Tönisvorst: Vauth: Anzeichen für Insolvenz

Tönisvorst: Vauth: Anzeichen für Insolvenz

Gestern nahm das Tönisvorster Ehepaar Lothar und Jessica Vauth erneut auf der Anklagebank des Krefelder Landgerichts, 2. Große Strafkammer, Platz. Den beiden wird Untreue in 923 Fällen vorgeworfen. Es geht um eine Schadenssumme in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Die Taten ereigneten sich vor circa acht bis zehn Jahren.

Diesmal war nur eine Zeugin geladen. Sie hatte ab Anfang 2004 in der Sozietät, in welcher der ehemalige Rechtsanwalt Lothar Vauth Partner und seine Ehefrau Jessica Büroleiterin waren, gearbeitet. Konkret erledigte sie für einen der Kanzleipartner, dessen Schwerpunkt allgemeines Strafrecht war, Sekretariatsaufgaben, wie zum Beispiel Terminvereinbarungen. Die Buchhaltung habe "in den Händen von Jessica Vauth" gelegen.

Zunächst seien der Zeugin aber Einblicke in die Buchungslisten gewährt worden: "Die kamen nämlich in die einzelnen Dezernate, also auch in das meines Chefs." Ab 2006 oder 2007 habe sich das jedoch geändert, sodass "anscheinend nur noch Frau Vauth" Kenntnisse über Zahlungseingänge hatte.

Das führte zu Problemen. Da die Zahlungen nicht mehr in die Akten eingetragen wurden, dachte die Zeugin - oft fälschlicherweise - die Mandanten hätten die Gelder nicht überwiesen. "Daraufhin schrieb ich ihnen natürlich Mahnungen", ergänzte sie. Ihrem Chef habe sie mitgeteilt, dass sie es nicht gut fand, keine Einblicke mehr in die Buchungslisten zu bekommen. Geändert habe sich aber nichts.

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Das jeweilige monatliche Gehalt der Zeugin sei zwar auf deren Konto überwiesen worden, "allerdings immer verzögert." Jessica Vauth habe es nicht geschätzt, wenn sie von Mitarbeitern auf solche Verzögerungen angesprochen worden sei. "Wenn jemand das tat, riskierte derjenige, dass das Geld noch später als sonst eintraf." Die Fachangestellte im Zeugenstand hörte außerdem von Mandantengeldern, welche nur sehr verzögert ausgezahlt wurden.

In den ersten Jahren ihrer Tätigkeit für die Sozietät sei im Rahmen der jeweiligen Weihnachtsfeier jedes Mal betont worden, dass die Kanzlei finanziell sehr gut dastehe. Ganz überrascht wäre sie aber von der Insolvenz im Herbst 2012 nicht gewesen: "Es gab ein paar Anzeichen". So habe sich die Sozietät ein bis zwei Jahre zuvor etwa räumlich verkleinert, verschiedene Anwälte hätten gekündigt, und "es wurden weniger Auszubildende beschäftigt."

Der Prozess wird heute, 3. November, 10 Uhr, fortgesetzt.

(sste)