1. NRW
  2. Städte
  3. Tönisvorst

Spezialimmobilien in Tönisvorst: SPD wirft Verwaltung vor, handlungsunfähig zu sein

Spezialimmobilien in Tönisvorst : SPD wirft Verwaltung vor, handlungsunfähig zu sein

Ein neuer Standort für die Stadtverwaltung ist schon lange ein Thema in Tönisvorst. Jetzt scheint Bewegung in die Idee zu kommen, alle Fachbereiche in einem modernen, neuen Gebäude unterzubringen.

Heinz Michael Horst, Fraktionsvorsitzender der SPD, geht das alles viel zu langsam. "Warum ist der Auftrag an den Gutachter immer noch nicht vergeben?", fragt der 55-Jährige in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Gebäudemanagement und Liegenschaften. Auf der Tagesordnung steht - mal wieder - der Punkt "Städtische Spezialimmobilien", sprich: Es geht um den Verwaltungsstandort und die Gebäude der weiterführenden Schulen.

Vor fast einem Jahr habe der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, einen Gutachter zu finden, der Zahlen auf den Tisch legt: Was kosten die verschiedenen Verwaltungsstandorte die Stadt? Wieviel bringt ein Verkauf der Rathäuser Vorst und St. Tönis ein? Was kostet ein Neubau? Wieviel Geld wird durch Abschreibungen und Energieeffizienz eingespart? All diese Fragen seien immer noch nicht beantwortet. "Das wirft ein Schlaglicht auf die planerische Arbeit in der Verwaltung", findet Horst.

"Wenn Sie mehr Personal brauchen, dann sagen Sie das", richtet sich der SPD-Vertreter an Bürgermeister Thomas Goßen. "Wir haben immer davor gewarnt, den Personalstand zusammen zu streichen. Die Verwaltung wird handlungsunfähig." Das kann der Bürgermeister so natürlich nicht stehen lassen. Es stimme, dass sich der Auftrag an den Gutachter verzögert habe, weil es im Gebäudemanagement personelle Engpässe gebe. "Mit Bauingenieur Tobias Janseps haben wir jetzt aber Verstärkung", stellt der Verwaltungschef einen neuen Mitarbeiter vor, der seit Anfang März dabei ist.

Generell sei es schwierig, technische Mitarbeiter zu bekommen. "Aber wir haben viele städtische Gebäude auf den neuesten Stand gebracht", sagt der Bürgermeister und erinnert an die moderne Kita-Landschaft in der Stadt. Auch der Auftrag an den Gutachter werde jetzt vergeben, beziehungsweise der vorgeschaltete Teilnahmewettbewerb sei bereits gestartet.

Bevor die Stadtverwaltung den Auftrag zur "Erstellung der Wirtschaftlichkeitsberechnung Verwaltungsstandort" erteilt, will sie einen Wettbewerb durchführen. Im zweiten Schritt soll es neben dem Thema Verwaltungssitz auch um die Zukunft der Gebäude gehen, in denen die weiterführenden Schulen untergebracht sind. Dazu müsse aber noch der aktuelle Raumbedarf gemeinsam mit den Schulleitungen ermittelt werden.

Horst betont, dass Verwaltung und Politik bereit sein müssten, weitreichende, zukunftsträchtige Entscheidungen zu treffen. "Das kann uns kein Gutachter abnehmen", sagt der Politiker. Ein Masterplan müsse her für die großen Projekte in der Stadt und dabei dürfe man sich nicht nochmal 20 Jahre im Kreis drehen. "Bisher haben wir nichts auf dem Tisch, uns fehlen die Informationen. Wir werden in diesem Ausschuss stiefmütterlich behandelt", macht der 55-Jährige seinem Ärger Luft. Dem stimmt Alexander Decher, CDU, zu: "Wir wollen in den Prozess eingebunden werden, aber dafür brauchen wir mehr Information."

Fakt ist, dass die Stadtverwaltung teilweise völlig veraltete Büros im Rathaus an der St. Töniser Bahnstraße, im Krankenhaus an der Hospitalstraße, im historischen Rathaus an der Hochstraße und im Rathaus Vorst unterhält. Die weiterführenden Schulen sind auf zwei Gebäude in St. Tönis verteilt. Fest steht jetzt schon, dass es eng wird, weil das Michael-Ende-Gymnasium zum Abitur nach neun Jahren zurückkehrt und die Rupert-Neudeck-Gesamtschule bald eine eigene Oberstufe unterbringen muss.

Auf Nachfrage von Marcus Thienenkamp (FDP), ob der Gutachter nur den Verwaltungsstandort untersuche oder ein Gesamtkonzept erstelle, sagt Goßen: "Der Rat hat nur eine externe Wirtschaftlichkeitsprüfung für den Verwaltungsstandort beschlossen. Die Schulstandorte werden wir ergänzend beraten."

(WS03)