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Stadt investiert 40.000 Euro in Vorster Rathaus

Vorst : Stadt investiert 40.000 Euro in Rathaus

Seit einiger Zeit ist das Vorster Rathaus eingezäunt, und die Parkplätze vor dem Gebäude sind gesperrt. Notwendig ist das, weil Mörtel und Steine aus der Fassade des mehr als 100 Jahre alten Hauses bröckeln.

Das historische Vorster Rathaus an der St. Töniser Straße ist ein echter Hingucker. Das große, stattliche Backsteingebäude wurde 1911 gebaut und besticht durch eine ungewöhnlich schöne Architektur. Um den Zustand des Vorzeigehauses steht es allerdings nicht besonders gut. Wind und Wetter haben im Laufe der vielen Jahrzehnte an der Fassade genagt, Mörtelfüllungen und Steine sind abgebrochen. Auch der Dachfirst ist in Mitleidenschaft gezogen. Seit Wochen umgibt das Haus ein Bauzaun.

Nun stand das Rathaus auf der Tagesordnung des Ausschusses für Gebäudemanagement und Liegenschaften. Zu entscheiden gab es für die Ausschussmitglieder nichts. Es ging lediglich um die Information, dass zu der mit 28.000 Euro bereits im Haushalt eingeplanten Sanierung der Dachhaut jetzt nochmal 12.000 Euro für Ausbesserungsarbeiten an der Fassade hinzukommen. Diskutiert wurde der Punkt dennoch.

„Wir geben jetzt 40.000 Euro für Flickschusterei aus“, sagte Heinz Michael Horst von der SPD-Fraktion. „Wäre es nicht sinnvoller, Dach und Fassade komplett zu sanieren?“ Schließlich stehe das Gebäude unter Denkmalschutz und die Stadt müsse der Denkmalschutzpflicht nachkommen. Auch Abteilungsleiter Tobias Janseps sieht die Notwendigkeit einer Sanierung, aber: „Die Sanierung wird in fünf, sechs Jahren fällig, und dann ist das Rathaus vermutlich verkauft.“

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Damit spielte der Verwaltungsmitarbeiter auf das noch nicht beschlossene Vorhaben an, einen neuen Verwaltungssitz zu bauen, in dem alle Fachbereiche unter einem Dach Platz finden. Zurzeit sind die verschiedenen Fachbereiche auf vier verschiedene Standorte aufgeteilt. Das Vorster Rathaus ist einer davon. Dort sitzen die Mitarbeiter des Fachbereichs D, zu dem die Abteilungen Immobilien- und Gebäudemanagement sowie die Stadtentwicklung mit den Bereichen Planung, Umwelt und Klima, Tiefbau, Bauverwaltung und Friedhofsverwaltung gehören.

Kommt der Neubau, der laut einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie um die 25 Millionen Euro kosten würde und 2025 bezugsfertig sein könnte, wird das Vorster Rathaus, ebenso wie das Verwaltungsgebäude an der Bahnstraße in St. Tönis, verkauft. Die Stadt möchte vor diesem Hintergrund eine komplette Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Hauses nicht finanzieren.

„Wir werden jetzt lose und beschädigte Teile der Sandsteinornamente und die lockere Mörtelhinterfüllung der Firstpfannen entfernen und die Dachpfannen teilweise ersetzen“, informierte Tobias Janseps die Politiker. Die Arbeiten seien zwingend notwendig, um den Bestand zu sichern und weitere Schäden am Gebäude zu vermeiden, sagte auch Fachbereichsleiter Jörg Friedenberg: „Das ist sozusagen alternativlos.“ Auch im Sinne des Denkmalschutzes müsse jetzt gehandelt werden, denn verlorene Ornamente würden wieder hergestellt.

Der hohe Preis für die Arbeiten sei einerseits der momentanen Konjunktur geschuldet – die Stadt ist froh, dass sich überhaupt eine Firma gefunden hat, die die Arbeiten ausführt – und habe andererseits auch damit zu tun, dass es sich um Arbeiten im historischen Bestand mit denkmalrechtlichen Anforderungen handle.