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Tönisvorst will Bestattungen in St. Tönis an Trends anpassen

Städtischer Friedhof in St. Tönis : Tönisvorst will Baumgräber ermöglichen

Friedhöfe verändern sich. Statt Sargbestattungen sind Urnengräber gefragt, gerne naturnah und pflegeleicht. Für den Friedhof in St. Tönis ist jetzt ein Konzept erarbeitet worden, das nun von der Politik diskutiert wird.

Seit zehn bis 15 Jahren schon gibt es im Bestattungswesen einen Trend: Während früher für die überwiegende Mehrheit der Toten eine Erdbestattung gewählt wurde und nur wenige sich für eine Urne entschieden, hat sich das Verhältnis heute gedreht. Sargbestattungen machen nur noch einen Anteil von 35 bis 40 Prozent aus, dafür liegen die Urnenbestattungen inzwischen bei 60 bis 65 Prozent. Zudem würden sich die Menschen immer häufiger pflegeleichte Grabarten wünschen, berichtet der zuständige Tönisvorster Fachbereichsleiter Jörg Friedenberg: „Diesem Trend müssen wir nachkommen.“ Für den Kommunalfriedhof St. Tönis ist darum ein Entwicklungsplan erstellt worden.

Flächenbedarf Der städtische Teil des St. Töniser Friedhofs hat eine Fläche von 40.000 Quadratmetern, weitere 5000 Quadratmeter sind sogenannte Vorhaltefläche. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir sie nicht benötigen werden“, sagt Friedenberg. Wegen des Bestattungstrends hin zur Urne werde sich der Flächenbedarf langfristig verringern, dennoch sollte die Erweiterungsfläche im Westen als „Pufferkapazität“ vorgehalten werden. Auf der erschlossenen Friedhofsfläche stehen derzeit 3300 Quadratmeter als freier oder frei werdender zusammenhängender Bereich zur Verfügung. Als Ansatz für die Friedhofsentwicklungsplanung hat das Büro „PlanRat“, das die Verwaltung 2018 mit der Erstellung beauftragt hatte, 372 Sterbefälle pro Jahr berechnet. 94 Prozent der Verstorbenen werden in Tönisvorst bestattet, sechs Prozent außerhalb.

 Ein Grabfeld mit Urnenstelen auf dem Kommunalfriedhof St. Tönis.
Ein Grabfeld mit Urnenstelen auf dem Kommunalfriedhof St. Tönis. Foto: Emily Senf

Neue Grabarten Um die Einwohner an den örtlichen Friedhof zu binden, sollten Nachfragewünsche umfangreich abgedeckt werden, schreibt das Büro. Herkömmliche Grabstätten für Sarg- und Urnenbestattungen mit individueller Pflege durch die Grabnutzer stellen demnach das grundlegende Angebot einer Friedhofseinrichtung dar, welches aus rechtlichen Gründen immer bereitgehalten werden muss, selbst wenn die Nachfrage stark zurückgeht. Allerdings sei es nicht zwingend erforderlich, für Reihengräber weiterhin gesonderte Felder vorzuhalten. So sei es sinnvoller, Reihengräber in Bestandslücken unterzubringen. Für anonyme Grabformen regt „PlanRat“ an, diese wegen geringer Nachfrage aus dem Angebot zu streichen.

Die Planer regen für St. Tönis auch ein Grabfeld für Sternenkinder, die die Schwangerschaft oder die Geburt nicht überlebt haben, an sowie „pflegefreie Gräber mit naturverbundener Gestaltung“. Es sei zu erwarten, dass der Themenkomplex Ökologie, Umwelt- und Klimagerechtigkeit auch im Friedhofswesen für eine zunehmende Zielgruppe zu einem ausschlaggebenden Kriterium werde. Tönisvorst habe, bestätigt Friedenberg, Interesse an sogenannten Baumgräbern, wie es sie in anderen Kommunen bereits gibt. Dabei wird die Asche eines Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne an der Wurzel eines Baumes beigesetzt. Eine kleine Tafel am Baum kennzeichnet das Grab. Möglich sein soll diese Art der Bestattung als Familien- oder Partnergrab. Wie das Sternenkindergrab gehört das Baumgrab laut einer Vorlage der Verwaltung zu Maßnahmen, die aufgrund eines geringen finanziellen Aufwandes zeitnah noch in diesem Jahr umgesetzt werden können.

  Sollten die Ideen in St. Tönis gelingen, könnten sie auf Vorst übertragen werden.
Sollten die Ideen in St. Tönis gelingen, könnten sie auf Vorst übertragen werden. Foto: Emily Senf

Angebote, die einer weitergehenden Abwägung bedürfen, sind Urnenwände in der Trauerhalle und eine Mensch-Tier-Bestattung.

Gebühren Die Nachfrage nach Urnenstelen wird laut „PlanRat“ auch dadurch befeuert, dass sie vergleichsweise günstig sind. Um die Kosten für den aufwändigen Ausbau der Urnenkammern aufzufangen und die Nachfrage nach anderen Grabformen nicht in ein Ungleichgewicht geraten zu lassen, empfiehlt das Büro, so zu kalkulieren, dass sich ein ausgewogener Zuschnitt einstellt.

Wie es weitergeht Die Planung wird den Mitgliedern des Bau-, Energie-, Verkehrs- und Umweltausschusses (BEVU) in ihrer Sitzung am Mittwoch, 17. Juni, vorgestellt. Dann soll die Verwaltung einen Maßnahmenkatalog erarbeiten. Die einzelnen Punkte sollen dem BEVU jeweils vorgelegt und für die Haushaltsberatungen der nächsten Jahre angemeldet werden. Den Bürgern würden sich die Änderungen vermutlich erst in einigen Jahren zeigen, erläutert Friedenberg. Sollten die Ideen in St. Tönis gelingen, könnten sie auf den städtischen Friedhof in Vorst übertragen werden.