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Trockenheit führt zu Ernteausfällen bei Landwirten in Tönisvorst

Tönisvorster Landwirte : Trockenheit führt zu Ernteausfällen

Die Tönisvorster Landwirte stecken mitten in der Ernte. Wo bewässert wird, sieht es gut aus, ohne zusätzliche Bewässerung gibt es allerdings Ernteausfälle. Dass es erst eine extreme Hitzewoche gab, ist von Vorteil. Die Landwirte hoffen auf eine weitere normale Vegetationsphase.

Wenn Philipp Panzer durch die Reihen der Kirschbäume auf dem heimischen Obsthof Unterweiden geht, blickt er zufrieden an den Bäumen hoch. „Es sind zwar deutlich weniger Süßkirschen als im vorigen Jahr. Dafür sind sie aber schön dick und sehr aromatisch“, sagt der Gartenbaumeister mit Fachrichtung Obstbau und nascht direkt ein paar Exemplare. Dass es in diesem Jahr bislang erst eine Woche mit extrem warmen Temperaturen gab und die Hitze sich nicht über Wochen gehalten hat, tat den Bäumen gut.

Dennoch macht der fehlende Niederschlag es nicht nur den Bäumen schwer. „Wir haben alle Plantagen mit Tropfbewässerung ausgestattet. Würden wir nicht bewässern, sähe es mehr als nur schlecht aus“, sagt Panzer. Das spiegelt sich in den Kulturen wieder, die keine Beregnung erfahren. Dazu gehört das Getreide. Gerste, Weizen & Co. zu bewässern, wäre in Anbetracht der niedrigen Verkaufspreise eine viel zu aufwendige Angelegenheit. „Betriebswirtschaftlich gesehen ist eine Bewässerung nicht drin. Die beginnende Gersteernte sieht unterdurchschnittlich aus, und auch der Weizen, der sich gerade in der Kornfüllungsphase befindet, hat stark gelitten“, sagt der Tönisvorster Ortslandwirt Hubert Nauen. Das Getreide hatte es schon im späten Frühjahr durch die regenlose Zeit schwer. Normal befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch viel Feuchtigkeit im Boden, von dem die Pflanzen zehren können. Das war in diesem Jahr aufgrund der früh einsetzenden Trockenheit nicht der Fall. Zumal der Ostwind die Böden zusätzlich austrocknete.

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Dieser Wind sorgte auch bei den Obstbauern für Probleme. Es gab die eher seltenen Windfröste, bei denen die Frostschutzberegnungen nicht optimal greifen konnten. Das führte zu Blütenfrostschäden und weniger Fruchtansätzen. „Wo nur ein Teil der Zellen befroren ist, kommt es zum Beispiel bei den Äpfeln zu Verformungen“, erklärt Panzer. Diese Äpfel werden derzeit ausgepflückt. Das Auspflücken wird vorgenommen, um einer Baumüberlastung entgegen zu wirken.

Die Apfelernte startet Mitte des Monats mit frühen Sorten wie Collina. Ein typischer Sommerapfel, der frisch in den Verzehr geht. Diese Äpfel sind nicht als Lagerware geeignet. Pflücken, Verkauf und Essen ist angesagt, wobei Collina mit einer frischen säuerlichen Geschmacksnote daherkommt. In gut zehn Tagen können sich die Kunden zudem auf die ersten Zwetschgen freuen. Die Frühzwetschge Katinka macht den Anfang – nicht nur zum Naschen geeignet, sondern auch perfekt für den ersten Pflaumenkuchen der Saison. Ihr folgt einige Tage später die Pflaumensorte Opal, eine reine Esspflaume, süß und saftig. Auf die ersten Birnen müssen die Kunden hingegen noch bis Mitte August warten.

Bei den Äpfeln wie auch Pflaumen, Zwetschgen und Birnen zeichnet sich bislang eine gute Ernte ab. Die Bewässerung war und ist aber weiter von Nöten. In Sachen der Erdbeerernte, deren Höhepunkt bereits überschritten ist, zeigen sich die Landwirte zufrieden. Die Qualität der Früchte war sehr gut, wenngleich man von der Menge der Erdbeeren her nicht von einem Rekordjahr sprechen kann. Die Kartoffeln halten die Landwirte derweil in Atem. Anders als in den Obstplantagen, wo fest installierte Bewässerungssysteme liegen, müssen die Bewässerungen für die Kartoffeln Tag und Nacht umgebaut werden. Wasser ist für Kartoffeln wichtig.

Auch die Zuckerrüben hungern. Sie fangen zwar an zu schlafen: Die Blätter rollen sich zum Schutz tagsüber ein. Aber wenn sie nicht bewässert werden, können sie keinen Ertragszuwachs bilden. Beim Zweitfruchtmais sieht es derzeit kritisch aus. Diese zweite Kultur, die dem Gras folgt, kämpft mit den trockenen Böden. „Das Gras hat schon jede Menge Wasser gezogen. Da ist nichts mehr“, sagt Nauen. Für die Milchviehbetriebe zeichnet sich damit eine erneute Futternot ab, die zu Bestandsverkleinerungen führen wird.