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Schnüffelnasen der Kita Biberburg in St. Tönis teilen ihre Martinstüten

Aktion zu St. Martin : Schnüffelnasen teilen ihre Martinstüte

In der St. Töniser Kita Biberburg ist Teilen nicht nur ein Wort, sondern hier folgen Taten. Zum nunmehr vierten Mal spenden die Vorschulkinder aus ihren Martinstüten an die Tönisvorster Hilfe.

„St. Martin hat seinen Mantel mit einem armen Mann geteilt“, weiß Max zu berichten. Der wäre nämlich sonst erfroren, schließt sich Lila an. In der St. Töniser Kindertagesstätte Biberburg ist derzeit St. Martin das Thema Nummer eins. Die Laternen sind gebastelt, der Martinsumzug am 11. November wird mit Spannung erwartet – und die Kinder wollen selbst Gutes tun.

Die Kleinen sind aufgeregt, schließlich sind sie nicht nur gemeinsam mit den Laternen unterwegs, sondern alle erleben auch die Martinsszene mit Mantelteilung, und es gibt für jedes Kind im Anschluss eine große Tüte voller Süßigkeiten, mit Obst und einem Weckmann. Und genau diese Tüte spielt in der Kita Biberburg bei den Vorschulkindern eine weitere wichtige Rolle. „Wir teilen nämlich“, sagt Melody. Wer viel habe, der könne auch etwas abgeben, fügt sie an.

Im nunmehr vierten Jahr pflegt die Kita, die sich in Trägerschaft einer Elterninitiative befindet, einen besonderen Brauch. Die Vorschulkinder, in der Biberburg liebevoll Schnüffelnasen genannt, teilen ihre Martinstüten. Ein jedes Kind sucht aus seiner Tüte ein Teil heraus, das es für die Tönisvorster Hilfe abgibt. Die Idee entstand vor vier Jahren im Team. Man wollte den Kindern den Begriff des Teilens näherbringen. „Wir reden alle an St. Martin vom Teilen. Aber was ist das eigentlich? Für die Kinder ist es zunächst einfach nur ein Wort. Wir versuchen das Wort mit Leben zu füllen und möchten den Kindern näherbringen, was es bedeutet. Und das geht am besten mit einem praktischen Beispiel“, sagt Einrichtungsleiterin Stephanie Tauber.

Wobei es so ist, dass die Kinder ab dem Vorschulalter die Hintergründe des Teilens bereits verstehen können, was bei den jüngeren Kindern noch nicht gegeben ist. „Uns ist es ja gerade wichtig, dass nicht einfach nur ein Teil aus der Tüte abgegeben wird, sondern die Kinder den sozialen Aspekt, der dahintersteht, auch verinnerlichen. Teilen ist eine soziale Komponente, die es zu entwickeln gilt“, betont Tauber. Das Bewusstsein zu entwickeln, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben und dass es nicht nur ein Ich, sondern auch ein Du und ein Wir gibt, ist mehr als wichtig. Von sich aus etwas zu geben, wird den Kindern begreifbar gemacht.

Bei den Eltern, denen die Kita seinerzeit die Idee vorstellte, stieß das Team auf Begeisterung, und das hat sich bis heute gehalten. Die Eltern unterstützen die Aktion auf mehrfache Art und Weise. Das fängt schon beim eigentlichen Teilen an. Denn Teilen heißt im Fall der St.-Martinstüte nicht einfach, dass man das, was man eh nicht mag, abgibt. Die Schnüffelnasen lernen in der Kita, dass Teilen bedeutet, etwas abzugeben, was einem selber vielleicht nicht ganz so leicht fällt. Die Eltern greifen das Thema daheim ebenso auf, wenn gemeinsam in die Tüte geschaut und überlegt wird, was man abgeben möchte. Die Aktion hat sich dabei entwickelt. „Anfangs sind wir mit einem Bollerwagen zur Tönisvorster Hilfe gezogen. Heute sind wir mit zwei Bollerwagen unterwegs, weil die Eltern zusätzlich zu der Süßigkeitenspende ihrer Kinder aus der Martinstüte oftmals weitere Grundnahrungsmittel wie auch Kaffee und Konserven spenden“, berichtet Tauber.

Die Vorschulkinder kommen mit ihrer Spende aus der Tüte sowie den Zusatzgaben nach St. Martin in die Kita. Alle Lebensmittel werden in Körben gesammelt, um danach gemeinsam per Bollerwagen zur Tönisvorster Hilfe gefahren zu werden. Alle Vorschulkinder gehen mit und übergeben die Gaben gemeinsam mit ihren Erzieherinnen. Bei der Tönisvorster Hilfe ist die Freude über die Spende groß. „Heute ist das Teilen nicht mehr so selbstverständlich. Die Gesellschaft ist egoistischer geworden. Daher freut es uns umso mehr, dass die Kinder zu uns kommen. Bei den Jüngsten fängt es an, dass sie den Begriff des Teilens kennenlernen, und diese Aktion setzt dies auf der ganzen Linie um. Schön ist es zudem, dass die Eltern uns ebenfalls mit Spenden unterstützen“, sagt Jürgen Beyer von der Tönisvorster Hilfe. Es sei eine segensreiche Handlung und eine mehr als nur willkommene Aktion, betont er. Die Schnüffelnasen freuen sich indes bereits, dass sie bald teilen dürfen. „Man kann ganz viel teilen“, bringt es Melody auf den Punkt. Phil verrät, dass er die guten Sachen aus seiner Tüte auch mit Oma und Opa teilt.