Tönisvorst: Vorst - ein Stadtteil mit mehr Potenzial

Tönisvorst : Vorst - ein Stadtteil mit mehr Potenzial

Im Großen und Ganzen sind die Vorster Bürger mit der Entwicklung ihres Ortes zufrieden. Zumindest kam beim Stadtspaziergang mit Vertretern der CDU wenig Kritik von den Teilnehmern.

Etwa 30 Interessierte, darunter viele CDU-Mitglieder, Bürgermeister Thomas Goßen und Andree Haack von der IHK, folgen der Einladung der CDU Tönisvorst zu einem Rundgang durch den Ort mit anschließender Diskussionsrunde im Haus Vorst. "Potenziale und Entwicklungschancen" ist die Veranstaltung überschrieben, die Dirk Louy, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und gebürtiger Vorster, souverän leitet.

Die erste Station des Rundgangs führt die Versammelten zur ehemaligen Schlecker-Filiale an der Kuhstraße. Vor drei Jahren hat der Unternehmer Abbelen das Gebäude gekauft. Weil der dort angesiedelte Fabrikverkauf nicht angenommen wurde, schloss das Geschäft wieder und steht seitdem leer. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die beste Stadtplanung nichts bringt, wenn der Grundstückseigentümer nicht mitzieht", bemerkt Bürgermeister Goßen. Es seien viele intensive Gespräche geführt worden, auch Kaufinteressenten habe es gegeben, aber zu einer Einigung sei es nicht gekommen. Weiter geht es zum Pfarrhaus, aus dem Pfarrer Kamm ausgezogen ist und das in einen Neubau mit 21 Wohnungen und einem Pfarrbüro integriert werden soll, den Kirchengemeinde und Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft gemeinsam bauen wollen. Karl-Heinz Fruhen, ehemaliger Vorsitzender von Vorst aktiv, betont, es sei wichtig, dass der Neubau eine ansprechende Optik bekomme. "An anderer Stelle ist das auf ehemaligen Kirchengrund nicht gelungen", moniert Fruhen und spricht damit die Mauer an, die vor die Neubauten an der Hauptstraße gesetzt wurde.

Vor der Metzgerei Kohnen, die seit Monatsanfang geschlossen ist, nutzt Dirk Louy die Chance darauf hinzuweisen, dass die CDU sich dafür einsetze, dass die Hygieneampel überarbeitet werde, um dem Traditionshandwerk Bürokratie und Auflagen zu ersparen. Jakob Kohnen hatte seine Metzgerei im vorigen Jahr verkauft, sein Nachfolger hat das Geschäft zum 1. September geschlossen, weil er sich nicht in der Lage sah, die Auflagen des Kreises zu erfüllen.

Von dort führt der Rundgang zu den Neubauten im "Kaisergarten" an der Johannes-Stadtfeld-Straße. Dort, wo lange die Fensterbaufirma Kaiser ansässig war, entstehen zurzeit 24 Wohnungen in drei Mehrfamilienhäusern. Markus Helbig regt an, vom Durchbruch der Johannes-Stadtfeld-Straße zur Eichenstraße abzusehen, wenn der Bauernhof mal zur Disposition stehe, und stattdessen Ladenlokale anzusiedeln.

Leere Ladenlokale aber gibt es genug in Vorst, wie der Gang über die Clevenstraße zeigt. Zwar hat sich mit dem "Papperlapapp" dort ein gut besuchtes Kulturcafé etabliert, aber einige kleine Geschäftsräume stehen leer und ließen die gesamte Straße traurig aussehen, wie ein Bürger bemerkt. Auch Andree Haack bedauert das. "Ich gehe gerne durch Vorst. Sie haben hier eine einmalige Struktur mit den kleinen Straßen, die sternförmig auf den Marktplatz mit der imposanten Kirche zulaufen", sagt der IHK-Mann. Es sei schade, dass die Online-Konkurrenz und die großen Supermärkte den kleinen Geschäften die Kunden wegnähmen. "Aber diese Entwicklung ist nicht rückgängig zu machen", sagt Haack und rät der Stadt, Ladenlokale in attraktiven, innerstädtischen Wohnraum umzuwandeln.

(WS03)