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St. Tönis: Erinnerung an die Reichspogromnacht

Stille Erinnerung in St. Tönis : Kerzen leuchten in Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht

Trotz der Corona-Pandemie gab es in St. Tönis ein stilles Gedenken an dem Ort, an dem bis November 1938 eine Synagoge stand. Zwei junge Männer vertraten das Michael-Ende-Gymnasium und die Rupert-Neudeck-Gesamtschule.

Zwei junge Männer stehen am Mahnmal für die Opfer der Reichspogromnacht in St. Tönis. Sie halten die Köpfe gesenkt in stillem Gedenken. Stellvertretend für die vielen St. Töniser, die sonst jedes Jahr am 9. November in einem Schweigemarsch von der katholischen Pfarrkirche am Kirchplatz zum Mahnmal an der Kolpingstraße ziehen, sind die beiden jungen Männer gekommen.

Vor ihnen liegt ein Kranz. „Stadt, Schulen und Kirchengemeinden Tönisvorst – gemeinsam erinnern“, steht auf den Trauerschleifen, die an dem Blumengebinde befestigt sind. „Gemeinsam erinnern ist das Motto in diesem Jahr“, erklärt Christopher Schieren, Schülersprecher des Michael-Ende-Gymnasiums Tönisvorst und einer der beiden jungen Männer. Der andere ist Moritz Hirt, Schülersprecher der Rupert-Neudeck-Gesamtschule Tönisvorst.

Vor zwölf Jahren hat die Schülerschaft des Michael-Ende-Gymnasiums erstmals zum stillen Gedenken am Mahnmal eingeladen. Seitdem ziehen jedes Jahr 200 bis 300 Menschen mit Kerzen in der Hand zur Kolpingstraße, wo bis 1938 die St. Töniser Synagoge stand. Schüler und Schülerinnen der beiden weiterführenden Schulen halten dann Reden, weisen auf Stolpersteine in der Fußgängerzone hin, an denen der Schweigemarsch vorbeiführt, und schildern, was in jener dunklen Nacht in Deutschland geschah.

„In diesem Jahr mussten wir den Schweigemarsch wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen lassen“, erklärt Christopher Schieren. „Uns war aber trotzdem wichtig, ein Zeichen zu setzen, auch weil es immer noch Rassismus in unserer Gesellschaft gibt“, fügt Moritz Hirt hinzu. Ziel der Gedenkveranstaltung sei es, gemeinsam eine gute Zukunft aufzubauen und „nicht trotz, sondern wegen aller Vielfalt geeint zu stehen, da Vielfalt etwas ist, das es bei den Nationalsozialisten nicht gegeben hat“, sagt Christopher Schieren.

Zu den beiden Kerzen, die die jungen Männer auf dem Mäuerchen vor dem Mahnmal zurücklassen, gesellt sich noch eine dritte. Sie kommt von Bürgermeister Uwe Leuchtenberg, der ebenfalls am stillen Gedenken teilgenommen hat. Und es bleibt nicht bei den drei Kerzen. Im Laufe des Abends kommen noch mehr Bürger zum Mahnmal und zünden Kerzen für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes an, um ein Zeichen zu setzen, das die dunkle Nacht vom November 1938 überstrahlen soll.