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Suppenküche im Tönisvorster Marienheim steht leer

Tönisvorst : Suppenküche im Marienheim steht leer

Ein Team von sieben Ehrenamtlern um Johannes Thelen kocht leckere Suppen für Alleinstehende und Senioren. Normalerweise. Denn seit Mitte März bleibt die Küche kalt. Wann es in den Kesseln wieder brodelt, ist ungewiss.

Seit sechs Jahren gibt es im Marienheim in St. Tönis eine ehrenamtlich geführte Suppenküche, die vorwiegend von Senioren und Alleinstehenden genutzt wird. Leider ruht der Betrieb momentan wegen der aktuell immer noch andauernden Corona-Krise. Seit dem 11. März ist die Küche geschlossen. Wann der Betrieb wieder eröffnet werden kann, steht derzeit in den Sternen. Johannes Thelen (75) ist einer von zwei Köchen. Der zweite ist Franz Föhles (67). Insgesamt besteht das Suppenküchenteam aus sieben Ehrenamtlern: drei Männern und vier Frauen.

Normalerweise bekochen die beiden ehrenamtlich tätigen Köche zwischen 70 und 90 Personen. Das Essen ist kostenfrei, eine Spende zur Deckung der Unkosten jedoch erwünscht. Da es keinerlei Personalkosten gibt und man in einem Gebäude der Kirche kocht, bestehen die Kosten lediglich aus dem Einkauf der Lebensmittel. Gekocht wird ein gesundes Essen mit viel Gemüse, sehr schmackhaft und gut bekömmlich.

Das wissen die Senioren zu schätzen, die auch kommen wegen der netten sozialen Kontakte, die man hier pflegen kann. Besonders beliebt sind zwei Klassiker der deutschen Suppenküche: Erbsensuppe und Schnibbelbohnensuppe. Aber auch Blumenkohlsuppe, die Gaisburger Marsch mit besonders viel Gemüse, Serbische Bohnensuppe, Hühnersuppe und eine Kartoffelcremesuppe sind im Angebot. Eingekauft wird vor Ort und bei örtlichen Bauern, die auch schon mal etwas kostenfrei für den guten Zweck abgeben. Die Rezepte entwickeln die Hobbyköche selbst. Es gibt dazu auch noch ein Dessert und einen Kaffee, zu St. Martin auch die im Rheinland traditionellen Püfferkes.

Läuft der Betrieb normal, gibt es alle 14 Tage, jeweils mittwochs in der ungeraden Woche von 11.30 bis 13.30 Uhr, die Suppe. Ab 9 Uhr beginnen die Vorarbeiten, gekocht wird in zwei Riesentöpfen. „Von einer Küche wie unserer können manche Gastronomen nur träumen“, sagt Johannes Thelen. Er hat auch eine riesige „Küppersbusch“-Schwenkpfanne mit Ausguss zur Verfügung, die fast 80 Jahre alt ist. Zwei neue große Tiefkühlschränke und eine Industriespülmaschine wurden angeschafft. Das hilft bei der Bevorratung der Lebensmittel und beim Einfrieren überzähliger Suppen und erleichtert das Abwaschen großer Geschirrmengen.

Johannes Thelen, von Beruf Elektriker, war 40 Jahre lang Hausmeister an der Grundschule in St. Tönis. Der gebürtige St. Huberter kam im Alter von fünf Jahren nach St. Tönis und ist hier bestens bekannt. Er kochte schon als junger und auf sich allein gestellter Mann gerne. Für größere Personenkreise kocht er auch schon seit rund 30 Jahren. 14 Jahre lang bekochte er Kinderferienfreizeiten, die auf einer Hütte in Vorarlberg/Österreich stattfanden.

Die frühere Leiterin des Familienzentrums Marienheim, Maria Leyendeckers, inzwischen verstorben, wusste um seine Kochkenntnisse und holte ihn in ihr Team. Seinen erlernten Beruf übte er drei Jahre lang aus, war dann im gefährlichen Job eines Munitionsräumers im Münsterland tätig. Diese Tätigkeit gab er als junger Mann und Vater von zwei Söhnen auf und wurde im Jahre 1976 Hausmeister der Schule am Kirchplatz, die er bei der Schließung – am Ende ohne Schüler – aufräumen musste. Schon Vater und Schwiegervater waren als Schulhausmeister tätig. Johannes Thelen setzte bis zum Eintritt in den Ruhestand also eine Familientradition fort.