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Stadtentwicklungskonzept Tönisvorst: Stadtteilspaziergänge durch St. Tönis und Vorst

Stadtentwicklungskonzept : Viele Ideen für St. Tönis und Vorst

Bei Spaziergängen in St. Tönis und Vorst zum Stadtentwicklungskonzept waren Anregungen und Wünsche der Bürger gefragt.

Als hätte jemand ein Ventil geöffnet, so sprudelten die Anregungen bei den Stadtspaziergängen in St. Tönis und Vorst aus den Bürgern heraus. Etwa 25 Interessierte waren am Samstagmorgen zur St. Töniser Kirche gekommen, um zwei Stunden lang mit Mitarbeitern des Planungsbüros Post Welters und Partner, die ein Stadtentwicklungskonzept für Tönisvorst aufstellen, durch die Innenstadt zu gehen.

Zehn Punkte wurden angesteuert, und die Bürger sollten bewerten, was ihnen an diesem Ort gefällt, was sie schlecht finden und welche Ideen zur Verbesserung sie haben. Dabei gingen die Meinungen allerdings auch auseinander. So kam am Rathausplatz der Vorschlag, die Stadtbücherei aus dem Untergeschoss des Rathauses zu verbannen und ein Café in den Räumen einzurichten. Während einige die Idee begrüßten, sprachen sich andere dafür aus, dass die Stadtbücherei unbedingt an diesem zentralen Punkt bleiben müsse.

Eine Belebung des Rathausplatzes hingegen begrüßten alle Anwesenden. „In anderen Städten ist ein solcher Platz der attraktive Mittelpunkt, hier ist er tot“, bemerkte Annegret Giesen. Wie sich herausstellte, gilt das in den Augen der Bürger auch für den Seulenhof und den Alten Markt. Originelle Gastronomie, wie etwa eine Cocktailbar, mehr Bäume, die für Flair sorgen, Urban Gardening oder ein Wasserspielplatz waren Ideen zur Belebung. Überhaupt wurde immer wieder angeregt, mit Blumen, Bäumen, Bänken und schönen Hausfassaden der Innenstadt mehr Flair zu verleihen. „Zurzeit wirkt alles etwas steril“, fand Luisa Casula.

Das gelte auch für den Parkplatz am Rewe-Markt, waren sich die Bürger einig. Bäume und mehr Fahrradparkplätze wurden gewünscht, außerdem eine Verbesserung der Situation für die Radfahrer auf der Ringstraße und ein Zebrastreifen für Fußgänger an der Sparkasse, wo das Überqueren der Straße lebensgefährlich sei. „Ich habe den Eindruck, da wird auf Kommunikation zwischen Fußgängern und Autofahrern gesetzt, die aber nicht immer funktioniert“, sagte Heinz Hox. Benedikt Reitz vom Planungsbüro notierte alle Anregungen. Auch die Bürger waren aufgefordert, ihre Ideen schriftlich festzuhalten und abzugeben. Diese und die Ideen der anderen Aktionen fließen am Ende in das Stadtentwicklungskonzept ein, das Politik und Verwaltung als Leitfaden für Entscheidungen dienen soll.

Auch in Vorst fanden sich rund 25 Bürger zum Stadtteilspaziergang ein. Foto: Wolfgang Kaiser

Auch in Vorst gab es trotz eisiger Temperaturen rege Beteiligung am Stadtteilspaziergang. In einer Gruppe von knapp 25 Personen stiegen viele gleich zu Beginn in die Diskussion ein. Hauptthema war der Ortskern. Von den Bewohnern wurden vor allem die Parksituation sowie der Durchfahrtsverkehr stark kritisiert. Während einige dafür stimmten, dass man den Platz vor der Kirche autofrei machen müsse, kam es auch zu Gegenstimmen, die besonders Einzelhandel und Kirchgänger in Schutz nahmen. Diskutiert wurden darunter die Möglichkeit einer Sperrung des Durchgangsverkehrs, erweiterte Parkflächen oder die Idee eines Personenbusses. Zu einem Schluss kam man jedoch noch nicht.

Bauassessor und Stadtplaner Joachim Sterl von Post Welters führte die Gruppe. „Wir wollen nicht nur wissen, was an verschiedenen Stellen gut und schlecht ist, sondern auch Ideen und Visionen sammeln“, sagte er zu Beginn. Zu den angesteuerten Zielen fielen neben dem groß diskutierten Markt auch die verschiedenen Eingänge in den Ortskern, wie die Kuhstraße, die Clevenstraße und die Seulenstraße. Mehrfach äußerten Teilnehmende am Stadtteilspaziergang den Wunsch nach mehr Pflege der verschiedenen Blumenbeete. Hierzu einigte man sich größtenteils auf die Idee möglicher Baumpatenschaften.

„Es sind vielleicht oft nur Kleinigkeiten, aber irgendwo muss man eben anfangen“, äußerte sich ein Bewohner. Denn die Zuversicht schwinde bei zu vielen nicht eingehaltenen Versprechen und lange dauernden Genehmigungsverfahren. An der Hauptstraße versuchte man gemeinsam, eine geeignete Querungshilfe zu finden, um den Straßenübergang zu erleichtern und sicherer zu gestalten. Überlegungen der Teilnehmer waren die Aufstellung einer Bedarfsampel oder die Einzeichnung eines Zebrastreifens. Auch dem Fahrradverkehr will man mehr Platz einräumen.