es tut sich etwas auf diesem Gebiet, doch bisher kann man leider nur von Absichtserklärungen sprechen, noch ist keine neue Leitung verlegt.

Auch wenn die Straßeninfrastruktur und die Anbindung an das überörtliche Netz gut abschneiden, bleibt die für viele Unternehmen nächste Autobahn-Anschlussstelle in Willich-Münchheide durch die langen Staus zu den Stoßzeiten ein Nadelöhr. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, hat es Jahre gedauert, bis endlich die Pläne umgesetzt werden sollen.

Noch eins ist interessant: Vergleicht man die aktuelle Standortanalyse mit der vorherigen aus dem Jahr 2007, so zeigen sich die Tönisvorster Betriebe deutlich unzufriedener als noch vor zehn Jahren. In dieser Zeitspanne sind die Anforderungen der Unternehmen an die Schnelligkeit des Datentransfers und die Bedeutung der Digitalisierung für die Betriebe "schlichtweg extrem gestiegen".

(RP)
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