SPD plädiert für eine Stadtmarketing-Gesellschaft, im Werbering St. Tönis kriselt es

Antrag der SPD Tönisvorst : Das Stadtmarketing professionalisieren

Nach der Absage des „Adventszaubers“ und der Krise des Werberings St. Tönis startet die SPD-Fraktion eine Initiative für eine Stadtmarketing-Gesellschaft. Im Fachausschuss wird ein Experte am Dienstag aus seiner Praxis berichten.

Eine grüne und bunte Innenstadt verspricht der Werbering St. Tönis für das Wochenende. An diesem Samstag und am Sonntag lädt das Frühlingsfest in die Innenstadt. Danach ist für den Vorstand des Werberings erst einmal Schluss. Jedenfalls haben Stefan Robben, Rino Caruana und Ulrich Peeren angekündigt, dass sie als Vorstand des Werberings aufhören und auf der kommenden Mitgliederversammlung auch nicht mehr kandidieren wollen. Bisher hat sich auch noch kein potenzieller Nachfolger aufgetan, so dass die Auflösung des Werberinges – vorsichtig formuliert – durchaus im Bereich des Möglichen ist. Auf der anderen Seite sind weitere Stadtfeste für das Jahr angemeldet, zumindest die verkaufsoffenen Sonntage zu diesen Terminen wurden bei der Stadt beantragt und von ihr genehmigt.

Umso wichtiger wird die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Gebäudemanagement und Liegenschaften, die für Dienstag, 2. April, angekündigt ist. Ausschussvorsitzender Andreas Hamacher (CDU) wird unter Punkt 4.1 der Tagesordnung einen SPD-Antrag aufrufen, in dem es um die Gründung und Anschubfinanzierung einer unabhängigen Stadtmarketing-Gesellschaft in Höhe von 20.000 Euro geht. Die SPD möchte die Innenstadt bei Veranstaltungen attraktiver machen, begründet sie ihren Antrag. Fraktionsgeschäftsführer Hans Joachim Kremser schreibt in der Begründung zum Antrag: „Trotz allem begrüßenswerten Engagement des Werberinges sind die öffentlichen Veranstaltungen in großen Teilen nicht mehr attraktiv und zeitgemäß.“

Ursprünglich wurde der Antrag im Zuge der Haushaltsberatungen in der Januar-Sitzung des Stadtrates gestellt – und dort mehrheitlich in den zuständigen Fachausschuss geschoben. Der Antrag kam sicherlich unter dem damals noch frischen Eindruck der Absage des Adventszaubers zustande, als der Werbering Sicherheitsauflagen der Stadt nicht erfüllen konnte und die Stadt daraufhin teilweise Genehmigungen versagte.

Die Verwaltung geht ohne Beschlussempfehlung in den Ausschuss. Bei der Frage der Gründung einer Stadtmarketing-Gesellschaft sei zunächst einmal zu klären, welche konkreten Aufgaben in einer solchen Gesellschaft erledigt werden sollen, welche Akteure vor Ort als Gesellschafter in Betracht kämen und welche finanziellen und personellen Ressourcen der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden müssten. Aus Sicht der Verwaltung soll ein Bericht aus der Praxis anderer Kommunen Impulse geben. Aus seinem Netzwerk am Niederrhein hat Wirtschaftsförderer Markus Hergett nun Sascha Terörde nach St. Tönis eingeladen.

Terörde war bis September 2018 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketinggesellschaft in Emmerich und wechselte dann als Leiter in die neu geschaffene Stabsstelle „Zukunfts- und Strategiebüro“ im Rathaus seiner Heimatstadt Bocholt. Der 46-Jährige soll im Zukunfts- und Strategiebüro regionale und überregionale Planungen und Themen koordinieren, etwa zu Bereichen wie öffentlicher Personennahverkehr, Schiene und Breitband, Demographie und Ärztenetzwerk. Darüber hinaus geht es um Innovationen und gesellschaftliche Entwicklung. Mit dem Projekt „Zukunftsstadt Bocholt 2030+“ nimmt die Stadt an einem bundesweiten Wettbewerb teil. Dabei geht es um ein neues Format für Bürgerbeteiligungen.

Das klingt alles sehr spannend, liegt aber Lichtjahre von der Stimmung in der Stadt Tönisvorst entfernt. Während sich Bocholt für die Zukunft fit macht, gibt es bisher für die Stadt Tönisvorst keine Visionen, keinen Kompass, wohin man möchte – außer vielleicht, den Haushalt zu sichern. Ziel ist für viele lediglich eine schwarze Null.

Die Umbruchsituation mit dem Werbering bringt Schwung in die Diskussion um eine Stadtmarketing-Gesellschaft. Für Beobachter der vergangenen Monate wäre schon ein Fortschritt, wenn das Thema konstruktiv und nicht parteipolitisch diskutiert wird. Die 20.000 Euro, die der Antrag als Anschubfinanzierung nennt, sind natürlich viel zu gering, wenn man wirklich etwas bewegen will. Aber welcher starke Partner ließe sich für ein solches Unternehmen gewinnen?

Mehr von RP ONLINE