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Wilma Jansen aus Vorst erhält das Bundesverdienstkreuz

Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement : Vorsterin erhält Bundesverdienstkreuz

Wilma Jansen wurde am Montag die höchste Anerkennung zuteil, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Wenn es jemand verdient habe, dann sie, sagt der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen.

Die Attribute, mit denen Wilma Jansen beschrieben wird, stecken voller Respekt und Bewunderung. „Sie ist unschätzbar wertvoll“, sagt etwa der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen (CDU). „Sie hat eine liebe, natürliche Art und immer ein offenes Ohr.“ Luise Fruhen, stellvertretende Landrätin des Kreises Viersen, spricht von einer Frau, „die Tatkraft und Seriosität ausstrahlt, eine vertrauenswürdige Person“. Sie habe die Gabe, auch andere Menschen dazu zu bringen, sich ohne eine Gegenleistung für etwas Gutes einzusetzen. Bei einem Besuch in Jansens Zuhause in Vorst gibt es Kaffee und ein nettes Gespräch, das den Eindruck bestätigt. Zu lange darf das alles aber nicht dauern – die 74-Jährige muss zurück zu ihren Aufgaben.

Jansen wurde in Schwalmtal-Amern geboren und wuchs in St. Tönis auf. 1973 zog sie mit ihrem Mann Wilhelm (79) nach Vorst. Auch um Anschluss zu finden, schloss sie sich der dortigen Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an, trat damit aber zudem in die Fußstapfen ihres Vaters. „Das soziale Engagement lag bei uns in der Familie“, sagt die Tochter stolz. „Mein Vater war der erste Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Tönisvorst.“ Am Montag erhielt sie für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht: den Verdienstorden; in der ersten Stufe als Verdienstkreuz am Bande. Auch damit folgt sie ihrem Vater. Er nahm die Auszeichnung 1990 entgegen.

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Jansens Engagement ließe sich auf Daten und Funktionen herunterbrechen: Zum 1. Januar 1974 wurde sie aktives Mitglied beim DRK in Vorst und war schon bald als örtliche Zugführerin aktiv. 1997 wurde sie stellvertretende Vorsitzende im DRK-Kreisverband, zudem ist sie Leiterin der Sozialarbeit im Kreisverband und arbeitet im Landesvorstand mit. Sie erhielt bereits die Ehrenplakette des DRK-Kreisverbands Viersen, wurde 2005 mit der Verdienstmedaille des DRK-Landesverbands ausgezeichnet und 2013 mit dem Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes, die höchste Ehrungsstufe des DRK. Damit alleine würde man Jansen aber nicht gerecht werden.

So hat sie, wie etwa Bürgermeister Goßen berichtet, die Sozialarbeit im Kreisverband wesentlich ausgebaut, 1991 gründete sie mit Helene Heintges den Gesprächskreis Krebsnachsorge, den sie bis heute leitet, und hat sich dafür zur Betreuerin in der Krebsnachsorge ausbilden lassen. Später hat sie die begleiteten Seniorenreisen initiiert, die sie bis heute betreut. Wenn mal ein Reiseleiter ausfällt, springt sie kurzerhand ein. Dazu organisiert sie den Dreikönigskaffee, an dem jedes Jahr etwa 150 Senioren teilnehmen, sowie die Termine für die DRK-Blutspende. „Das alles mache ich nicht allein“, betont Jansen immer wieder. Aber: „Sie ist die Mutter der Kompanie“, sagt Bürgermeister Goßen. Mit Jansen zusammen war er einst stellvertretender Vorsitzender des DRK-Kreisverbands. Als der Wechsel an die Spitze anstand, habe die 74-Jährige ihm zugesagt, hinter ihm zu stehen. „Dieses Wissen hat es mir deutlich einfacher gemacht“, sagt Goßen. Wenn jemand das Bundesverdienstkreuz verdient habe, dann Wilma Jansen, betont er.

Fruhen übernahm in Viersen die Übergabe des Verdienstkreuzes und dankte Jansen für „ihr außergewöhnlich großes gesellschaftliches Engagement“. Gerade Senioren wie Jansen seien es, „die die Dinge am Laufen halten“. Ohne sie würde das große Netzwerk von Sport, Kultur und Sozialwesen in Deutschland zusammenbrechen. Gelebte Nächstenliebe sei ein Begriff, der Jansen und ihr Engagement sehr gut beschreibe, sagte Fruhen und ließ ihre Rede mit einem Wunsch enden: „Bleiben sie gesund, und machen Sie weiter.“

Wie lange das noch sein wird, möchte Jansen nicht einschätzen. „Es finden sich keine Nachfolger“, beklagt sie. Und Jansens Fußstapfen sind groß: Sie hat kaum etwas anderes gemacht, als sich für andere einzusetzen. Bis zur Rente arbeitete sie 40 Jahre im Sozialen Dienst des Kreises Viersen. „Ich hatte keine Zeit für Hobbys und habe keine Kinder“, sagt sie. „Mein Mann hat mich immer unterstützt, auch wenn es manchmal etwas viel ist.“ Was Jansen auch ausmacht, ist ihr funktionierendes Netzwerk. Wenn sie um einen Gefallen bittet, bekommt sie ihn auch.

Goßen hofft, dass das Thema ihres Rückzugs erst einmal noch nicht ansteht. „Genau so kann man sie nicht ersetzen“, sagt er.