Tönisvorst: Trauung mit der "Flamme des Lebens"

Tönisvorst: Trauung mit der "Flamme des Lebens"

In der Reihe "Kunst im Trauraum" zeigt die Kempener Künstlerin Margret Binzen Fotos unter dem Titel "Kiklos V - ein Augen-Blick". Im Mittelpunkt ihrer analog erstellten Fotografien stehen Menschen, denen sie auf Reisen begegnet.

Gestern am ersten Tag der Ausstellung schaute auch Wolfgang Schouten, Fachbereichsleiter C, vorbei. Er wird heute im Standesamt eine Trauung übernehmen und wollte schauen, wie er die Bilder in seine Rede an die Brautleute miteinbauen kann. Das ist ganz im Sinne von Manfred Küsters, dem Leiter des Standesamtes. Er erhofft sich von dieser Ausstellungsreihe, dass die Gäste des Trauzimmers Verbindung mit den Bildern aufnehmen können. "Manchmal finden auch die Standesbeamten Worte, die ebenso zum Paar wie zu dem einen oder anderen Bild der Ausstellung passen." Außerdem erhalten die Brautpaare in ihrem Stammbuch eine eigene Seite mit einer kleinen Erinnerung an diese Ausstellung.

Abgedruckt ist da das Foto "Flamme des Lebens", das in der Ausstellung an der Wand genau hinter dem Standesbeamten hängt. Es zeigt die roten Äderchen in einem gelben Tulpenblatt. Durch die Makroaufnahme wirkt das Bild allerdings nahezu abstrakt. Daneben hängt das Bild "Anfang". Auch dort ist das Bild real - zu sehen sind blaue Farbkleckse mit Verläufen auf einer roten Fläche - aber in seiner Bildwirkung an Spermien erinnern - und damit für einen "Anfang als Familie" stehen.

Die Kempener Künstlerin Margret Binzen hat die Bilder dieser aktuellen Ausstellung geschaffen. Sie betont, dass alle Bilder analog geschaffen wurden, das heißt nicht digital und ohne Bildbearbeitung am PC. Neben ihren Fotos mit einer grafischen, plakativen Wirkung, die ins Abstrakte oder Abstrahierte reicht, stellt sie ihre Reisefotografie. Im Trauraum in St. Tönis handelt es sich um Fotoimpressionen aus Griechenland. Aber in diesen Bildern geht es nicht um touristische Höhepunkte und atemberaubende Landschaften oder Strände, sondern um Begegnungen mit Menschen. Margret Binzen reist seit vielen Jahren nach Griechenland. Sie liebt das Land, das Licht, das dort herrscht, und die Menschen, die dort leben. Sie schätzt an den Bauten das leicht Marode, "das Gelebte", das ihre Kreativität anstachelt.

Und da sie mittlerweile die Sprache der Griechen spricht, kommt sie mit den Menschen ins Gespräch. Gerne öffnen sie dann auch Fremden die Türen ihrer Häuser und laden sie ein. Margret Binzen gehört eben nicht zu den Touristen, die ein Land oberflächlich durchhetzen, sondern sich Zeit nimmt - für die Fotografie und für ihre Motive.

In den Bildern entdecken wir eine archaische Gesellschaft auf dem Lande, die vom Wetter und vom Meer bestimmt ist. Wir sehen Fischer, die wie seit Jahrhunderten gleich, ihren Fang ausnehmen und ihre Netze flicken. Vor dem Kafenion Platonos sitzen wie seit Urzeiten die alten Männer unter einem Baum zusammen, trinken ihren Kaffee, reden, erzählen oder diskutieren. Die alten Frauen sitzen draußen neben der Tür vor ihren Häusern und nähen. An der Decke des Hauses werden Stauden mit prallen roten Tomaten zum Trocknen aufgehängt. Aber um diese pittoresken Momente geht es der Fotografin gar nicht, sondern um die Augen-Blicke, um die empathische Begegnung mit fremden Menschen, die im Bild zu vertrauten guten Bekannten und Freunden werden, eben Tassia oder Alexandra.

Die Ausstellung im Trauraum bleibt bis zum 31. Dezember hängen. Besuch auf Anfrage möglich.

(RP)