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Stadtkulturbund präsentiert das Theaterstück „Wunschkinder“: Wenn Eltern für ihre Kinder immer nur das Beste wollen

Stadtkulturbund präsentiert das Theaterstück „Wunschkinder“ : Wenn Eltern für ihre Kinder immer nur das Beste wollen

Sehr unterschiedlich fielen die Urteile über das Schauspiel „Wunschkinder“ aus, das der Stadtkulturbund ins Forum geholt hatte. Vor allem die Inszenierung verstörte viele Zuschauer.

Schon das Bühnenbild ist ungewöhnlich. Eine sich über die gesamte Bühne erstreckende Stahltreppe steht im Corneliusforum. Einladend wirkt das nicht. Im Laufe des Stücks „Wunschkinder“, eine Produktion des Euro-Studios Landgraf, wird deutlich: Diese nüchterne, kalte Treppe steht für die Gefühllosigkeit, mit der die Protagonisten miteinander umgehen. Andere Kniffe der Regie, für die Volker Hesse verantwortlich zeichnet, lassen sich hingegen nicht so schnell auflösen und sorgen für Irritation.

Liegt Selmas Mutter die gesamte Zeit unter einem Federbetten- und Deckenberg, auch wenn sie in der Szene nicht vorkommt, weil sie sich als psychisch kranker Mensch heimatlos fühlt? Hüpft Tante Katrin wie irre hin und her, wenn sie das Ende der Geschichte erzählt, weil alles aus den Fugen geraten ist? Und müssen Vater Gerd und Selma so viel Haut zeigen, weil sie aus ihrer Haut nicht herauskönnen? Dem Zuschauer erschließt sich diese symbolische Überzeichnung nicht, und auch die grobe, brutale Aggressivität des sonst so passiven Sohns verstört.

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Unterem Stich aber bleibt die Leistung der Schauspieler Steffen Gräbner als Vater Gerd, der kurzfristig für den erkrankten Martin Lindow eingesprungen ist, Ulla Wagener als seine Frau, Lukas Schöttler als Sohn Marc, Claudia Wenzel als Tante Katrin, Josepha Grünberg als Marcs Freundin und Katharina Heyer als deren Mutter. Sie alle spielen ihre Rolle mit einer Intensität, die manchmal bis an die Schmerzgrenze geht. Auch das Stück aus der Feder von Lutz Hübner und Sarah Nemitz ist interessant und startet gleich mit einem Wiedererkennungseffekt bei Eltern mit jugendlichem Nachwuchs. Vier Monate ist es her, dass Marc das Abi geschafft hat, aber wie es weitergehen soll, dazu hat der Sprössling aus reichem Hause keine Idee. Vater: „Hast du dich endlich um ein Praktikum gekümmert?“ Sohn: „Läuft!“ Vater: „Und was heißt das?“ Sohn: „Mach ich noch.“ Vater: „Und wann?“ Sohn: „Ich sag doch, ich mach das noch.“

Schnell wird klar, dass Vater und Sohn keine Bindung zueinander haben. Der Vater ist ein nüchtern kalkulierender Problemlöser, für den der Sohn nach eigener Aussage „totes Fleisch“ ist, das unterhalten werden muss. Der Sohn hingegen ist ein einsamer Junge, der der taffen Selma nachläuft wie ein Schoßhündchen. Auch die Mutter hat keine Beziehung auf Augenhöhe zu ihrem Sohn. So wie sie hinter ihm aufräumt, so räumt sie ihm auch alle Steine aus dem Weg und nimmt ihm damit die Möglichkeit, sein Leben in die Hand zu nehmen. Lediglich Tante Katrin nimmt Marc ernst und hört ihm zu, ohne sofort eine Lösung zu präsentieren. Den Eltern rät sie: „Pfuscht nicht in Marcs Leben herum.“

Selma ist das Gegenteil von Marc. Ihre Mutter ist krank und mittellos und sie hat früh gelernt, sich zu organisieren. Mit der Verantwortung für die Mutter trägt sie allerdings eine zu schwere Bürde. Als Selma schwanger wird, eskaliert die verfahrene Situation. Zurück blieben hilflose Menschen und einige Weisheiten: „Es ist mein Chaos, nicht Eures“, schreit Marc seine Eltern an, die wollen, dass er sein Leben in die Hand nimmt, es ihm aber gleichzeitig nicht zutrauen. Und: „Hättet ihr euch nicht eingemischt, wäre alles anders gekommen.“