Tönisvorst: Hans-Theodor Schewe baute als Architekt auch Kinos

90. Geburtstag : Hans-Theodor Schewe baute als Architekt auch Kinos

Als Hans-Theodor Schewe geboren wurde, sah die Welt noch anders aus. Heute feiert der St. Töniser, der jetzt in Vorst lebt, seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Als ältestes von drei Kindern wuchs er an der Gelderner Straße in St. Tönis auf. In seinem Elternhaus hat er bis zu seinem Umzug im Mai ins Seniorenhaus Vorst gelebt.

Schon früh interessierte Hans-Theodor Schewe sich für Technik und absolvierte mit 15 Jahren eine Lehre beim Bauamt der Gemeinde St. Tönis. „Die Lehre hat mich davor bewahrt, als Soldat eingezogen zu werden“, erzählt der Senior. Weil er alle Befestigungsanlagen der Gemeinde zeichnen musste, konnte er im Ort bleiben und musste nicht an die Front. „Das war vielleicht das größte Glück, wer weiß, ob ich davon lebend zurückgekommen wäre.“ Unter den schlechten Zeiten der späten Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre hat er dennoch gelitten. „Wir hatten nichts zu essen“, erinnert sich der 90-Jährige.

Nach dem Krieg hat Hans-Theodor Schewe zunächst weiter im Bauamt gearbeitet, dann aber in Wuppertal Architektur studiert und das Großstadtleben genossen: „Theater, Zoo, Schwebebahn – alles war für die Studenten der Hochschule damals kostenlos“, erzählt der Senior. Sogar den Führerschein konnte er günstiger erwerben. „Da habe ich sofort zugegriffen und in Wuppertal die Prüfung gemacht.“ Bis heute ist er stolz auf den Führerschein und möchte ihn auch nicht abgeben. „Wir haben jedes Jahr eine Reise gemacht, sind mit dem Auto bis nach Rom gefahren“, schwärmt Schewe.

Nach dem Studium hat er in Düsseldorf als Kinoarchitekt gearbeitet, seine Frau Helma geheiratet, die 2009 gestorben ist, und ist Vater eines Sohns geworden. „Manche meiner Kinos stehen noch heute“, sagt Schewe. Die längste Zeit seines Berufslebens aber, genau 30 Jahre, war Schewe in der Neubauabteilung von Thyssen-Krupp in Duisburg tätig. Nach der Pensionierung hat der Architekt sein Elternhaus in St. Tönis um- und angebaut und Zeit mit seiner Frau und den beiden Enkelsöhnen verbracht.

Mit den Enkeln, dem Sohn und der Schwiegertochter, Freunden und seiner Lebensgefährtin wird der runde Geburtstag morgen auch gefeiert.