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So soll der Waldkindergarten in Tönisvorst aussehen

Betreuungsangebot in St. Tönis : So soll die Tönisvorster Waldkita aussehen

Ende August soll der Waldkindergarten des Deutschen Roten Kreuzes in St. Tönis den Betrieb aufnehmen. Gestaltet wird er nach dem Vorbild in Brüggen. Dort ist ein Jahr nach dem Start bereits eine Warteliste eingerichtet.

Die ersten Versuche misslingen Juno noch. Das Brett unter seinen Füßen wackelt stark, der Baumstamm darunter rollt zur Seite und der Vierjährige fällt auf den weichen Waldboden. Unbeeindruckt steht Juno auf und versucht erneut, sich so auszubalancieren, dass er mit dem Brett auf der Rolle hin und her wippen kann, ohne zu stürzen. Kurz darauf gelingt es ihm – natürlich, „er ist doch ein Waldkind“, ruft die fünfjährige Eleyna erklärend.

Der Waldkindergarten am Tierpark in Brüggen ist für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ein Erfolgsprojekt und soll darum als Vorbild für den geplanten Waldkindergarten in Tönisvorst dienen. Ende August will das DRK auf einer rund 2000 Quadratmeter großen Fläche am Schulzentrum im Stadtteil St. Tönis den Betrieb aufnehmen. Bis zu 20 Plätze sind vorgesehen, sechs verbindliche Anmeldungen gibt es bereits. „Wir starten wahrscheinlich mit zehn Kindern“, sagt Detlef Blank, Geschäftsführender Vorstand beim DRK-Kreisverband Viersen. In Brüggen sei das Angebot vor knapp einem Jahr mit sechs Kindern angefangen, inzwischen gebe es für die ebenfalls 20 Plätze eine Warteliste.

Zwei dieser Bauwagen hat das DRK für den geplanten Waldkindergarten in Tönisvorst bestellt. Foto: Emily Senf

Der Waldkindergarten ist für Kinder ab drei Jahre bis zum Grundschulalter. Jüngere Kinder sowie Kinder mit Inklusionsbedarf würden nicht aufgenommen, da dies eine schwierige Situation mit großem Betreuungsaufwand wäre, sagt Blank: „Es wäre zu gefährlich.“ Bei dem Konzept entstünden im Vergleich zu einer klassischen Kindertagesstätte höhere Kosten, weil ohnehin mehr Personal eingesetzt werden müsse. „Man braucht immer eine Person mehr als sonst“, erläutert Blank. Für Eltern entstünden keine zusätzlichen Gebühren. Die Idee zum Waldkindergarten stamme vom Kreisjugendamt; bislang gebe es im Kreis drei solcher Einrichtungen.

Vier Kräfte in Voll- und Teilzeit soll es in Tönisvorst geben. Die Leitung übernimmt Franka Hoppe, die bereits für den Waldkindergarten in Brüggen verantwortlich ist. Die Stellen zu besetzen, sei an sich kein Problem, sagt Blank: „Das Interesse ist da.“ Schwieriger sei die anschließende Auswahl der Bewerber. Blank: „In einem Waldkindergarten zu arbeiten, bedeutet nicht nur, den ganzen Tag draußen zu sein.“

Das Innere des Bauwagens in Brüggen. In St. Tönis kommen noch Tische hinein. Foto: Emily Senf

Die Mitarbeiter ziehen etwa Zecken, begleiten die Kinder zur Komposttoilette und leiten sie im Umgang mit Werkzeug an. Martina Schümers beaufsichtigt gerade, wie Juno mit dem Handbohrer Löcher in Walnussschalen macht, um daraus eine Kette zu fertigen. Inzwischen kann sich die ehemalige Tierpflegerin nicht mehr vorstellen, in einer regulären Kita zu arbeiten, sagt die 53-Jährige, während der Regen auf die Plane über ihrem Kopf prasselt.

Die Kinder müssen Selbstständigkeit lernen. So gibt es keinen Zaun, die Kinder können sich in dem Wäldchen aufhalten, wo sie möchten. Sie dürfen auch Brombeeren und Pilze essen – allerdings nur, wenn sie es vorher mit den Erziehern abgesprochen haben, betont Schümers. „Und sie wissen genau, was sie zum Geburtstag kriegen: Mit vier gibt es einen Hammer, mit fünf eine Klappsäge und mit sechs ein Taschenmesser.“ Damit niemand falsche Erwartungen habe, würden Eltern bei den Aufnahmegesprächen sehr genau über Konzept und Tagesablauf informiert. „Mit Kindern gibt es überhaupt kein Problem, wenn, dann mit Eltern“, sagt Blank.

Ursprünglich hatte die Tönisvorster Verwaltung als Standort die Rottheide in Vorst favorisiert, doch dafür keine Genehmigung von der Bauaufsicht des Kreises bekommen, berichtete Bürgermeister Thomas Goßen (CDU) im Juni im Jugend- und Sozialausschuss. Auch den Anforderungen des Landesjugendamts hätte die Flächen nicht genügt.

Nun wird es also die Wiese hinter dem Beachvolleyballfeld der Turnerschaft, zwischen dem Schulzentrum Corneliusfeld und dem Vereinsheim. Angrenzend steht der Gruppe ein 3000 Quadratmeter großes Wäldchen zur Verfügung. Dieses werde noch durchforstet, was aus Gründen des Vogelschutzes erst ab dem 1. Oktober möglich sei, wie Blank berichtet. Er sei mit dem Standort in St. Tönis zufrieden. „Wir haben eine Fläche, die zentral ist, aber doch versteckt“, sagt er. Von einem angrenzenden Fußweg aus sei sie nicht erreichbar. Das Wäldchen sollen sich die Kinder selbst erschließen, dort spielen und Tiere beobachten.

In Brüggen gibt es einen Bauwagen, und ein zusätzlicher Raum als Rückzugsort wird gerade im Tierpark gebaut. Weil das in St. Tönis nicht möglich ist, sind zwei Bauwagen bestellt, die in den kommenden Wochen ihren Einbau erhalten. Einer dient als Spielbereich, der andere für die Küche und das Büro. Wasser kommt aus dem Kanister, Strom liefert eine Solaranlage.

Blank ist von dem Konzept Waldkindergarten überzeugt. „Selbstständigkeit ist ein tolles Erziehungsziel“, sagt er. Allerdings würden sich die positiven Aspekte nicht nur auf die Kinder beschränken. Aus dem Team in Brüggen sei seit der Eröffnung noch niemand krankgeschrieben gewesen. Oliver Hammann blickt freudig auf den Start in Tönisvorst. Als Auszubildender ist er noch in Brüggen eingesetzt und wechselt dann als Erzieher nach St. Tönis. „Es ist wildromantisch hier“, sagt der 33-Jährige und lächelt.

Das Landesjugendamt habe sein Okay gegeben, sagt Blank, nun liege es beim Bauamt des Kreises, dass der Waldkindergarten final genehmigt werde.

Kommentar: Angebot kann nur ein Zusatz sein