Tönisvorst: Tönisvorst ist kein gefährliches Pflaster

Tönisvorst : Tönisvorst ist kein gefährliches Pflaster

Tönisvorst sei nach der Kriminalstatistik ein friedliches "Paradies" - sagt die Polizei. Die Bürger wünschen sich bei der Vielzahl von Einbrüchen und Diebstählen mehr Polizeipräsenz. Im Hauptausschuss referierte 1. PHK Bernd Wegener.

Alle Jahre wieder? Im Hauptausschuss stand jetzt am Donnerstag der Jahresbericht der Polizei über die Sicherheitslage in Tönisvorst an. Nach dem Raubmord an einem 81-jährigen Rentner in St. Tönis ging die Politik nicht zur Tageordnung über. Die CDU reagierte mit einem Antrag, der prüfen soll, ob eine kommunale Polizei Aufgaben übernehmen könne. In Uerdingen patrouillieren nach zwei Raubüberfällen Bürger durch die Straßen des Viertels. Ist das die Zukunft: Bürgerwehr und privat bezahlte Security zum Schutz vor Einbrecherbanden? Wer den Ausführungen von Bernd Wegener, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der für Tönisvorst zuständigen Polizeiwache Kempen, lauschte, musste den Eindruck bekommen. Denn vom Land wird keine Hilfe kommen, dort wird in erster Linie gespart.

Durch die natürliche Altersfluktuation, die zu wenig Neueinstellungen nicht ausgeglichen wird. schrumpft der Personalstand der Polizeibehörde Kreis Viersen beständig. Seit 2008 sank er von 520 auf 480 Stellen. Das hat natürlich Auswirkungen in der Organisation der Behörde. So wurden von den 36 Bezirksbeamten acht Stellen abgebaut. Die Verkehrskommissariate ließ man zusammenschrumpfen. Geplant ist, aus vier Kommissariaten zwei zu machen. Das heißt die Einzelkommissariate Willich und Kempen sowie Nettetal und Viersen sollen zusammengefasst werden. Ungeschminkt schilderte Wegener die Entwicklung: In den nächsten zehn Jahren gingen 170 Polizeikräfte in den Ruhestand. Bisher habe man die Arbeit so umstrukturiert, dass die Engpässe nicht auf Kosten des Streifendienstes gingen. Doch ab 2019 werde die Polizeibehörde keine Reserven mehr haben. Aber erst in der nächsten Legislaturperiode ab 2017 rechnet Wegener mit einer großflächigen Umstrukturierung der Polizei im Lande. Aktuell würden die Einstellungen bei der Polizei nicht erhöht. 2025 werde es im Land mehrere Tausend Polizisten weniger geben.

Auf der einen Seite strukturelle Probleme bei der Polizei, auf der anderen Seite kein Grund zu Panik in Tönisvorst. Gegenüber dem Landesdurchschnitt, aber auch dem Kreisdurchschnitt seien die Tönisvorster Zahlen absolut unterdurchschnittlich. Der Kriminalquotient liegt im Land im Durchschnitt bei 8320, im Kreis bei 5500 und in Tönisvorst bei 3933. Bernd Wegener nannte Tönisvorst nahezu ein "Paradies". Die Stadt sei in keiner Weise durch Kriminalität höher belastet. Auch im Straßenverkehr geben es keine Unfallbrennpunkte.

Bürgermeister Thomas Goßen, der als Vorsitzender die Sitzung des Hauptausschusses leitete, stellte einen diametralen Gegensatz zwischen Polizeiperspektive und der Wahrnehmung der Bürger fest. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Horst dankte Wegener für seinen ungeschminkten Bericht. Helmut Drüggen, Fraktionsvorsitzender der CDU, betonte, nach dem Gefühl der Bürger sei die Sicherheitslage schon mal besser gewesen. Irritiert waren die Ausschussmitglieder von der Tatsache, dass es für die Polizei keine Mindestzeit nach Alarmierung gebe. Sie hänge davon ab, ob der freie Streifenwagen gerade in Grefrath, Tönisberg oder Unterweiden unterwegs sei.

(RP)
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