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Tönisvorst braucht Plätze in der Pflege

Tönisvorst : Tönisvorst braucht Plätze in der Pflege

Die Themen Tagespflege, Kurzzeitpflege, Wohnen mit Service und Sozialwohnungen standen auf der Tagesordnung im Sozialausschuss. Die AWG ist bereit, einen Teil des Bedarfs mit einem Neubau am Schwimmbad zu decken.

Die Zahlen sprechen für sich: Bis 2021 werden 195 Plätze im Bereich „Wohnen mit Service“ in Tönisvorst benötigt – es gibt 15. Rund 35 Plätze werden bis 2021 in der Tagespflege fehlen, 25 in der Kurzzeitpflege, 57 in der Vollzeitpflege. Außerdem ist es schon heute besonders im Stadtteil St. Tönis schwierig, Mietwohnungen im preiswerten Segment zu finden. Daher wundert es nicht, dass sich gleich drei Anträge im Ausschuss für Jugend, Senioren, Soziales und Sport mit der Thematik beschäftigten.

Ein Antrag kommt von der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft Tönisvorst, kurz AWG. Sie möchte einen 150 bis 200 Quadratmeter großen Teil der städtischen Fläche an der Schelthofer Straße im Bereich „Haus des Sports“ kaufen oder in Erbpacht übernehmen und dort einen Neubau mit 16 Plätzen in einer Tagespflegeeinrichtung schaffen. Außerdem sollen zwölf öffentlich geförderte Wohneinheiten für über 80-Jährige mit Betreuungsbedarf entstehen. „Möglich wäre“, heißt es im AWG-Antrag, „je nach Grundstücksgröße, ein weiteres Objekt mit preiswerten Wohnungen für junge Familien.“ 3,5 Millionen Euro will die AWG investieren.

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Die UWT-Fraktion unterstützt mit einem Antrag das Ansinnen der AWG und möchte der Genossenschaft die Fläche am St. Töniser Schwimmbad ohne Bieterverfahren überlassen. „Der Bedarf ist da, das Grundstück ist ideal, und mit dem Neubau wäre ein großer Teil des ermittelten Bedarfs zu decken“, sagt Michael Lambertz. Alexander Decher, CDU, weist darauf hin, dass der Sozialausschuss darüber nicht entscheiden könne, vielmehr sei der Ausschuss für Liegenschaften zuständig. Generell begrüße seine Fraktion aber das Vorhaben der AWG. Auch die anderen Fraktionen sprechen sich für das AWG-Projekt aus.

Auf Antrag der SPD-Fraktion greift Fenna Botta, Leiterin des Fachbereichs Soziales und Wohnen bei der Stadt, das Thema „Handlungskonzept Wohnen“ auf. Sie referiert, die beiden großen Themen im Arbeitskreis seien bezahlbares Wohnen und Wohnen im Alter. „Die meisten Menschen möchten auch im Alter in ihrer Wohnung oder ihrem Haus bleiben“, sagt Botta, aber dafür müsse sich im Umfeld etwas ändern. Der Arbeitskreis mache sich Gedanken über das Projekt „Quartiersmanagement“. Für Umbauten im Haus, die zu einem seniorengerechten Wohnen führen, bietet die Stadt eine Beratung an.

Helge Schwarz, SPD, sagt, seine Fraktion habe den Antrag gestellt, die Ergebnisse aus den Umfragen und Diskussionen des Arbeitskreises „Wohnen“ in die Öffentlichkeit zu holen, damit die Ausschüsse Entscheidungen treffen könnten, die den Wünschen und Bedarfen der Bürger entgegenkommen. Birgit Koenen, FDP, begrüßt den Antrag und stellt fest, dass Wohnen im preiswerten Segment nicht möglich sei, solange die Grundstückspreise so hoch seien. „Da müssen Stadt und Politik zusammenarbeiten, um günstige Mietwohnungen zu schaffen“, sagt Koenen.

Der Beschluss, den Bedarf an Pflegeplätzen und günstigem Wohnraum zu decken, fällt einstimmig. Außerdem wird die Verwaltung aufgefordert, in der nächsten Sitzung des Ausschusses mitzuteilen, wie viele Sozialwohnungen es in Tönisvorst gibt. Auch soll der Arbeitskreis Wohnen künftig regelmäßig im Ausschuss Bericht erstatten.