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Tönisvorster Bürger verärgert über Windradbau

Tönisvorst : Bürger verärgert über Windradbau

Anfang der Woche sind Schwerlasttransporter durch Tönisvorst gefahren, die teile für den Bau der beiden Windkraftanlagen geliefert haben. Die Bürger fühlen sich überrumpelt.

Die Bauarbeiten für die Windräder in der Tönisvorster Rottheide haben begonnen, Schwertransporte fuhren in den vergangenen Tagen durch die Stadt, und der Protest dagegen reißt nicht ab. Sowohl die Bürgerinitiative (BI) als auch die Stadt haben sich jetzt zu Wort gemeldet. Beide wollen sich nicht damit abfinden, dass zwischen Vorst und Süchteln zwei knapp 200 Meter hohe Windmasten aufgestellt werden. Anfang der Woche sind drei schwere Lkw-Züge angerollt, die am Fundament der nach Süchteln hin stehenden Anlage parkten.

Philipp Joeden sieht sich in zweifacher Hinsicht betroffen. Von seinem Vorster Haus aus nahe dem Sportplatz blicken der 55-Jährige und seine Familie künftig auf die Windmasten. Und wenn der Gärtner die zwei Kilometer nach Süchteln zu seiner Arbeitsstätte fährt, blickt er dort von der anderen Seite auf die Türme. Aus diesem Grund hat sich Joeden der Bürgerinitiative angeschlossen. „Der Standort Rottheide ist mitnichten alternativlos, er kann durch jeden x-beliebigen Standort ersetzt werden“, reagiert Joeden auf eine Aussage von Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Windradbauers SL Natur­energie. Der hatte gesagt, dass der Standort Rottheide, wo „verdammt viel Wind“ sei, in Tönisvorst alternativlos sei.

Ein Zurückfahren der Anlagen sei nach Ansicht des BI-Sprechers keine besondere Härte für die Windbauer. Er sieht es vor dem Hintergrund, dass „diese Unternehmen seit zwei Jahrzehnten aus den EEG-Umlagen“ subventioniert würden. „Hier auf die Tränendrüse zu drücken, ist unnötig“, sagt Joeden.

Die Bürgerinitiative hatte sich Anfang 2019 formiert, nachdem die Mitglieder von den Plänen für die Windkraftanlagen erfahren hatten. Innerhalb weniger Wochen hatte die BI mehr als 1000 Unterschriften für den Petitionsausschuss des Landes gesammelt. Fahrt aufgenommen hat der Protest dann, als die Baukolonnen von SL Naturenergie im Frühjahr in der Vorster Heide loslegten.

Auch die Stadt Tönisvorst ist nicht glücklich. Das Rathaus hat die ihr zur Verfügung stehenden gerichtlichen Schritte eingeleitet, weil sie den Windradbau stoppen möchte. In ihrer Argumentation verweist die Stadt darauf, dass sie sich schon frühzeitig gegen eine Errichtung einer Anlage im Vorster Landschaftsschutzgebiet ausgesprochen habe. „Wir haben im Februar 2015 um Streichung der Windenergiezone im Regionalplan gebeten“, erläutert Bürgermeister Thomas Goßen (CDU).

In der Stellungnahme der Stadt im Zuge des Erarbeitungsverfahrens für den Regionalplan Düsseldorf aus dem Jahr 2015 sollten „unmittelbar an Wald angrenzende Flächen für Windenergieanlagen nicht in Anspruch genommen werden und die Windenergiegewinnung an einem anderen Standort stattfinden“. In dieser Stellungnahme verweist die Stadt auf eine im städtischen Flächennutzungsplan favorisierte Fläche im Norden des Stadtteils St. Tönis. Diese 15,4 Hektar große Fläche sei nicht in den Entwurf des Regionalplans übernommen worden – warum auch immer, so der Bürgermeister.

Die Vorrangfläche sei seitens der Stadt im Aufstellungsverfahren des Regionalplans ausdrücklich abgelehnt worden. So sei es in öffentlicher Sitzung im Planungsausschuss auch beraten und beschlossen worden. Die am Verwaltungsgericht angestrebte Normenkontrolle sei – wie vom Bürgermeister und der eingeschalteten Kanzlei befürchtet – mittlerweile als „unzulässig“ beschieden worden. Vor Gericht seien nunmehr die Anfechtungsklage, der Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz und die Verfassungsbeschwerde anhängig.

Stadt und BI fühlen sich überrollt vom Baustart der beiden Windenergieanlagen. Die Mitglieder der BI sehen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Kreis Viersen konnte sich dazu am Freitag nicht äußern.