Senioren Union Tönisvorst: Über 60 Jahre alt – und na und?

Senioren Union Tönisvorst : Über 60 Jahre alt – und na und?

Die Senioren Union Tönisvorst lud für Freitagmorgen zu einem ersten „Politischen Frühstück“ in das CDU-Bürgerbüro an der Antoniusstraße. Gestellt wurde die Frage „Macht Politik noch Spaß?“ – die Runde am Tisch meinte ja.

Ein nett gedeckter, vor-österlich dekorierter Tisch im sonst eher nüchtern wirkenden CDU-Bürgerbüro an der Antoniusstraße. Alle Stühle sind besetzt. Das Angebot für ein „politisches Frühstück“ wurde gut angenommen. Die Frage an die Senioren, ob Politik noch Spaß mache, wird schnell aufgegriffen. Tenor: Wer so lange politisch aktiv ist wie sie, kann das nicht ohne Spaß schaffen. Und bei allem möglichen Frust – Politik mache Spaß.

Vorsitzender Reinhard Bismanns freut sich, dass die Einladung auf so fruchtbaren Boden gefallen ist. Mit Günter Körschgen und Peter Langenfurth sind zwei aktive Ratsmitglieder dabei, mit Reinhard Maly ist der SU-Kreisvorsitzende dabei und mit Hans Lücker ein ehemaliges Ratsmitglied und Ehrenringträger. Dermaßen schwergewichtig, ging es schnell ans Eingemachte: Reinhard Maly nannte das Miteinander von Jung und Alt in der Politik ein grundsätzliches Problem. Auf Kreisebene gebe es aktuell einen Brief der Jungen Union, den Senioren fast als Kampfansage begreifen müssten. Die heutige Senioren-Generation habe viele Themen nach vorne gebracht. Die über 60-Jährigen seien eine große Bevölkerungs- und Wählergruppe, sich in diesem Alter um ein Ratsmandat zu bemühen, sei aber inzwischen geächtet.

Auch Vorsitzender Reinhard Bismanns beobachtet, wie die Älteren vielfach an die Wand gedrängt würden. Oft fehlten die Informationsflüsse. Ältere Politiker spürten einen „gewissen Abstand“ zu ihnen, man müsse dagegen ankämpfen, wenn die junge Generation einen als „alt und doof“ abkanzele. Nur zu den Wahlzeiten würden die Alten wieder hofiert, weil man deren Stimmen brauche. Im Grunde genommen seien die Senioren wahlentscheidend. Aus seiner langjährigen Erfahrung in der Kommunalpolitik wusste Hans Lücker zu berichten, dass früher die JU-Leute von den etablierten Ratsmitgliedern „weggebissen“ wurden. Die Mandatsträger wollten grundsätzlich nichts mit den Jungen zu tun haben, aus der Sorge, das man ihnen ihr Mandat streitig mache. Diese Konfrontation sei aber inzwischen überwunden.

Günter Körschgen, Ratsmitglied und Beisitzer im Parteivorstand, nahm die Gelegenheit wahr, über den „aktiven Vorwahlkampf“ zu berichten. Die Bürger-Reaktionen auf die Windräder hätte die Nervosität in der Partei noch verstärkt. Körschgen kritisierte den Grünen Jürgen Cox. Die Grünen würden im Landtag für Windenergie stimmen, vor Ort dagegen. Aber irgendwoher müsse der Strom ja kommen, wenn man Atomstrom und Braunkohle nicht wolle. Die Tönisvorster CDU sei grundsätzlich auch für Windräder, auch wenn sie den Klage-Beschluss im Rat mitgetragen habe. Er selber sei übrigens 1972 in die CDU eingetreten, war eine Zeit lang JU-Vorsitzender. Und als Appell an alle aktiven Senioren urteilte Körschgen: „Frühstücken ist schön, Mitmischen ist schöner.“

Interessnt ist, wie Hans Lücker die Veränderung der kommunalpolitischen Landschaft wahrnimmt: Früher habe der Stadtrat ein anderes „Standing“ besessen. Lücker fragte sich, wozu haben wir einen Stadtrat, wenn man ständig externe Meinungen von Gutachtern hereinhole. Früher habe es interfraktionell einen engeren gesellschaftlichen Zusammenschluss gegeben. Montags trafen sich die Fraktionen im Haus Wirichs. anschließend „wurde Politik gemacht“. Heute hätten die Ratsmitglieder alle einen Laptop. Alle Infos gibts schriftlich, aber man rede nicht mehr miteinander.

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