Tönisvorst: Schüler üben Demokratie

Tönisvorst: Schüler üben Demokratie

Rund 400 Schüler des Michael-Ende-Gymnasiums nehmen in dieser Woche an der Juniorwahl teil. Die Ergebnisse der deutschlandweiten Schülerwahlen für den Bundestag werden am Sonntag im Internet veröffentlicht.

Hendrik Menzel nimmt sich einen blauen Stimmzettel und verschwindet in die Wahlkabine von Raum C310. Der 17-Jährige hat sich vorher erkundigt und weiß, welcher Partei er seine Stimme geben möchte. "Ich finde es wichtig, dass die Digitalisierung in den Schulen vorangetrieben wird", nennt der Gymnasiast ein Thema, das ihm besonders am Herzen liegt. Wie Hendrik haben zurzeit alle Schüler des neunten Jahrgangs und der Oberstufe am Michael-Ende-Gymnasium Tönisvorst die Wahl. Die Schule nimmt an der Juniorwahl zur Bundestageswahl teil.

"Einige sind schon 18 und dürfen am Sonntag tatsächlich zum ersten Mal den Bundestag wählen", sagt Brigitte Bluhm, Lehrerin für Politik und Sozialwissenschaften. Eine dieser Schülerinnen ist Tabea Jeckel. "Wir haben uns in Sowi mit dem Thema Wahlen und den Parteiprogrammen beschäftigt", sagt die 18-Jährige. Was sie wählen soll, weiß sie trotzdem nicht. "Mir ist Chancengleichheit wichtig, aber das sehe ich bei keiner Partei wirklich vertreten." Auch gute Ideen für eine bessere Integration von Ausländern habe sie vergeblich in den Programmen gesucht, sagt die Schülerin.

Auch Nora Nauen interessiert sich für das Thema Integration. Außerdem ist die 17-Jährige der Meinung, die Politik müsse mehr Geld in die Bildung investieren. "Kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung der Schulen wären gut", sagt die Jugendliche, die sich Wahlprogramme und die öffentlichen Auftritte der Politiker angesehen hat. Obwohl das Thema Bundestagswahl die Medien zurzeit beherrscht, sind nicht alle Schüler gut informiert. "Ich habe keine Ahnung, was ich wählen soll", sagt einer, und "Ich interessierte mich eigentlich nicht für Politik" ein anderer. Auch auf die Frage, warum man wählen gehen sollte, haben nicht alle Schüler eine Antwort.

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Brigitte Bluhm ist trotzdem davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit dem Thema "Parteien und Wahlen" im Unterricht und die Teilnahme an der Juniorwahl in der Schule ein gutes Mittel gegen Politikverdrossenheit ist. "Wissenschaftliche Studien belegen eine Steigerung der Wahlbeteiligung bei Erstwählern und deren Familien sowie eine Senkung des Nichtwähleranteils von 22 auf unter sieben Prozent nach der Teilnahme an der Juniorwahl", weiß die Lehrerin.

Seit 1999 wird die Juniorwahl als praktisches Projekt zur politischen Bildung bundesweit zu Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen durchgeführt. Seither haben sich schon mehr als 1,8 Millionen Jugendliche beteiligt, wodurch die Juniorwahl zu den größten Schulprojekten in Deutschland zählt. Brigitte Bluhm geht noch weiter. "Ich nehme mit einer neunten Klasse an einem Wettbewerb zum Thema Wahlen ab 16 Jahren teil", erzählt die Lehrerin. Ausgelobt hat den Wettbewerb mit dem provokanten Titel "Wählen ab 16! Eine Gefahr für die Demokratie?" die Bundeszentrale für politische Bildung.

Welche Parteien die jungen Menschen in Deutschland bevorzugen, lässt sich am Sonntag ab 18 Uhr im Internet nachlesen. Dann werden die Ergebnisse auf "http://www.juniorwahl.de" veröffentlicht. "Für die Wahlergebnisse an unserer Schule brauchen wir aber etwas länger", sagt Lehrerin Bluhm. Zwar habe sie ein engagiertes Team von Wahlhelfern in der Schülerschaft, aber bis alle Stimmen ausgezählt seien, dauere es eben doch. Das Ergebnis wird dann auf der Homepage der Schule (www.michael-ende-gymnasium.de) veröffentlicht.

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