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So war die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ in Tönisvorst

Theater in Tönisvorst : Das Spiel mit den Vorurteilen

Die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ bescherte dem Stadtkulturbund Tönisvorst ein ausverkauftes Haus. Mehr als 500 Zuschauer wurden nicht enttäuscht.

Mit drei ausgelassenen Hochzeitsfeiern geht sie rasant los, die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“, die auf der Bühne als Theaterstück wesentlich besser ankommt, als im Kino als Film. Das liegt daran, dass die Handlung auf das Wesentliche komprimiert ist und sich auf wenige Schauplätze konzentriert.

Die Botschaft aber bleibt die Gleiche: Es ist menschlich, dem Fremden skeptisch gegenüberzustehen, auch darin sind alle Menschen gleich, unabhängig von Kultur, Hautfarbe, Sprache und Herkunft. Wer sich aber darauf einlässt, das Andere und den Anderen kennenzulernen, der entdeckt mitunter überraschend viele Gemeinsamkeiten und findet auch schon mal einen Seelenverwandten. Dass dafür niemand seine Herkunft verleugnen oder seine Werte aufgeben muss, ist eine weitere Botschaft des Stücks, das nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeitet, sondern sich durch tiefsinnigen Humor auszeichnet.

Zur Geschichte: Monsieur Claude (Michel Guillaume) und seine Frau Marie (Judith Riehl) haben vier Töchter: Isabelle (Katharina Gschnell) heiratet einen Franzosen mit algerischen Wurzeln und muslimischen Glauben (Ricardo Angelini). Adèle (Yael Hahn) heiratet einen Franzosen mit israelischen Wurzeln und jüdischem Glauben (Thorin Kuhn). Und Michelle (Fee Denise Horstmann) heiratet einen Franzosen, dessen Eltern einst aus China geflüchtet sind (Xiduo Zhao). Während die Mutter sich vor allem daran reibt, dass keiner der Schweigersöhne Christ ist, stören den Vater mehr die Wurzeln der jungen Männer.

Also ruhen alle Hoffnungen auf Nesthäkchen Laura (Laura Antonella Rauch), die den Eltern tatsächlich bald ihren Charles – schon der französische Name lässt den Vater, einen glühenden Verehrer von Charles de Gaulle, aufhorchen – vorstellen will, der auch noch christlichen Glaubens ist, was Mutter Marie Vollendens verzückt. Dass Charles‘ Hautfarbe schwarz ist, verschweigt Laura vorerst lieber.

Tatsächlich nehmen die Eltern es letztlich gut auf, nun auch noch einen afrikanisch stämmigen Schwiegersohn zu bekommen, die Schwestern und Schwager sind es dagegen, die die Hochzeit noch verhindern wollen.

Neben diesem Hauptstrang spielt die Komödie, die sich im St. Töniser Corneliusforum auch durch ein großartiges Ensemble auszeichnet, auf allen Ebenen mit Vorurteilen und Stereotypen: Die Franzosen trinken zu jeder Gelegenheit Unmengen Wein, halten den Fußball und die Geschichte ihres Landes hoch. Die Chinesen sind geschäftstüchtig, essen Hunde und lächeln verdächtig viel. Die Araber sind aufbrausend, machohaft und kleinkriminell. Die Juden sind verstockt und haben einen speziellen Humor. Die Schwarzen sind wild, laut und triebhaft.

Dass diese Stereotype tatsächlich teilweise auf die Charaktere des Stücks zutreffen, ist einer der vielen kleinen Treppenwitze, die erst in der Nachbetrachtung auffallen und so auch am nächsten Tag noch einmal für ein Schmunzeln sorgen.